Links sind Statistiken zum Thema Landwirtschaft und Klima zu sehen. Rechts ist eine Luftaufnahme eines Mähdreschers zu sehen.
Die Klimakrise wird zur immer größeren Herausforderung für Landwirte. Bildrechte: MDR/Imago

Statistische Daten Klimaentwicklung und landwirtschaftliche Erträge

Die Statistiken zeigen klar: 2018 war für Landwirte ein katastrophales Jahr. Aber wie haben sich die Erträge davor entwickelt und was hat das Klima damit zu tun? Ein Blick in die Daten.

Links sind Statistiken zum Thema Landwirtschaft und Klima zu sehen. Rechts ist eine Luftaufnahme eines Mähdreschers zu sehen.
Die Klimakrise wird zur immer größeren Herausforderung für Landwirte. Bildrechte: MDR/Imago

Weizen, Roggen oder andere Getreidearten können für Landwirte in Mitteldeutschland zum Risiko werden. In Sachsen beispielsweise werden seit Mitte der 1990er Jahre sehr gute Erträge erzielt, vergleicht man sie zu den Zahlen von den 40 Jahren davor. Aber es gibt es starke Schwankungen, die teilweise von Jahr zu Jahr extrem ausfallen, wie etwa die Zahlen des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zeigen. In trockenen Dürresommern wie 2018 oder 2003 fallen sie stark und bringen viele Agrarbetriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Daten zu landwirtschaftlichen Erträgen liefert auch das Statistische Bundesamt (Destatis), das die Statistiken der Öffentlichkeit online zur Verfügung stellt. Auch die Klimadaten der vergangenen Jahre sind öffentlich verfügbar. Sie können beim Deutschen Wetterdienst (DWD) abgerufen werden. MDR Wissen hat einige Statistiken näher betrachtet.

Ohne Regen geht nichts

Den größten Einfluss auf die Landwirtschaft hat der Regen. Ist es zu trocken, wie 2003 oder 2018, sinken die Erträge auf Mengen, die für die landwirtschaftlichen Betriebe existenzbedrohend sind. Aber auch wann der Regen fällt ist entscheidend. Das folgende Diagramm zeigt die über die drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemittelten Regenmengen in Liter pro Quadratmeter für Frühjahr und Sommer. Das ist die für die Landwirtschaft entscheidende Grünzeit. Zentral ist auch, dass die Niederschläge möglichst gleichmäßig über die Wachstumszeit verteilt sind und nicht als Starkregen oder Hagel fallen.

Auch die Temperaturen haben einen Einfluss, vor allem in Verbindung mit den Niederschlägen. Extrem heiße und trockene Sommer sind dabei ebenso schlecht wie kühle, verregnete. Das folgende Diagramm zeigt über Frühlings- und Sommermonate gemittelte Temperaturen in Grad Celsius.

Hinzu kommen je nach Kultur spezielle Bedingungen. Winterkulturen wie Wintergetreide etwa brauchen zunächst die richtigen Temperaturen und Niederschläge im Herbst. Aber auch Frost im Winter ist als Signal für die Pflanzen wichtig, allerdings nur, wenn eine Schneedecke liegt, weil die Keimlinge sons erfrieren können.

Wie haben sich die Ernten entwickelt?

Die statistischen Ämter unterscheiden in ihren Daten über die Erntemengen die Getreidesorten Winterweizen, Roggen und Wintermenggetreide, Wintergerste, Sommergerste, Hafer sowie Triticale. Um die Daten für die drei mitteldeutschen Bundesländer leichter vergleichbar zu machen, haben wir hier für die einzelnen Länder jeweils die Werte für Weizen, Roggen, Winter- und Sommergerste zusammengefasst. Die Angaben sind in der Einheit Dezitonnen (also 100 Kilogramm) pro Hektar. Die Werte für die vier einzelnen Sorten für jedes Bundesland haben wir weiter unten in diesem Artikel noch einmal gesondert aufgeführt.

Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die über das ganze Bundesland hinweg gemittelten Ertragswerte nur bedingt zeigen, wie es den Landwirten insgesamt geht. Etwa innerhalb Sachsen war die Situation von Region zu Region stark verschieden, wie Falk Hofer vom LfULG erklärt.

Die Jahre 2018 und 2019 waren auf den sandigen Standorten in Nordsachsen (Delitzsch bis Niesky) für das Wachstum der Kulturen sehr ungünstig, teilweise sogar katastrophal. Dagegen waren 2018 und 2019 die Witterungsauswirkungen auf den guten Löß- sowie den Mittelgebirgs-Standorten deutlich geringer. Diese Unterschiede sind jedoch nicht mehr erkennbar, betrachtet man die mittleren Ernteerträge für ganz Sachsen.

Falk Hofer, Sprecher Sächsisches Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Um landwirtschaftliche Betriebe besser auf Klimaschwankungen vorzubereiten, empfehlen viele Wissenschaftler und Expterten, die Bauern sollten auf Vielfalt bei den Anbaufrüchten setzen. Am Beispiel der Kartoffel zeigt sich allerdings: In den Dürrejahren ist auch hier für Landwirte nicht viel zu holen. Die folgende Statistik zeigt die durchschnittlichen Erntemengen in Dezitonnen pro Quadratmeter.

Der Zusammenhang zwischen Temperaturen, Niederschlägen und Ernte lässt sich grob anhand des folgenden Diagramms einschätzen. Hier haben wir jeweils alle landwirtschaftlichen Ertragsmengen zusammengerechnet, gemittelt und schließlich in Prozentwerte umgerechnet, wobei das Jahr mit dem höchsten Ertrag als 100 Prozent definiert wurde. Gleiches haben wir mit Temperaturen und Niederschlägen gemacht, wobei die Niederschläge hier aus Gründen der Darstellungsmöglichkeiten nicht mehr in Frühjahr und Sommer unterschieden werden. Stark voneinander abweichende Regenmengen in den beiden Jahreszeiten erklären jedoch die Unterschiede bei den Erträgen, beispielsweise bei den Jahren 2013 und 2014. Letzteres war das in Bezug auf die Ertragsmengen das beste Jahr der vergangenen beiden Dekaden für Landwirte.

Und hier noch die Getreideernten der vergangenen zwanzig Jahre, unterschieden nach den Sorten Weizen, Roggen, Winter- und Sommergerste für die einzelnen Bundesländer Mitteldeutschlands.

War der Sommer in Ihrer Heimat vor vierzig Jahren nicht genauso heiß und trocken wie der 2018? Sehen Sie selbst nach in der interaktiven Klimakarte Mitteldeutschlands.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 09:24 Uhr