Senioren tanzen gegen Demenz
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Preis für Magdeburger Forscher Tanzen hilft gegen Demenz

Etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Bis 2050 werden es doppelt so viele sein. Forscher aus Magdeburg haben einen neuen Weg gefunden, die Krankheit aufzuhalten und wurden dafür ausgezeichnet.

von Kathleen Raschke-Maas

Senioren tanzen gegen Demenz
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Tanzen hilft, Demenz aufzuhalten. Das hat Professor Notger Müller vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen gemeinsam mit Kollegen in einer Studie nachgewiesen und wurde dafür mit dem Theo-und-Friedl-Schöller-Preis ausgezeichnet. Bekannt war bereits, dass ein kombiniertes Gedächtnis- und Bewegungstraining helfen kann, der Krankheit vorzubeugen und sie aufzuhalten. Tanzen ist solch eine Kombination, deshalb wollten die Forscher wissen, ob das ein möglicher Weg ist.

Dazu untersuchten wir bei Versuchspersonen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen, welchen Effekt ein zwölfwöchiges kombiniertes Tanztraining auf die Gehirnleistung hat. Dabei konnten wir nachweisen, dass sich die Gedächtnisleistung verbesserte und gleichzeitig das Hippocampusvolumen zunahm, das für die Merkfähigkeit entscheidend ist.

Prof. Dr. Notger Müller Hirnforscher

Die Wissenschaftler wiesen ebenso nach: Auch die sogenannte funktionelle Plastizität steigt an, also die Veränderbarkeit neuronaler Verbindungen. Diese Plastizität ist nötig, damit wir zum Beispiel etwas Neues lernen können.

Tanzen fordert Körper und Geist

Verantwortlich für diesen positiven Effekt sei, dass man beim Tanzen nicht nur körperlich aktiv ist, sondern auch den Geist fordert. Sich neue Schrittfolgen zu merken, das sei der Punkt, sagt Preisträger Notger Müller. Welche Art zu Tanzen man bevorzuge, spiele keine Rolle.

Wichtig ist, dass die Tanzschritte abwechslungsreich sind und dass man Freude daran hat.

Prof. Dr. Notger Müller

Für Menschen, die dem Tanzen nichts abgewinnen können, arbeiten die Forscher derzeit an einem individuellen Präventionsprogramm, das ebenfalls Körper und Geist fordert.

Testpersonen ab 60 gesucht

Weimar: Eva Marion Feuerstein (90) trainiert einmal wöchentlich im Fitnesstudio POM Lady. Sie hat sich ihr ganzes Leben viel bewegt und erst mit 80 Jahren das Fahrrad fahren und Tennis spielen aufgegeben. Nach einem Schlaganfall 2012 besucht sie das Fitnessstudio regelmäßig zum Trainieren und für einen Reha-Kurs.
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Was dem einzelnen am besten hilft, geistig und körperlich fit zu bleiben, auch wenn man ein Tanzmuffel ist, soll eine langfristig angelegte Studie des Instituts für Sportwissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg zeigen. Wer mindestens 60 Jahre alt ist, kann sich daran beteiligen, ganz gleich ob sportlich oder nicht. Wichtig ist aber, dass für einen Vergleich auch aktive Tanzsportler mitmachen.
Neben einer Aufwandsentschädigung bekommt jeder Teilnehmer seine individuellen Testergebnisse in Sachen körperliche und geistige Leistungsstärke mitgeteilt.

Informationen zur Teilnahme Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Institut für Sportwissenschaft
Zschokkestraße 32, Gebäude 40

Ansprechpartnerin: Mandy Knoll
Telefon: 0391 67-54866
E-Mail: mandy.knoll@ovgu.de

Früherkennung ist entscheidend

Je früher eine Demenzerkrankung erkannt wird und behandelt werden kann, desto größer die Chance, sie aufzuhalten. Früh bedeutet hier, bevor erste Nervenzellen abgestorben sind und der Patient schon Symptome zeigt. Aber genau dafür fehlen heute noch die diagnostischen Möglichkeiten. Die Wissenschaftler haben dafür Biomarker, also messbare Veränderungen im Blick. Die Arbeitsgruppe von Prof. Notger Müller konzentriert sich deshalb auf die Suche nach solchen Markern. Das könnten neue Verhaltenstests sein oder ein besonders hochauflösendes Tesla-Hochfeld-Kernspintomogramm.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 21.09.2017 | 11:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 10:35 Uhr