Augen
Bildrechte: Clemens Haug

Medizin Stress macht blind

Dass Stress krank macht, ist bekannt. Magdeburger Forscher sagen nun: Stress verschlechtert auch das Sehvermögen und kann sogar blind machen. Die Forscher empfehlen deshalb eine ganzheitlichen Behandlungsansatz. Dazu gehört auch Augen-Yoga. Jeden Tag mächtig mit den Augen kullern, das soll helfen.

von Annegret Faber

Augen
Bildrechte: Clemens Haug

Patienten aus der ganzen Welt sitzen bei Professor Bernhard Sabel in Magdeburg im Wartezimmer und hoffen auf Besserung, denn seine Heilmethode ist weltweit einmalig: Er verordnet bei Augenleiden Entspannungsübungen und Augen-Yoga. Er beschreibt, wie das geht:

Augen-Yoga ist eine Methode, die ähnlich dem normalen Yoga dazu dient, die Augenmuskeln zu kräftigen. Dass man durch gezielte und systematische Eigenbewegungen die Augenmuskeln nutzt, nach rechts und links, oben und unten, eine Acht nachmachen oder auch im Kreis, nach vorne schielen, auf die Nasenspitze schauen.

Bernhard Sabel

Das alles in Kombination mit einer Massage des Gewebes sei eine Wohltat für gestresste Augen. Der Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg setzt auf Ganzheitliche Medizin. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA, Indien und Deutschland hat er weltweite Publikationen der vergangenen Jahrzehnte gesichtet, in denen es um Stress und Augenleiden geht. Außerdem wertet er derzeit Daten einer Studie mit einer Arbeitsgruppe in Indien aus: "Die Ergebnisse sind noch nicht publiziert, aber ich kann schon mal sagen, dass ein Meditationsverfahren sehr effektiv war, den Augeninnendruck zu normalisieren, was bei manchen Patienten dann auch zu einer Reduktion der Augentropfen führte."

Was Augenmediziner nicht unbedingt auf dem Schirm haben

Ein Augenarzt misst bei einer Frau den Augeninnendruck.
Messung von Augeninnendruck. Bildrechte: IMAGO

Der gefürchtete Grüne Star ist ein Beispiel. Er wird durch zu hohen Augeninnendruck ausgelöst und sein letztes Stadium ist Blindheit. Hoher Augeninnendruck wiederum kann ein Zeichen von Stress sein. Er führt zu einer mangelnden Durchblutung im Auge und dann schleichend über längere Zeit zum Untergang von Zellen und damit zum Sehverlust. Auch ganz normale Ermüdungserscheinungen, schleichend immer schlechteres Sehen bei Menschen, die nicht krank sind, kann durch Stress verstärkt werden, warnt der Psychologe und Augen-Experte.

Fairerweise muss man auch sagen, dass die Literatur, die Lehrbücher überhaupt nicht über den Zusammenhang von Stress und Sehen reden und da sind den Augenärzten die Hände gebunden, weil es auch nicht in den Lehrbüchern steht. Mein Appell an Ärzte und Patienten ist, dass sie das einfach mal ernstnehmen.

Bernhard Sabel

Weniger Stress und Augen-Yoga sind eine Möglichkeiten zur Vorbeugung. Alle zwanzig Minuten den Blick vom Computer aufheben und in die Ferne schauen, dann mit den Augen rollen. Aber Vorsicht, dass das nicht falsch verstanden wird...

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 13. Juli 2018 | 08:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 16:01 Uhr