Der erste Touchscreen, der zurück vibriert. Die Ingenieure Sophie Nalbach und Steffen Hau von Stefan Seeleckes Team testen das Prototypensystem.
Die Ingenieure Sophie Nalbach und Steffen Hau mit dem Prototyp ihres Touchscreens. Bildrechte: Universität des Saarlandes/ Oliver Dietze

Smartphone und Tablet Wenn der Touchscreen zurück-drückt

Ohne Touchscreens können wir uns unsere Smartphones und Tablets nicht mehr vorstellen. Wir drücken - und es passiert. So läuft das bisher. In Zukunft könnte das noch anders werden, denn dann drückt der Touchscreen zurück und zeigt dem Finger so, wo er hin muss.

Der erste Touchscreen, der zurück vibriert. Die Ingenieure Sophie Nalbach und Steffen Hau von Stefan Seeleckes Team testen das Prototypensystem.
Die Ingenieure Sophie Nalbach und Steffen Hau mit dem Prototyp ihres Touchscreens. Bildrechte: Universität des Saarlandes/ Oliver Dietze

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit ihrem Finger oder Daumen über den Bildschirm Ihres Smartphones. Plötzlich fühlen Sie ein Klopfen. Und fast wie von Zauberhand entsteht ein Button direkt unter ihrem Finger. Sie müssen nur noch drücken und die App öffnet sich oder die Navigation startet. So in etwa funktioniert die neue Oberfläche, die Wissenschaftler der Universität des Saarlandes entwickelt haben. Ihr Touchscreen kann mit dem Finger des Nutzers Kontakt aufnehmen.

Wie funktioniert das?

Das Ingenieur-Team um Professor Stefan Seelecke hat dafür eine neue Folie entwickelt. Und die kann Vibrationen, Klopfen oder Stöße an die Finger senden.

Es handelt sich bei der Folie um ein so genanntes dielektrisches Elastomer.

Professor Stefan Seelecke
Porträt eines Mannes
Prof. Dr. Stefan Seelecke Bildrechte: Universität des Saarlandes/ Oliver Dietze

Solche dielektrischen Elastomere werden seit rund zwanzig Jahren erforscht. Sie wandeln elektrische Energie in mechanische Arbeit um. Im Fall der Uni Saarland haben die Ingenieure aus Seeleckes Team auf eine hauchfeine Kunststoff-Membran eine elektrisch leitfähige Schicht aufgedruckt. Dadurch können sie elektrische Spannung anlegen, damit können sie die Folie an jedem beliebigen Punkt dehnen und strecken. "Aufgrund der elektrostatischen Anziehungskräfte drückt sich das Polymer zum Beispiel zusammen und dehnt sich nach außen hin aus", so erläutert es Ingenieur Dr. Steffen Hau.

Wozu ist das gut?

Die Forscher sehen viele Anwendungsfelder, angefangen von der Unterstützung bei der Internetsuche über Navigationsgeräte oder Computerspiele. Überall dort könnte die Folie zum Beispiel Bedienungen vereinfachen oder intuitiver machen. Und auch in der Industrie, so Philipp Loew aus dem Entwicklerteam: "Und der Effekt lässt sich halt überall skalieren, wo ich halt was bedienen muss, ohne hinschauen zu können - auch beispielsweise im Kontext Industrie 4.0: Dass man einem Werker in einer Fabrik die Möglichkeit gibt, irgendeinen Prozess zu steuern über einen Touchscreen ohne, dass der Werker quasi seine Augen von dem Prozess abwenden muss."

Sogar Blinde könnten so irgendwann einmal Touchscreens nutzen. Die Ingenieure wollen ihre simulierten Erhebungen auf dem Touchscreen-Display jetzt auch auf den Markt bringen. Dazu suchen sie derzeit Partner aus der Industrie. Und für die haben sie einige gute Argumente, denn die Technologie sei nicht nur innovativ, sondern auch preiswert in der Herstellung und sehr energieeffizient.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 15. März 2019 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 14:33 Uhr