Eine Ärztin hält 2013 einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat.
Eine Ärztin hält in einem Operationssaal des Universitätsklinikums Münster einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat, eine "Blutkonserve". Bildrechte: dpa

Weltblutspendertag Wir brauchen jeden Tag 15.000 Blutkonserven

In Deutschland werden jeden Tag etwa 15.000 Blutspenden benötigt, sagt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Doch nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung spendet regelmäßig Blut. Deswegen kommt es besonders in den Sommer- und Ferienmonaten immer wieder zu Engpässen in der Blutversorgung. Ein Faktor ist der demografische Wandel.

von Claudia Pupo Almaguer

Eine Ärztin hält 2013 einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat.
Eine Ärztin hält in einem Operationssaal des Universitätsklinikums Münster einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat, eine "Blutkonserve". Bildrechte: dpa

Es klingt ironisch: Erst der medizinische Fortschritt hat die große Nachfrage nach Blut hervorgebracht. Für neue Krebstherapien, erfolgreiche Transplantationen und andere medizinische und chirurgische Eingriffe müssen schnell ausreichende Mengen an Blutkonserven bereit stehen. Denn nach wie vor gibt es keinen vollwertigen künstlichen Ersatz für den Lebenssaft, sagt Professor Harald Klüter, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.

Ohne Blutspenden und die regelmäßige Versorgung mit Blutpräparaten würde unser modernes Gesundheitssystem schlichtweg nicht funktionieren.

Prof. Harald Klüter, DGTI

Die Transfusion von Blutprodukten zählt zu einer der häufigsten und sehr sicheren Therapiemaßnahmen in der Medizin, sagen die Experten. Jede Spende wird unter anderem auf Hepatitis A, B und C getestet sowie auf HIV und Syphilis-Erreger. Wurde die Spende als unbedenklich eingestuft, wird sie in drei Teile aufgeteilt:

- die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, die als "Blutkonserve" z.B. für Transfusionen genutzt werden
- den flüssigen Bestandteil, das Blutplasma und
- die Blutplättchen, die Thrombozyten

Daraus werden dann unter anderem Gerinnungsstoffe gewonnen oder Impfstoffe gegen eine Tetanusinfektion. In Zeiten knapper Blutspendenvorräte sei es daher sehr wichtig, Menschen zur Blutspende zu motivieren und ihnen deutlich zu machen, dass jeder durch seinen Beitrag helfe, so Professor Klüter:

Blutspenden ist ein Akt der Solidarität. Jemand, der sein eigenes Blut anderen, die es dringend benötigen, zur Verfügung stellt, ehrt die gesellschaftlichen Grundwerte Mitmenschlichkeit, Respekt, Empathie und Freundlichkeit.

Prof. Harald Klüter, DGTI

Ein Kuchendiagramm zeigt, wofür Blutspenden in Deutschland gebraucht werden
Das Diagramm zeigt, wofür Blutspenden in Deutschland verwendet werden. Spitzenreiter beim Verbrauch sind Krebserkrankungen mit 19%. Bildrechte: DRK-Blutspendedienst Nord-Ost

Wenn Blut so dringend gebraucht wird, warum sehen Experten dann einen Rückgang?

Zum einen hat das mit dem demografischen Wandel zu tun. Die Menschen werden immer älter, dürfen aber maximal bis 68 Jahre (in Ausnahmefällen bis zu 72 Jahren) spenden. Wenn es mehr ältere Menschen gibt, bedeutet das aber gleichzeitig auch einen höheren Bedarf an Blutkonserven - sei es für Operationen oder chronische Erkrankungen. Zum anderen kursieren immer noch Gerüchte und "Mythen" um die Blutspende, unter anderem, dass das gespendete Blut dann teuer weiterverkauft werde.

mehrere Blutspendebeutel hängen kopfüber an Haken
Mehrere Blutspendebeutel hängen kopfüber an Haken. Bildrechte: Katharina Pritzkow

Dazu ist wichtig, dass man unterscheidet: Es gibt private und staatlich-kommunale Spendedienste und es gibt das Deutsche Rote Kreuz. Das DRK ist eine gGmbH - das kleine "g" steht für gemeinnützig. Das bedeutet, das Unternehmen darf keinen Gewinn erwirtschaften. Das Gerücht, dass das DRK Blutspenden verkaufen würde, stammt daher, dass das Unternehmen die Präparate, die aus den drei Blutbestandteilen gefertigt wurden, an Kliniken abgibt - aber nur zum kostendeckenden Preis. Auf MDR Wissen-Anfrage erklärte eine Sprecherin des DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, dass das DRK inzwischen 73 Prozent aller benötigten Blutpräparate an die Kliniken liefert. Es kann aber passieren, dass die Krankenhäuser gerade nicht so viel Blutplasma benötigen, wie durch Spenden vorhanden ist. Von diesem Bestandteil verkauft das DRK dann die Überschüsse an Arzneimittelhersteller.

Das an sich ist aber nicht "böser Kapitalismus auf Kosten der gutmütigen Spender". Die Pharmaunternehmen stellen aus dem Plasma Medikamente her, die unter anderem für Bluter lebenswichtig sind. Von dem Geld darf das DRK als gemeinnütziges Unternehmen aber zum Beispiel Rücklagen bilden, unter anderem um die komplexe Infrastruktur, also die Spende an sich, die Kühlung, den Transport und die Aufarbeitung des Blutes aufrechtzuerhalten. Die genauen Zahlen, was bundesweit Kosten, Einnahmen etc. der Blutspende betrifft, stellt das Paul-Ehrlich-Institut zur Verfügung.

Warum ist der 14. Juni Weltblutspendetag? Am 14.06.1868 wurde Karl Landsteiner geboren. Der österreichisch-US-amerikanische Arzt stellte im Jahr 1900 fest, dass bei Kontakt das Blut zweier Menschen oft verklumpte. Bei Untersuchungen dazu entdeckte er die drei Blutgruppen A, B und O. Im Jahr 1907 führte er in New York die erste erfolgreiche Bluttransfusion durch. Für seine Arbeit erhielt er 1930 den Nobelpreis für Medizin.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | 16. Mai 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 09:23 Uhr