Covid-19 Super-Antikörper wirkt gegen alle Coronaviren

Künstliche Antikörper galten als Hoffnungsträger zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, stellten sich dann aber als teuer, kompliziert und anfällig für Virusmutationen heraus. Eine neue Generation soll diese Probleme lösen.

3d-Illustration Antikröper gegen Coronavirus
Antikörper und Viren (Illustration) Bildrechte: IMAGO / Alexander Limbach

Ein Cocktail aus zwei monoklonalen Antikörpern der US-Biotechfirma Regeneron sorgte im Herbst höchstwahrscheinlich für die rasche Genesung von Donald Trump. (Der Ex-Präsident der USA hatte noch einige weitere Medikamente erhalten, die bei anderen Patienten allein aber nie so rasche Fortschritte gebracht hatten). Später kaufte die Bundesregierung eine kleine Menge dieser und noch eines weiteren Antikörperpräparats für deutsche Universitätskliniken. Den Durchbruch bei der Bekämpfung der Krankheit brachten die Wirkstoffe allerdings nicht. Doch das könnte sich mit einer neuen Generation von Antikörpern bald ändern.

Neue Antikörper wirken breiter

Die bisher vorhandenen, im Labor künstlich hergestellten Antikörper helfen Patienten, wenn sie sehr rasch nach der Ansteckung mit dem Virus gegeben werden. Sie müssen über eine Infusion verabreicht werden, wie es meist nur in Krankenhäusern geschehen kann. Zudem stellte sich bei Tests im Labor heraus, dass einige der Antikörper gegen die aufkommenden Virusmutationen bereits wirkungslos geworden sind.

Der Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline hat zusammen mit dem Biotechnologieunternehmen Vir Biotechnology nun eine Notfallzulassung für ein Antikörperpräparat namens "Sotrovimab" erhalten, das nicht nur Sars-CoV-2 und seine vielen neu entstandenen Varianten neutralisieren kann, sondern auf breiter Basis gegen zahlreiche Viren der Corona-Familie wirkt. Es handele sich um einen sogenannten "Superantikörper" berichtet das Magazin "nature biotechnology".

Wirksamkeit gegen alle besorgniserregenden Virusvarianten

Ähnlich wie auch verschiedene andere Projekte von anderen Biotechnologie-Unternehmen richtet sich auch "Sotrovimab" gegen solche Stellen am Sars-Coronavirus-2, die es mit vielen anderen Viren seiner Familie gemeinsam hat und die sich im Lauf der Evolution kaum verändert haben. Die Forscher gehen davon aus, dass Mutationen an diesen Stellen für das Virus erhebliche Einbußen seiner Fitness bedeuten würden. Es könnte also stark an Infektiosität verlieren.

Solche Antikörper seien in der Natur sehr selten, könnten aber ein extrem vielversprechender Ansatz in der Forschung sein, heißt es in "nature biotechnology" weiter. Der jetzt zugelassene Antikörper hat sein Vorbild in einer 2013 entnommenen Blutprobe eines Patienten, der 2002 eine Infektion mit Sars-1 überlebt hatte. Die Forscher haben die herstellenden B-Zellen des Spenders genetisch optimiert. In klinischen Versuchen wurde eine 85-prozentige Reduktion des Risikos schwerer Verläufe erreicht und in Versuchen in Zellkulturen alle aktuell als besorgniserregend klassifizierte Virusvarianten neutralisiert.

Präparat für immungeschwächte Patienten

Eine weitere Optimierung soll dafür sorgen, dass der Antikörper leichter zu verabreichen sein wird. Zwar sei der Bedarf nach dem Präparat durch den Fortschritt bei den Impfungen nicht gewaltig, aber durchaus vorhanden, so "nature biotechnology". Etwa Empfänger von Organspenden, die nach ihrer Operation immunsupprimierende Medikamente erhalten oder besonders alte Menschen könnten durch die künstlichen Antikörper besser geschützt werden. Weil das Präparat auch gegen andere Coronaviren wirkt, könnte es auch bei kommenden Ausbrüchen solcher Virusinfektionen eingesetzt werden.

(ens)

Quellen

4 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Stand des von Ihnen angegebenen Artikels: 16.12.2020 (mehr als ein halbes Jahr alt).

"Das Bundesforschungsministerium teilte "Plusminus" heute schriftlich mit, dass es weitere Gelder bereitstellen wird, damit es bald auch Medikamente gegen COVID-19 geben kann. Darin heißt es: "Um diese Projekte nun schneller und umfassender voranzutreiben, bereitet das BMBF aktuell ein zusätzliches Förderprogramm zur Forschung und Entwicklung dringend benötigter Therapeutika gegen SARS-CoV-2 vor."

Die Impfstoffforschung sei schneller mit mehr Geldern gefördert worden als die Medikamentenforschung, weil sie schon weiter gewesen sei. "Im Gegensatz zur Lage bei der Impfstoffentwicklung waren in der Medikamentenentwicklung präklinisch validierte Ansätze, welche sich bereits in der klinischen Überprüfung befanden, im Frühjahr noch nicht weit genug fortgeschritten, um schnell bis zur Zulassung weiterentwickelt zu werden", heißt es dazu vom Bundesforschungsministerium."

DermbacherIn vor 1 Wochen

Je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte werden gefunden, die keine Symptome entwickeln.
Da stellt sich die Frage, was man nehmen sollte, um das Immunsystem zu unterstützen und einen schweren Krankheitsverlauf von vorn herein zu verhindern.

DermbacherIn vor 1 Wochen

Leider hat die Politik die ganze Zeit einseitig auf Lockdown und Impfungen gesetzt, Digitalisierung, Medikamentenentwicklung und flankierende Maßnahmen außer AHA wurden vernachlässigt.
Schon im Sommer 2020 gab es vereinzelt Berichte (kleinerer) Pharmaunternehmen, die vielversprechende Medikamente am Start hatten, aber keine oder nur unzureichende Fördergelder und Unterstützung (Stichwort Zulassung) erhielten.

https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/corona-medikamente-politik-100.html

Erst jetzt kommt das Thema offenbar richtig auf den Tisch. Auch das in meinen Augen eklatantes Politikversagen ebenso wie die verschlafene Digitalisierung und das Impfstoffdrama.