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Heißt es künftig wieder: Selbst ist der Mann/die Frau, wenn es um Tattoos geht? Bildrechte: Georgia Tech

ForschungTattoo-Revolution ohne Nadel und viel Zeit

Stand: 14. September 2022, 17:13 Uhr

Wer sich schön fühlen will, muss leiden, jedenfalls bislang, wenn es um Tattoos geht. Dabei funktioniert Tätowieren in Zukunft auch ohne Schmerzen und in Sekunden, wenn es nach einer Forschungsgruppe aus den USA geht.

Das Team des Georgia Institutes für Technologie hat eine neue Art von Tätowierungen entwickelt, die ohne schmerzhafte und lange Sitzungen aufgebracht werden. Eine Art "Igel-Pflaster", das bestückt ist mit Miniaturnadeln. Forscher Mark Prausnitz, Spezialist für Mikronadel-Technologie, erläutert, wie das genau funktioniert: "Wir haben die Nadeln auf Minimalgröße geschrumpft, so dass sie schmerzfrei, aber trotzdem effektiv Tattoo-Farbe in die Haut einbringen." Die Mini-Nadeln bestehen ihm zufolge aus Tattoo-Tinte, die von einer auflösbaren Hülle umgeben ist.

Sind das Tattoos für die Ewigkeit?

Die Tattoos sollen ein Jahr lang halten, sind möglicherweise auch dauerhaft. Die Pflastertattoos könnten aber auch mit temporärer Tattoo-Tinte benutzt werden. Vermutlich praktisch für diejenigen, die sich unsicher sind, ob sie sich tatsächlich ein Leben lang mit der Markierung auf der Haut wohl fühlen. Aber noch ist es lange nicht so weit, getestet wurde das bisher erst an Ratten und auf der Haut von Schweinen. Tätowiert wurden Herzchen und Sterne, aber auch Zahlen, Blutgruppen-Nummern und kurze Wörter. Ziel sei es übrigens nicht, herkömmliche Tattoos zu ersetzen, die oft Werke der Schönheit von Tattoo-Künstlern seien, sagt Prausnitz. Sein Team wolle neue Möglichkeiten für Patienten, Haustiere und Menschen schaffen, die ein schmerzloses Tattoo wollen, das leicht aufgetragen werden könne.

Leicht auftragbar, sagt Nadelspezialist Mark Prausnitz. Bildrechte: Georgia Tech

Warum die Tattoopflaster für die Medizin interessant sind

Auch im medizinischen Bereich könnten die Tattoos nützlich sein, jenseits von kosmetischen Tattoos zur Überdeckung von Narben. Anstelle von Armbändern könnten so wichtige medizinische Informationen über Epilepsie, Diabetes oder Allergien hinterlassen werden, auch QR-Codes könnten so aufgebracht werden. Sie funktionieren auch mit Tinte, die nur unter UV-Licht sichtbar ist. (Das ist dann spätestens der Punkt, bei dem bei Phantasiebegabten, Krimi- oder Dystopie-Literatur-Fans die Alarmglocken angehen.) Aber vielleicht ist diese Entwicklung auch interessant für ein anderes Forschungsteam, das an einer Lösung für DNA-Impfungen arbeitet, deren Lösungen zu dickflüssig für herkömmliche Kanülen sind. Ob die Tattoo-Pflaster jemals auf den Markt kommen, ist noch Zukunftsmusik. Erst mal müssen die Pflaster nämlich noch klinische Tests durchlaufen.

Tattoos als Biosensoren

Die Idee, Tätowierungen medizinisch zu nutzen, ist nicht ganz neu. Bereits 2017 haben US-Forscher der Harvard-University und vom MIT (beide in Cambridge/Boston, USA) eine intelligente Tinte vorgestellt. Sie war zum Beispiel für Diabetes-Patienten gedacht. Die Bionsensoren in der Tinte wechselten die Farbe, sobald sich die Blutwerte änderten, die Konzentration von Natrium, Glukose und der pH-Wert. Die Studie damals, die an lebenden Hautmodellen durchgeführt wurde, war ein Proof-of-Concept, also ein Nachweis, dass das dahinterliegende Prinzip funktioniert.

Links/Studien

Die Studie "Microneedle patch tattoos" ist in iScience erschienen.
DOI: https://dx.doi.org/10.1016/j.isci.2022.105014

Den Abstract der Studie von 2017 "The dermal abyss: interfacing with the skin by tattooing biosensors" finden Sie in der ACM Digital Library.

lfw/gp/dpa

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