Test in der Schweiz Superlaser als Blitzableiter – Forscher hoffen auf Gewittersommer

Die Idee klingt nach Science-Fiction, aber sie soll einmal sensible Einrichtungen wie Atomkraftwerke oder Flughäfen schützen. Schweizer Forscher wollen im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts mit Hilfe eines in Deutschland entwickelten Superlasers Blitzeinschläge verhindern. Am 31. Mai wurden per Hubschrauber die letzten Komponenten des futuristischen Blitzableiters auf den 2.500 Meter hohen Berg Säntis gebracht. MDR Reporter Dietrich Karl Mäurer berichtet.

Eine Betontunnel, durch den ein grün leuchtender Laser geschossen wird. 3 min
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Noch in diesem Sommer sollen die ersten Blitze vom Himmel geholt werden.

MDR AKTUELL Mo 31.05.2021 21:54Uhr 03:01 min

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Blitzeinschläge verursachen weltweit enorme Schäden. Allein in Europa betragen die jährlichen Blitzschäden geschätzt drei bis fünf Milliarden Euro – unmittelbare Schäden genauso gezählt, wie Mehrkosten, wenn z.B. Flugzeuge wegen Gewittern einen Umweg fliegen müssen. Diese Schäden will ein Forscherteam um den Physiker Jean Pierre Wolf von der Universität Genf reduzieren. Mit Hilfe von Technik, die an Science-Fiction erinnert, sollen Blitze verhindert oder aus Gewitterwolken abgeleitet werden:

Unsere Idee ist, diese Wolke zu entladen mit einem Laser, d.h. der Laser wird der Blitzableiter sein.

Jean-Pierre Wolf, Universität Genf

Bei Gewitterlagen sollen dazu wiederholt Laserimpulse in die elektrostatisch aufgeladenen Wolken geschossen werden. Die Spannung in der Wolke würde dann abnehmen und es kann woanders nicht mehr blitzen. Flughäfen, Startrampen für die Raumfahrt, Kraftwerke oder andere Einrichtungen wären somit geschützt.

Superlaser aus Deutschland

Der grün leuchtende Superlaser für das Experiment wurde in Deutschland bei der Firma Trumpf in Ditzingen bei Stuttgart speziell gebaut. Entwickler Clemens Herkommer erklärt, wie groß die Leistung ist, die der Laser jeweils nur für einen ganz kurzen Augenblick benötigt:

Der Laser ist ja ein gepulster Laser, es kommen ultrakurze Pulse raus, also im Pikosekundenbereich. Die Pulsspitzenleistungen sind ungefähr im Bereich 700 Gigawatt – also um es sich vorzustellen: es ist so viel, wie wenn man im Zeitraum einer Pikosekunde die Leistung von hunderten Atomkraftwerken zusammenerzeugt.

Clemens Herkommer, Entwickler bei Trumpf

In der Praxis aber sei der Strombedarf vergleichbar mit dem von ein paar Ladestationen für Elektroautos, sagt Clemens Herkommer. Der Laser könnte eingesetzt werden nicht nur zur Verhinderung von Blitzen, sondern auch als Blitzableiter. Hier würde der energiereiche Strahl eine Art Luftkanal schaffen, durch den Blitze auf einen normalen Blitzableiter z.B. den eines Turms gelenkt werden.

Der Blitz der z.B. aus einer Gewitterwolke in den Boden einschlagen möchte, der würde diesen Kanal sehen und bevorzugen als Einschlagsrichtung.

Clemens Herkommer, Entwickler bei Trumpf
Der Säntis Gipfel mit Sendemast
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Um nach jahrelangen Forschungen die Technik praktisch zu erproben wurde die 500 Tonnen schwere Anlage mit einem Jahr Pandemie-Verspätung jetzt per Seilbahn und Hubschrauber auf die Wetterstation des Ostschweizer Bergs Säntis gebracht. Der gut 2.500 Meter hohe Gipfel eignet sich besonders gut für den Versuch, sagt Physiker Jean-Pierre Wolf:

Der Säntis ist einfach einmalig. Es geschieht 100- bis 400-mal pro Jahr, dass dort Blitze einschlagen. Und die Station wurde auch mit allen Instrumenten zur Untersuchung von Blitzen ausgestattet.

Jean-Pierre Wolf, Universität Genf

Sobald die Lasertechnik fertig montiert ist, sollen erste Tests beginnen. Dann hoffen die Wissenschaftler auf einen blitzreichen Sommer.

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