Ein junger Mann mit blonden Haaren sieht auf sein Smartphone und hat einen verwirrten Gesichtsausdruck, an einem Baum stehend, Hintergrund unscharf
Bildrechte: imago images/Panthermedia

Gefahr in Sozialen Netzwerken Wann hatten Sie das letzte Mal Technostress?

Wenn uns Technologie schwitzen lässt oder auf den Magen schlägt, reden wir von Technostress. Das ist kein neues Phänomen. Wissenschaftler haben aber gezeigt: Das hindert uns trotzdem nicht an der Nutzung Sozialer Netzwerke.

Ein junger Mann mit blonden Haaren sieht auf sein Smartphone und hat einen verwirrten Gesichtsausdruck, an einem Baum stehend, Hintergrund unscharf
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Es mag sein, dass dem einen oder anderen beim Gedanken an elektronische Tanzmusik stressig zumute wird. Wenn von Technostress die Rede ist, heißt das allerdings: Stress durch technische Errungenschaften. Und zwar mit den psychischen und physischen Auswirkungen, die Stress so mit sich bringt: Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Verspannungen, Magenschmerzen …

Technostress gibt es im Prinzip so lange, wie es neue Technologien gibt, die Einzug in unseren Alltag finden – häufig dadurch begründet, dass ungewohnte Dinge in unser gewohntes Leben dringen. Und diese Dinge eben integriert und bedient werden wollen.

Gestresste nutzen Plattformen trotzdem

Wie Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg zeigen, trifft das nicht nur auf die Benutzung von Computern und Smartphones zu, sondern insbesondere auch auf Soziale Medien. Das in besonderer Weise Bedenkliche an der Sache: Facebook, Twitterr, Instagram und Co. schaffen es, die aus dem Technostress resultierende Abwehrhaltung selbst abzufangen – und Nutzer bei der Stange zu halten. "Wir haben festgestellt, dass es eine Gruppe von Personen gibt, die auf der einen Seite von Social Media gestresst ist, aber die Plattformen nicht verlassen und trotzdem weiternutzen", sagt Sven Laumer, einer der Autoren der Studie, im Deutschlandfunk Kultur. Hier wurden die Wissenschaftler neugierig:

Dann haben wir festgestellt: Die Nutzer bleiben auf den Plattformen, weil die ihnen die Möglichkeit anbieten, sich von diesem Stress abzulenken.

Sven Laumer Universität Erlangen-Nürnberg

Das kann zum Beispiel ein Spiel auf Facebook sein, das eine willkommenden Abwechslung nach einer anstrengenen Konversation bietet. Die Plattformen bieten also Nutzungsoptionen, die untereinander ausgleichend wirken können.

Positive Rückmeldung durch Ablenkung

Ein bekanntes psychologisches Phänomen. Sven Laumer vergleicht das mit schönen Bildern an der Wand eines Krankenhauses, die vom Stress ablenken sollen. Im Social-Media-Umfeld sei das aber problematisch: "Wenn ich mich in Facebook und Instagram selbst von dem Stress ablenken kann, dann sind das genau diese positiven Rückmeldungen, die wir als Ursache für Abhängigkeit auf diesen Plattformen erkannt haben", so Laumer. Der Forscher empfiehlt, sich durch Achtsamkeit bewusst zu machen, wie man diese Plattformen nutzt – und Rückmeldungen aus dem Umfeld an einen selbst ernst zu nehmen.

Facebook will Like-Druck abschaffen

Berichten zufolge arbeitet Facebook unterdessen daran, den Nutzungsstress – zumindest theoretisch – zu veringern: Unlängst bekannt wurde auch, dass das Belohnungszentrum in unserem Gehirn aktiv wird, wenn wir Likes erhalten. Ein Urinstinkt mit einem völlig neuem Ausmaß und Einfallstor für Verhaltensabhängigkeiten. Vor Kurzem hat Facebook Medienberichte bestätigt, auf seiner Stammplattform sowie seinem Bildernetzwerk Instagram die Like-Anzeige abzuschaffen, um den (sozialen) Druck bei Inhalten zu verringern. Mit dieser Besänftigungspolitik könnte das Unternehmen aber auch einen Anreiz schaffen, weiterhin viel Zeit auf den Plattformen zu verbringen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 25. Juli 2019 | 22:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 15:40 Uhr

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