MDR Wissen im Gespräch mit Dr. Thomas Reiter

Thomas Reiter während eines Interviews. 4 min
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Gibt es derzeit einen Wettlauf ins All und wem gehört eigentlich das All? Einschätzungen des ehemaligen Raumfahrers.

Fr 18.01.2019 16:00Uhr 04:22 min

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Thomas Reiter während eines Interviews. 8 min
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Wann werden Reisen auf den Mars möglich? Wo stehen wird heute?

Fr 18.01.2019 16:00Uhr 08:24 min

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Ehemaliger Astronaut warnt: Raumfahrtschrott gefährdet Satelliten

An Bord der ISS kann man keine Probleme aussitzen, man muss sie lösen. Auf der Erde ist das anders: Da kann man sich mit Problemen arrangieren. Im Umgang mit Raumfahrtschrott ist das aber eine gefährliche und teure Strategie. Raumfahrer Thomas Reiter erklärt im Gespräch mit MDR Wissen, warum.

Alle wissen, es gibt ihn und er schwirrt draußen herum: der Weltraumschrott. Aber so richtig verantwortlich fühlt sich keiner, obwohl die Raumfahrtrückstände mit Argusaugen beobachtet werden, denn Kollisionen mit der ISS oder Satelliten hätten fatale und teure Folgen.

Freie Bahn im Orbit war gestern

Satellit
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Raumfahrtingenieur Thomas Reiter weiß, dass vom europäischen Satellitenkontrollzentrum, das derzeit etwa 20 Satelliten kontrolliert, immer häufiger Ausweichmanöver geflogen werden müssen. "Wenn nichts getan wird", prognostiziert Reiter im Gespräch mit MDR WISSEN, "können wir in nicht allzu ferner Zukunft die niedrigen Erdumlaufbahnen überhaupt nicht mehr nutzen." Weil nämlich jeder Satellit, der hochgeschossen wird, binnen weniger Stunden oder Tage von irgendeinem Schrott-Teilchen getroffen wird: "Dabei geht es nicht um große Brocken, die da rumfliegen", verdeutlicht Reiter, "sondern um winzige Splitter- oder Schlacketeile, die ein Solarpaneel kaputtmachen oder eine ganzen Satelliten zerstören können."

Eine Kollision würde einen kaskadenartigen Effekt anstoßen, da dabei neue, unzählige Schrottteile entstünden, die ebenfalls in die Umlaufbahnen gelangen würden. Die ESA geht derzeit von etwa 29.000 solcher hochriskanten Objekte aus. Reduziert man die Größe der Objekte auf einen Zentimeter, dann steigt die Zahl laut ESA auf 750.000, bei einem Millimeter Größe reden wir von 170 Millionen Teilchen. UInd selbst diese entwickeln durch die hohe Geschwindigkeit eine große Durschlagskraft, wenn sie auf Satelliten oder bemannte Raumfahrzeuge treffen.

Ausweichmanöver sind teuer

Das wäre fatal, denn das ist nur ein Aspekt, warum man sich international dringend um den Weltraumschrott kümmern sollte. Ein anderer ist der wirtschaftliche: "Ausweichmanöver kosten Treibstoff und Treibstoff ist der Hauptfaktor, der die Lebenszeit von Satelliten bestimmt", sagt Reiter. Wenn also ein Satellit seine Energie häufig für Ausweichmanöver verbraucht, verkürzt sich seine Lebensdauer und er liefert weniger Daten als geplant und das ist schlecht für die, die damit Geld verdienen.

Eine Satelittenaufnahme von Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Infrarot-Aufnahme entstand um 4 Uhr Nachts im August. Die Karte zeigt, dass Erfurt weniger Hitze abzustrahlen scheint, als Halle in Sachsen-Anhalt. Auch die Talsperren bei Kelbra und Seebach sondern viel Hitze ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein weiteres Problem: Die Kollisionsgefahr auf den Umlaufbahnen der Erde wächst. Der Hunger auf die Daten, die Satelliten liefern können, ist weltweit gigantisch: Schließlich durchzieht Satellitentechnik unseren Alltag wie ein roter Faden, angefangen bei der Wetterbeobachtung, über Fernsehübertragungen wie zur Fußball-WM bis hin zu Navigationsgeräten. Macht man sich den Umfang unserer Abhängigkeit vom Funktionieren der Satelliten bewusst, wird deutlich, wie dringend nötig es ist, den Müll im Weltraum einzufangen.

Bordingenieur Thomas Reiter, an einem Rechner arbeitend.
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Wer ist Thomas Reiter? Thomas Reiter war der achte Deutsche im All. 1995/96 absolvierte er den ersten ESA-Langzeitflug in der russischen Raumstation MIR - 179 Tage war er im All. 2006 war Reiter von Juli bis Dezember auf der ISS. Mit zwei Langzeitmissionen gilt er als einer der erfahrendsten europäischen Astronauten.
Reiter ist Brigadegeneral der Luftwaffe - aber beurlaubt. Denn er arbeitet für die ESA u.a. als Berater des Generaldirektors.

Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | Doku: Wie klingt der Urknall? | 20. Januar 2019 | 22:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2019, 05:00 Uhr

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