Klimawandel & Ernährung Superfood aus Sachsen-Anhalt? Was wir morgen essen könnten

Dürre und Trockenheit: Welches Getreide gedeiht eigentlich unter solchen Bedingungen? Und müssen wir Superfood wie Amaranth und Quinoa immer importieren? In Sachsen-Anhalt wird der Anbau getestet.

Gemüse und Quinoa auf einem Teller neben einem Glas mit Saft
Statt Reis oder Kartoffeln: Quinoa. Schon mal getestet? Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Was gedeiht in Zukunft noch auf unseren Feldern? Trockenheit und Dürre machen der Landwirtschaft zu schaffen, in Sachsen-Anhalt ist das besonders zu spüren. Das Projekt "Zukunftsspeisen" arbeitet deshalb auf verschiedenen Ebenen daran, wie in dem Bundesland nährstoffreiche und klimaresistente Lebensmittel angebaut, vermarktet und das Wissen darüber verbreitet werden können. Motto: "Superfood aus Sachsen-Anhalt".

Trockenes Feld bei Schwaneberg (Sachsen Anhalt) in der Magdeburger Börde
Wie kann man solchen Böden fruchtbarer machen und vielleicht so anbauen, dass der Wind die Erde nicht abträgt oder weniger von der Sonne ausgetrocknet wird? Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Agrarwissenschaftlerin Urte Grauwinkel ist Teil des Teams und befasst sich mit Fachkollegen, Ernährungswissenschaftlern und Landwirten mit neuen Anbaumethoden. Das Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren noch bis 2023 und testet neue Anbausysteme für sehr sandige Böden beispielsweise, wie es sie in der Magdeburger Börde gibt. Oder sie arbeiten daran, die Bodenfruchtbarkeit trotz Hitze und Trockenheit zu erhöhen. Das Team experimentiert mit neuen und alten Kulturpflanzen und erarbeitet komplette Nutzungskreisläufe, die vom Feld in den Handel und bis auf den Teller bei uns zuhause reichen. Ein Koch zeigt in Workshops, wie neue und alte Nutzpflanzen in unseren Koch- und Ernährungsalltag eingebunden werden können.

Gesucht: Getreide, das fit ist für die trocken-heiße Zukunft

Über einem runden Sieb mit Holzrand hält eine Frau eine orangene Pflanze.
Amaranth: roh als Körner oder aufgepoppt, es gibt viele Anwendungsmöglichjeiten. Bildrechte: MDR/Estha Taddigs

In dem Projekt wird also auf verschiedenen Ebenen angesetzt. Das fängt an auf dem Feld, wenn getestet wird, wie man Flächen so gestaltet, dass sie nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind. Und wie der Wind gebremst werden kann, damit der Boden nicht abgetragen wird. Aber es wird auch mit Getreidearten aus der Region experimentiert, bei denen an alte Traditionen angeknüpft wird. Urte Grauwinkel erinnert an eine Art, die man noch vom Märchen kennt, den ewig quellenden "süßen Brei" der Gebrüder Grimm aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: die Hirse. "Aber wir probieren auch neue Sachen aus, Quinoa, Kichererbsen, Hülsenfrüchte und in einem 400 Quadratmeter großen Zukunftsgarten wird getestet, ob hier Getreide aus Trockenregionen der Welt gedeihen, wie Amaranth oder Trockenreis", sagt die Agrarwissenschaftlerin.

Wie unsere Essgewohnheiten woanders für Hunger sorgen

Einer der Landwirte, die mitwirken am Projekt "Superfood aus Sachsen-Anhalt", ist Biohof-Betreiber Jonas Schulze Niehoff. Er baut bei Wanzleben auf einem Feld Quinoa an, eine Pflanze, die der Gartenmelde ähnelt, und die sehr anpassungsfähig ist und in den Anden seit 5.000 Jahren genutzt wird. Und die in der Werbung als "Superfood" angepriesen wird. Quinoa-Körner sind glutenfrei, erinnern an Bulgur und werden wie Reis oder Weizen zubereitet. "Baust du jetzt Unkraut an", witzeln manchmal Leute, erzählt der Biobauer im Gespräch mit MDR KULTUR. Seine Antwort auf die Frotzeleien: "Langfristig ist das unsere einzige Chance, wenn nämlich die Erträge des klassischen Getreideanbaus weiter zurückgehen." Außerdem weist er auf einen anderen Aspekt hin: "Die Quinoa, die wir aus Amerika importieren, bezahlen wir so gut, dass sich Leute in Südamerika, für die Quinoa Grundnahrungsmittel ist, das selbst nicht mehr leisten können." Europas Hunger auf Superfood aus der Ferne, verursacht woanders indirekt Hunger. Doch die Lösung liegt in diesem Fall ganz nah: wir bauen das Getreide einfach selbst.

Links/Studien

Mehr über das Projekt Superfood aus Sachsen-Anhalt finden Sie hier.

(lfw/am/MDR KULTUR)

Quinoa 4 min
Bildrechte: imago images / Cord
Hirse 8 min
Bildrechte: colourbox
8 min

Agrarwissenschaftlerin Urte Grauwinkel stellt die Anbaumethoden und Anbauflächen für regional angebaute Lebensmitel vor, damit diese trotz trockenem Boden und Dürre gedeihen.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.07.2022 13:42Uhr 08:01 min

https://www.mdr.de/wissen/klimafreundliches-getreide-hirse-buchweizen-ewiger-kohl-quinoa100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Körniges Buchweizenrisotto mit Pilzen und Käseschaum. 5 min
Bildrechte: MDR/Jens Trocha
Ein leerer weißer Teller und Besteck auf einem rot-weiß karrierten Tischtuch. 11 min
Bildrechte: colourbox
11 min

Würden wir unsere Ernährung umstellen und klimafreundlich essen. Wie würde sich die auf unsere Gesundheit auswirken, mit nur 20 Prozent tierischen Produkten?

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.07.2022 13:49Uhr 10:37 min

https://www.mdr.de/wissen/planetarische-diaet-zukunftsspeisen-superfood-sachsen-anhalt100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

3 Kommentare

Shantuma vor 3 Wochen

Es gibt sowas, das nennt sich Freihandelsabkommen.
Dadurch können Länder in Afrika, die ein solches Freihandelsabkommen mit westlichen Staaten abgeschlossen haben, nicht mehr marktfähig Getreide anbauen.

Dies wurde auch schon vor mehren kirchlichen Projekten bestätigt, welche sich nicht einmal zum Selbstkostenpreis halten konnten.

D.h. die afrikanischen Länder müssen statt Getreide etwas anderes anbauen z.B. Baumwolle, Kakau etc.

Würde man in Afrika wieder traditionelle Getreidesorten anbauen, dann würde der Westen unter massiven Resourcenmangel leiden. Ein T-Shirt würden keine 5€ mehr kosten, sondern 50€.

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo Goldloeckchen,
das Projekt "Zukunftsspeisen" arbeitet daran, wie nährstoffreiche und klimaresistente Lebensmittel angebaut, vermarktet und das Wissen darüber verbreitet werden können. Es geht um die Zukunft. Wenn man das alles bereits wüsste, müsste man es nicht testen.

Goldloeckchen vor 3 Wochen

Wenn es solches Getreide gebe, warum wird es dann nicht in Afrika angebaut?