Golfstrom
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Folgen des Klimawandels Der Golfstrom wird gefährlich langsam

Golfstrom
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Der Golfstrom ist ein schnell fließende Meeresströmung im Atlantik und zählt zu den wichtigsten Wärmetransportsystemen der Erde. Er bewegt mehr Wasser als alle Flüsse der Erde zusammen und bringt auf seinem Weg von der Karibik nach Nordeuropa ein angenehm mildes Klima in unsere Gefilde. So zum Beispiel ermöglicht der Golfstrom, dass an Irlands Südwestküste Palmen wachsen und Norwegens Küsten mit prächtigen Obstbäumen aufwarten können. Doch damit könnte in nicht alt zu ferner Zukunft Schluss sein.

Er fließt deutlich langsamer

Prof. Stefan Rahmstorf vor einem Bücherregal
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Wie ein internationales Wissenschaftlerteam in der renommierten Fachzeitschrift Nature meldet, gibt es starke Belege für die Abschwächung des Golfstromsystems.

Neue Daten zeigen, dass sich die Ozeanzirkulation seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 15 Prozent verlangsamt hat. Ursache dafür ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der vom Menschen verursachte Klimawandel.

Dr. Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam, einer der Autoren der Studie, sieht darin ein großes Problem.

Diese Abnahme um 15 Prozent bedeutet eine Abnahme um drei Millionen Kubikmeter pro Sekunde. Das sind also gigantische Strömungsmengen, die kann man sich als Laie gar nicht vorstellen.

Dr. Stefan Rahmstorf

Die Umwälzströmung im Atlantik wird durch einen Dichteunterschied des Meerwassers angetrieben. Wenn das warme und leichtere Wasser aus dem Süden nach Norden fließt, wird es kälter und damit dichter und schwerer. Dann sinkt es in tiefere Meeresschichten und fließt zurück in den Süden.

Durch die globale Erwärmung, verstärkte Regenfälle und das Abschmelzen von arktischem Meereis sowie dem Grönlandeis verändern sich Salzgehalt und Dichte des Meerwassers. Das Wasser des Nordatlantiks wird weniger salzhaltig, also weniger dicht und weniger schwer. So kann es nicht in tiefere Meeresschichten sinken und der Strömungskreislauf ist gestört.

Voraussagen werden bestätigt

Der Golfstrom wird von Wissenschaftlern schon seit Jahrzehnten erforscht. Mit Computersimulationen haben sie bereits vorausgesagt, dass sich der Golfstrom als Reaktion auf die vom Menschen verursacht globale Erwärmung verlangsamen wird. Nun haben die neuen Daten diese Voraussagen belegt. Dr. Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam sagt, dass es sich hierbei um die bisher robustesten Belege handle.

Wir haben alle verfügbaren Daten über die Temperatur der Meeresoberfläche analysiert, vom späten 19. Jahrhundert bis heute. Das spezifische Trendmuster, das wir in den Messungen gefunden haben, sieht genauso aus, wie es von Computersimulationen als Folge einer Verlangsamung des Golfstromsystems vorhergesagt wird, und ich sehe keine andere plausible Erklärung dafür.

Dr. Stefan Rahmstorf

Wetter und Meeresspiegel betroffen

Beobachtete Temperaturänderungen im Golfstrom seit 1870.
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Die Folgen des verlangsamten Golfstroms sind weitreichend. Studien konnten zum Beispiel bereits zeigen, dass der Meeresspiegel an der US-Küste stark ansteigen wird. Städte wie New York oder Boston wären direkt betroffen.

Ebenso konnte festgestellt werden, dass weniger Wärme nach Norden getragen wird. Dadurch ist der Nordatlantik die einzige Meeresregion, die sich trotz Klimawandel abgekühlt hat.

Gleichzeitig verlagert sich der Golfstrom in der Nähe der USA aber Richtung Land und erwärmt die Gewässer entlang der nordlichen Hälfte der US-Atlantikküste.

Auch das Wetter in Europa könnte sich verändern, denn die Veränderung der atlantischen Meeresoberflächentemperatur hat zum Beispiel Auswirkungen auf die Zugbahnen von Stürmen, die vom Atlantik kommen. Hier könnte es dann deutlich kälter werden.

Was passiert also, wenn wir die globale Erwärmung nicht in den Griff bekommen? Verlangsamt sich der Golfstrom dann weiterhin?

Das Golfstromsystem ist so ein System, das einen bestimmten Umkipp-Punkt hat. Wenn es sich über einen bestimmten Punkt hinaus abschwächt, dann reißt es komplett ab. Wir nennen das ein nichtlineares System. Wenn der Golfstrom wirklich komplett abreißen würde, dann würde soviel weniger Wärme in den Nordatlantikraum transportiert, dass es insbesondere in den küstennahen Ländern wie Großbritannien, Skandinavien und Island deutlich kälter werden würde. 

Dr. Stefan Rahmstorf

Tatsächlich ist der Golfstrom in der jüngeren Erdgeschichte schon schwächer geworden und sogar abgebrochen. Allerdings wäre es in unserer Zeit das erste Mal, dass der Strom künstlich durch die menschengemachte Erderwärmung gedrosselt würde. Die Veränderungen im Klimasystem schreiten so schnell voran, dass sie innerhalb von ein, zwei Generationen gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft haben kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 12. April 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 19:00 Uhr