Bergakademie Freiberg Tauchen für die Wissenschaft

Wer unsere Erde erforschen will, sollte tauchen können. Immerhin sind zwei Drittel unseres Planeten von Wasser bedeckt. Wer erkunden will, was darunter ist, ist mit Tauchermaske und Atemgerät klar im Vorteil. Gut geschult kommt man bis zu 40 Meter tief und kann gezielt Proben entnehmen. Die TU Freiberg hat das erkannt und bietet deshalb als eine von nur zwei deutschen Hochschulen Kurse zu diesem Thema an. Katja Schmidt hat sich erklären lassen, was die Studenten dabei lernen.

Taucher unter Wasser führen Messarbeiten durch.
Bildrechte: MDR/SDC Freiberg

Es war eine Sensation: Forscher der TU Freiberg entdeckten 2014 ein 28 Quadratkilometer großes lebendes Korallenriff vor der irakischen Küste. Bis dahin galt es als unwahrscheinlich, dass sich ein tropisches Korallenriff unter den extremen Bedingungen dieser Meeresregion bilden kann.

Da wissen wir manchmal über die Rückseite des Mondes mehr als über das, was sich unter der Oberfläche unserer Ozeane verbirgt.

Prof. Broder Merkel, Hydrogeologe an der TU Freiberg

Deshalb will die TU Freiberg verstärkt in dieser Richtung forschen. Als eine von nur zwei Hochschulen in Deutschland bietet sie Kurse im Wissenschaftstauchen an. Denn unter Wasser Proben zu entnehmen oder Messungen durchzuführen, ist gar nicht so einfach.

Wissenschaftliches Tauchen
Bildrechte: MDR/SDC Freiberg

Wir sind ja quasi schwerelos unter Wasser. Wenn ich also versuche, eine Schraube irgenwo reinzudrehen, drehe ich mich um die Schraube. Das ist im Grunde genommen wie das Arbeiten im Weltall, das muss man einfach lernen.

Prof. Broder Merkel

Und das tun die Freiberger Studenten – in der Theorie und in der Praxis. Es gibt Wahlmodule mit Vorlesungen, parallel machen die Studenten einen Tauchkurs und lernen dort, wie man unter Wasser wissenschaftlich arbeitet. Bei einer Abschlussexkursion ins italienische Panarea können sie dann in eigenen Projekten zeigen, was sie gelernt haben. Und dabei geht es nicht nur um Hydrogeologie.

Ein Gasvolumenmessgerät
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Letztens hatten wir ein Team, da haben die Ingenieure Messgeräte entwickelt für Daten, die die Hydrogeologen aufnehmen wollten. Die Datenbank dafür haben unsere Informatiker gemacht. Also waren dann alle drei Fachbereiche zusammen unter Wasser - ein sehr interdisziplinäres Team sozusagen.

Prof. Tobias Fieback, TU Freiberg, Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik

Und dieses Team muss nicht nur an Land gut zusammenarbeiten. Unter Wasser gibt es beim Wissenschaftstauchen Herausforderungen, die man vom Sporttauchen nicht kennt.

Ein Taucher
Bildrechte: SDC Freiberg

Beim Forschungseinsatz unter Wasser haben Sie Ihre ganzen Messgeräte dabei und Sie haben da unten eine Aufgabe. Wenn Sie die irgendwie abbrechen müssen nach 80 Prozent, weil die Luft knapp wird, dann ist alles vergebens und Sie müssen nochmal neu anfangen. Deshalb gibt es beim Wissenschaftstauchen ein Luftmanagement. Da wird geguckt, wer hat jetzt noch wie viel, und wer kann von wem was nehmen, um seine Aufgabe noch zu Ende bringen zu können.

Prof. Tobias Fieback

Viele Bachelor- und Masterarbeiten sind daraus schon entstanden, genauso wie Publikationen in Fachmagazinen. Und so ganz nebenbei verändert sich natürlich auch das Verhältnis zwischen Professoren und Studenten.

Wenn Sie eben mit ihrem Buddy tauchen, dann müssen Sie sich hundertprozentig auf ihn verlassen können, das ist völlig egal, ob das ein Student ist oder ein Professor oder ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, von daher ist der Kontakt da nochmal ein bisschen enger.

Prof. Tobias Fieback

Die TU Freiberg bietet die Kurse aber nicht nur für die eigenen Studenten an. In einem Blockkurs kann jeder das Wissenschaftstauchen lernen. Der nächste Blockkurs findet vom 7. bis 16. Juli 2017 statt.

Über dieses Thema berichtete LexiTV im Fernsehen | 12.12.2016 | 15:44 Uhr