Studie Grüner Tee wirkt gegen Krankenhauskeime

Grüner Tee ist gesund. Er soll gegen Herzinfarkt und Bluthochdruck wirken, das Krebsrisiko und den Cholesterinspiegel senken. Eine neue Studie setzt all dem jetzt noch die Krone auf: Forscher aus England und Deutschland haben gezeigt, dass Grüner Tee gegen multiresistente Keime hilft, die vermehrt in Krankenhäusern auftreten und vielen Menschen das Leben kosten.

von Annegret Faber

Grüner Tee in Teeschalen 3 min
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Unter dem Mikroskop sehen die Krankenhauskeime gar nicht so furchterregend aus – sie ähneln eher rosa Ohrstöpseln, nur dass sie oben und unten rund sind, leicht gebogen, mit Schuppen und Haaren. Ihr Name lautet "Pseudomonas aeruginosa".

Paul Higgins vom  Deutschen Zentrum für Infektionsforschung kennt einige resistente Krankenhauskeime. Doch dieser habe es in sich, so der Wissenschaftler: "Das ist ein ganz, ganz gefährliches Bakterium."

Grüntee wirkt in Kombination mit Antibiotikum

Laut Robert-Koch-Institut sind derzeit fünf Bakterienarten besonders gefährlich. Higgins und seine Kollegen wählten "Pseudomonas aeruginosa" und konfrontierten es mit einem Bestandteil des Grünen Tees, mit "Epigallocatechin". Dieser Wirkstoff schien geeignet, um Krankenhauskeime in Zaum zu halten. Forscher der Kölner Universität nahmen ihn daraufhin genauer unter die Lupe.

Teefeld
Die Forscher untersuchten den Wirkstoff Epigallocatechin, Bestandteil des Grünen Tees. Bildrechte: imago images / Westend61

Wie sich zeigte, kann der Grüntee-Wirkstoff allein nicht viel ausrichten. Nur in Kombination mit einem Antibiotikum schwingt er sich zu Höchstleistung auf und schafft es sogar, die gefürchteten Ohrstöpsel-förmigen Bakterien in Zaum zu halten.

Higgins erklärt, wie das funktioniert: "Ein Bakterium ist wie ein Mensch mit einer Regenjacke: Es regnet und regnet, aber du bis trocken."

Tests mit Mottenlarven zeigen, dass es funktioniert

Nichts dringt zu den Bakterien vor, auch kein Antibiotikum, um es zu vernichten – die Regenjacke schützt es. Nun kommt der Wirkstoff des Grünen Tees ins Spiel. Er macht die Regenjacke, also die Hülle des Bakteriums, durchlässig und gibt dem Antibiotikum den Weg frei.

Dass das funktioniert, haben die Forscher bereits an Larven einer Motte untersucht. Sie infizierten sie mit dem Bakterium und testeten dann, wie sie reagieren – zuerst auf Wasser, dann allein auf das Antibiotikum und schließlich auf die Wirkstoffkombination mit dem Grünen Tee. Das Ergebnis war eindeutig: "Mit dem Antibiotikum allein überlebten über 60 Prozent der Larven, mit dem Wasser null Prozent und mit der Kombination mit Grünem Tee 93 Prozent", fasst Higgins zusammen.

Ziel sind Tabletten mit Grüntee als Wirkstoff

Die Tablette mit Grünteebestandteilen und einem Antibiotikum wird es allerdings nicht so schnell geben. Denn der Wirkstoff des Tees geht nicht über den Magen ins Blut. Er könnte als Creme auf die Haut aufgetragen werden oder mittels Spritze direkt ins Blut gelangen. Die Tablette ist aber dennoch ein Ziel, für dessen Erreichen noch mehrere Studien nötig sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 24. September 2019 | 17:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 15:47 Uhr