Physiker Stephen Hawking wird 75 Jahre
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Physikgenie wird 75 Jahre alt Das Zeitalter des Stephen Hawking

Er ist einer der populärsten Wissenschaftler der Gegenwart: Stephen Hawking hat gleichermaßen Forscher und Science-Fiction-Autoren inspiriert, ist aber bisweilen auch ein schwieriger Charakter. Am Sonntag wird der britische Physiker 75 Jahre alt.

Physiker Stephen Hawking wird 75 Jahre
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Stephen Hawking hat seinen Gastauftritt bei Raumschiff Enterprise wohl sehr genossen. In der kurzen Szene schlägt er den Androiden Data, Isaac Newton und Albert Einstein im Poker. "Leider kam Alarmstufe Rot, so dass ich meinen Gewinn nicht einstreichen konnte", erzählt er in "Das Universum in der Nussschale".

Am kommenden Sonntag, 8. Januar, wird der Physiker 75 Jahre alt. Seine Berühmtheit verdankt er auch solchen Auftritten, wie dem in der Weltraum-Fernsehserie. Hawking hat stets eine Meinung parat, geht es um Zukunftsfragen der Menschheit, das Weltall oder Außerirdische.

Karriere trotz tödlicher Krankheit

Schon seine eigene Geschichte ist eine kleine wissenschaftliche Sensation. Kurz nach seinem 21. Geburtstag wird eine Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert. Die Ärzte sagen ihm ein kurzes Leben voraus. Der begabte Physiker aber trotzt bis heute der tödlich verlaufenden Erkrankung, bei der sich die für Muskelbewegung zuständigen Nerven bis zur vollständigen Lähmung zurückbilden.

Die Folgen der ALS haben ihn dennoch geprägt: Seit 1968 ist Hawking auf einen Rollstuhl angewiesen, seit 1985 kann er nur noch mithilfe eines Computers sprechen. Steuerte er diesen zunächst noch per Hand, nutzte er später einen Wangenmuskel. Inzwischen reagiert der Rechner auf die Augenbewegungen des geistig nach wie vor hellwachen Genies.

Der im Rollstuhl sitzende Wissenschaftler Steven Hawking bei der Eröffnung der Paralympics in London 2012.
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Trotz dieser schweren Behinderung war der Physiker von 1979 bis 2009 Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge, eine Position, die vor ihm unter anderem Isaac Newton innehatte. Die bedeutende Professur illustriert die wissenschaftliche Tradition, in der der Jubilar steht: Newton formulierte grundlegende Gesetze der Schwerkraft. Sie sind neben Einsteins Relativitätstheorie und der Quantenphysik die Grundlage für Hawkings Theorien von Schwarzen Löchern.

Wo die Zeit stillsteht

Bereits schwer erkrankt bewies er zu Beginn seiner akademischen Karriere, dass diese auch Singularitäten genannten Löcher laut Relativitätstheorie existieren müssen. An diesen Punkten, an denen die Schwerkraft Materie unendlich stark zusammenzieht und selbst Licht nicht mehr entkommen kann, hält nach Hawkins Theorie auch die Zeit an. Später beschrieb er sein Konzept der "Hawking-Strahlung", wonach Schwarze Löcher langsam zerstrahlen.

Einem breiten Publikum erklärte der Forscher in populärwissenschaftlichen Büchern diese schwer verständlichen Phänomene der Physik, die der menschlichen Alltagswelt scheinbar widersprechenden. Das erfolgreichste davon wurde "Eine kleine Geschichte der Zeit".

Schwieriges Genie

Wärend Hawking seine öffentliche Beliebtheit genoss, war Leben im direkten Umfeld des Starwissenschaftlers wohl kein reines Vergnügen. In ihren Memoiren "Die Liebe hat elf Dimensionen" erzählt seine erste Ehefrau Jane davon, dass sich die Welt ihres Mannes vor allem um sich selbst drehte, während er ihre intellektuellen Fähigkeiten wenig respektierte. Später verließ er sie für seine Pflegerin Elaine Mason, die zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Techniker verheiratet war, der für Hawkings den Sprachcomputer entwickelte. Seine Kinder klagten danach, ihren Vater kaum noch zu sehen.

Seit seinem jüngsten Buch "Der große Plan" haben auch religiöse Menschen ihre Probleme mit dem Physiker. Er, der Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften ist, erklärt darin, es gebe keinen Gott. Das Universum sei spontan aus sich selbst heraus entstanden und vollständig mit physikalischen Theorien erklärbar. Dafür setzte er sich einerseits dem Vorwurf aus, er habe ein eindimensionales Verständnis von Gott, den er nur als Altenative zur Naturwissenschaft denke. Andererseits werfen ihm auch Fachkollegen unverbesserlichen Optimismus vor. Wunschdenken sei dessen Behauptung, die Entdeckung einer universellen Weltformel stehe kurz bevor, die widersprüchliche Theorien miteinander vereinen und die letzten Lücken in einem rein logischen, gottlosen Universum schließen könne.

Warnung vor dem Weltuntergang

In anderer Hinsicht zeigt sich Hawking weniger zuversichtlich. Immer wieder warnt er öffentlich davor, die Menschheit könne sich selbst auslöschen. Intelligente Roboter drohten ihren Schöpfern zum Verhängnis zu werden, ebenso wie gentechnisch veränderte Viren, ein möglicher Nuklearkrieg oder die Überhitzung des Klimas. Einziger Ausweg ist nach seiner Ansicht nach eine rasche Besiedlung anderer Planeten, damit die menschliche Spezies bei einer Zerstörung der Erde erhalten bleibe.

Man sollte diese düsteren Voraussagen allerdings mit Vorsicht behandeln, denn das Genie Stephen Hawking hat seine Meinung auch schon geändert. Glaubte er ursprünglich, ein schwarzes Loch müsse alle hineingefallene Information vernichten, revidierte er diesen Standpunkt später. Vielleicht hat auch die Menschheit noch ein wenig mehr Zeit zu leben, als Hawking ihr derzeit voraussagt.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.01.2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2017, 09:45 Uhr