Sternbild Orion Supernova? Beteigeuze wird schon wieder dunkler

Autorenfoto von Clemens Haug
Bildrechte: Tobias Thiergen/MDR

Beteigeuze, einer der hellsten Sterne am winterlichen Nachthimmel, wurde Anfang des Jahres überraschend dunkler. Astronomen haben jetzt eine Theorie dazu. Zugleich verdunkelt er sich erneut.

Diese Vier-Felder-Grafik veranschaulicht, wie die südliche Region des sich schnell entwickelnden, leuchtend roten Überriesensterns Betelgeuse Ende 2019 und Anfang 2020 für mehrere Monate plötzlich schwächer geworden sein könnte. In den ersten beiden Feldern, wie sie im ultravioletten Licht mit dem Hubble-Weltraumteleskop zu sehen sind, wird ein heller, heißer Plasmaklecks durch das Auftauchen einer riesigen Konvektionszelle auf der Sternoberfläche ausgestoßen. In Panel drei dehnt sich das ausströmende, ausgestoßene Gas schnell nach außen aus. Es kühlt ab und bildet eine riesige Wolke aus verdunkelnden Staubkörnern. Die letzte Tafel enthüllt die riesige Staubwolke, die das Licht (von der Erde aus gesehen) von einem Viertel der Oberfläche des Sterns blockiert.
Diese Vier-Felder-Grafik veranschaulicht, wie die südliche Region des sich schnell entwickelnden, leuchtend roten Überriesensterns Beteigeuze/Betelgeuse Ende 2019 und Anfang 2020 für mehrere Monate plötzlich schwächer geworden sein könnte. In den ersten beiden Feldern, wie sie im ultravioletten Licht mit dem Hubble-Weltraumteleskop zu sehen sind, wird ein heller, heißer Plasmaklecks durch das Auftauchen einer riesigen Konvektionszelle auf der Sternoberfläche ausgestoßen. In Panel drei dehnt sich das ausströmende, ausgestoßene Gas schnell nach außen aus. Es kühlt ab und bildet eine riesige Wolke aus verdunkelnden Staubkörnern. Die letzte Tafel enthüllt die riesige Staubwolke, die das Licht (von der Erde aus gesehen) von einem Viertel der Oberfläche des Sterns blockiert. Bildrechte: NASA, ESA, and E. Wheatley (STScI)

War es das Zeichen einer bevorstehenden Supernova? Beteigeuze im Sternbild Orion ist eigentlich einer der hellsten Sterne, den wir am winterlichen Nachthimmel sehen können. Aber im Januar und Februar dieses Jahres verlor er plötzlich zwei Drittel seiner Leuchtkraft. Einige Astronomen glaubten daher, dass der orange Riese kurz davor stand, in einer gewaltigen Explosion unterzugehen. Doch das geschah nicht. Stattdessen erholte sich seine Strahlkraft bis April wieder. Auf der Basis von Beobachtungsdaten des Hubble-Weltraumteleskops haben Wissenschaftler jetzt eine Theorie der Ereignisse entwickelt.

Stern verlor Plasma wie eine Blase kochenden Wassers

Hubble hatte bereits im Oktober und November 2019 registriert, wie heißes, dichtes Plasma mit etwa 322.000 Kilometern pro Stunde aus der äußeren Atmosphäre des Riesensterns geschleudert wurde. Was dann folgte, erklärt die Harvard-Professorin Andrea Dupree so: "Wir glauben, dieses Gas kühlte Millionen von Meilen außerhalb des Sterns ab und bildete den Staub, der im Januar und Februar den südlichen Teil des Sterns verdeckte."

Für die Forscher überraschend: Das Material wurde offenbar nicht von den Polen weggeschleudert, sondern direkt von der Oberfläche des Sterns. Sie vermuten, es könnte sich um eine Konvektionszelle gehandelt haben, eine Art Blase, die wie bei kochendem Wasser an die Oberfläche gestiegen und dort zerplatzt ist. Die Beobachtungen zeigen auch: Beteigeuze verliert offenbar 30 Millionen Mal schneller Masse an seine Umgebung als die Sonne. Allerdings ist auch sein Umfang bedeutend größer: Würde man ihn in die Mitte des Sonnensystems platzieren, würde seine Oberfläche bis hinter den Orbit des Jupiters reichen.

Beteigeuze wird schon wieder dunkler

Im Sommer kann Beteigeuze nur mit Spezialinstrumenten beobachtet werden, weil er sich jetzt im Blau des Taghimmels versteckt. Die Forscher haben ihn allerdings mit dem NASA-Spezialteleskop für Sonnenbeobachtungen STEREO weiter anvisiert. Dadurch bemerkten sie, dass sich Beteigeuze seit Ende Juni erneut überraschend verdunkelt. Gemäß seines bisherigen Zyklus hätte das erst nach 420 Tagen wieder passieren sollen, also über ein Jahr später.

Da bislang noch nie eine beginnende Supernova beobachtet wurde, können Forscher nicht sagen, ob die jetzigen Anomalien Anzeichen für das baldige Ende des Sterns sind. Sollten sie es sein, ist Beteigeuze allerdings längst explodiert. Da er sich in 725 Lichtjahren Entfernung befindet, hat das Licht, das uns jetzt erreicht, ihn um das Jahr 1300 herum verlassen.

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