Nacktmull mit Nachwuchs
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Altersforschung Altersgene geknackt: Das Geheimnis der ewig jungen Nacktmulle

Nacktmull mit Nachwuchs
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Wie das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena meldete, haben Forscher neue Gene für die Langlebigkeit von Säugetieren gefunden.

Je nach Verwandtschaftsgrad teilen sich Säugetiere 80 bis 90 Prozent ihrer genetischen Ausstattung. In ihrer Lebensdauer unterscheiden sie sich aber oft deutlich. So leben Mäuse zum Beispiel im Schnitt nur drei Jahre. Verschiedene Mullarten hingegen - ebenfalls Nagetiere und nur knapp doppelt so groß wie Mäuse - schaffen es, über 20 Jahre alt zu werden.

250 Gene fürs Altern

Forscher des Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut in Jena, des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung aus Berlin und der Abteilung für Allgemeine Zoologie an der Universität Duisburg-Essen haben 17 verschiedene Nagetierarten verglichen, um herauszufinden, warum sie so unterschiedlich altern. Dabei entdeckten sie 250 Gene, die sowohl in langlebigen als auch in kurzlebigen Spezies gehäuft vorkommen. Bei kurzlebigen Tieren wie Mäusen sind diese Gene überaktiv und tragen zu einer sehr viel schnelleren Entwicklung bei. Wo hingegen beispielsweise bei Nackt- oder Graumullen diese Gene weniger aktiv sind.

Mulle sind Spätzünder

Graumull
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Dr. Philip Dammann vom Universitätsklinikum Essen lieferte für die Jenaer Studie das Genmaterial vom Graumull. Er erklärt: "Bei einer Maus dauert es nur wenige Wochen,  bis sie voll geschlechtsreif ist. Bei Graumullen mindestens ein bis zwei Jahre."

Die Forscher glauben, dass nicht die Lebensweise der Tiere für ihre Lebensdauer und Gesundheit verantwortlich ist, sondern deren Entwicklung. Dr. Arne Sahm vom Leibniz Institut für Altersforschung und Leiter der Studie, beschreibt dies als einen evolutionären Zielkonflikt. 

Organismen, die schnell wachsen und in ihrer frühen Lebensphase evolutionäre Vorteile haben, zahlen einen Preis dafür. Sie altern schneller.

Dr. Arne Sahm

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Tiere wie Mulle, die langsamer wachsen und sich entwickeln, auch langsamer altern. Die Wachstums-Gene sind also vermutlich dieselben Gene, die den Alterungsprozess in Gang halten.

Das Altern ausschalten

Außerdem bringen die Forscher diese Gene mit der Entstehung von altersbedingten Krankheiten in Verbindung. Könnte man das Altern also einfach aufhalten, in dem man diese Gene abschaltet? Ist das der Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben?

Das wäre ein interessantes Experiment, eine Sache, die man jetzt als Folgeexperimente auch mit aus dieser Studie ziehen könnte .

Dr. Arne Sahm

Weil unser Genmaterial den Nagern so ähnlich ist, ließen sich tatsächlich Rückschlüsse auf den Menschen ziehen. Dr. Karol Szafranski vom Leibniz-Institut für Altersforschung betont aber, dass es sich bei der Studie um Grundlagenforschung handle. Er glaubt, dass sie bei der Entwicklung von Medikamenten gegen altersassoziierte Krankheiten helfen könne. Das Altern kann also in naher Zukunft nicht aufgehalten werden. Die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, Alzheimer oder Diabetes könnte die Studie aber einen großen Schritt vorangetrieben haben.

Dieses Thema im Programm: MDR 1 RADIO SACHSEN | 08. Januar 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2018, 14:30 Uhr