Verschiedene Lebensmittel liegen nebeneinander.
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Tag der gesunden Ernährung Genuss ist besser als Diät

Die Auswahl an Nahrungsmitteln war noch nie so umfangreich wie heute. Zugleich wächst die Verunsicherung. Was ist eigentlich gesund? Ein paar Tipps aus der Ernährungswissenschaft zum Tag der gesunden Ernährung.

von Karsten Möbius

Verschiedene Lebensmittel liegen nebeneinander.
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Auf dem Schreibtisch der Ernährungswissenschaftlerin Ina Volkhardt von der Uni Halle steht eine kleine Büchse mit Obst und Gemüse. Sie versichert, dass das immer so ist. Aber keine Angst: Am Tag der gesunden Ernährung singen wir nicht das Hohe-Lied von Möhrchen, Knoblauchextrakt und Chiasamen. Es geht nicht um Diäten, schon gar nicht um eine vermeintlich ideale Art, sich zu ernähren. Es geht darum, wie wir heutzutage mit dem ganzen Hype der Ernährungstipps umgehen. Man sollte nicht auf jeden Zug aufspringen, rät Volkhardt: "Man kann schlecht sagen: Nur weil es grad Trend ist, ist es auch das absolut Beste und Gesündeste und Idealste für mich."

Es scheint so zu sein, dass sämtliche Ernährungs-Extreme nicht gut für uns sind. Das ist oft der Fall, wenn wir Essen ideologisieren, wenn wir versuchen am Essen unsere Identität festzumachen oder Essen zu einer Art Religion machen.

Ina Volkhardt Ernährungswissenschaft Universität Halle
Bildrechte: Ina Volkhardt

Essen ist eigentlich Spaß und Genuss, eine gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden und auch ein Stück Lebensqualität. Je weiter man sich davon entfernt, desto weiter gerät man in Gefahr, sich so zu ernähren wie es nicht sein sollte.

Ina Volkhardt

Die meisten von uns hören beim Essen mal auf den Kopf und mal auf den Bauch. Wir essen weder voller Inbrunst nur gesund, noch stehen wir täglich an der Wurstbude. Ernährungswissenschaftler wie Volkhardt glauben auch nicht, dass Menschen, die beim Essen auf vieles verzichten, gesünder leben. Umgekehrt gilt das aber auch nicht für diejenigen, die wenig darauf achten, was und wie viel sie essen.

Es sind die Genießer, die am gesündesten essen. Genuss setzt offenbar Stoffe frei, die Angst lösend wirken und beruhigen. Und Genuss bewahrt vor Maßlosigkeit, weil man bewusster, aufmerksamer, mit allen Sinnen isst. Es kommt also wahrscheinlich nicht nur auf die Inhaltsstoffe an. Sondern auch auf das Wie, die Stimmung, die Umgebung oder sogar das Gefühl, die Lebensmittel selbst angebaut zu haben. Man sollte beim Essen also darauf achten, was einem gut tut, womit man sich wohl fühlt. "Man sollte nicht anfangen, das Essen so stark zu theoretisieren und versuchen, sich in ein Muster zu pressen", rät Volkhardt.

Natürlich gibt es die eine oder andere Binsenweisheit. Wenig Süßes, wenig Fett, Fleisch in Maßen. Aber es gibt keinen idealen, keinen universellen Ernährungsplan. Der ewige Hinweis, mehr Obst und Gemüse zu essen, ist quasi der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich gesunde Ernährung bringen lässt. Nicht nur, weil da möglichst viele Vitamine und Mineralien drin sind, sondern weil uns das von anderen unvernünftigen Dingen abhält. "Versuchen Sie mal wirklich fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, dann schaffen Sie das Schnitzel mit den Pommes und dazu noch Schokolade nicht mehr", meint die Ernährungswissenschaftlerin.

Stoßen Sie heute also mit einem Glas Rotwein mit einem guten Steak auf den Tag der gesunden Ernährung an. Genießen Sie, lassen Sie es sich auf der Zunge zergehen und essen Sie langsam, dann haben Sie nichts falsch gemacht.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im ... : MDR | 07.03.2017 | 10:01 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2017, 12:53 Uhr