Immunsystem Trennungen: Männern drohen ernsthafte Erkrankungen

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Das stellen Forscher jetzt zumindest für Männer in Frage. Denn in der Zeit nach der Trennung leben sie gefährlich, zumindest was ihre Gesundheit betrifft. Vor allem, wenn sie dann mehrere Jahre allein leben, steigt das Risiko für ernsthafte Erkrankungen und sogar für eine geringere Lebenserwartung.

Mann sitzt auf einer Bank
Trennungen und Einsamkeit - für Männer ist das gefährlicher als für Frauen. Bildrechte: Colourbox.de

Als Indiz dafür nannten die Autorinnen der gerade erschienenen Studie Entzündungsmarker im Blut der männlichen Studienteilnehmer im Alter von 48 bis 62 Jahren, die nach einer Trennung mehr als ein Jahr allein lebten. Die Konzentration sei zwar niedrig gewesen, dafür aber langanhaltend. Beeinflussen Liebeskummer und das Alleinsein in der Lebensmitte also die Reaktion unseres Immunsystems? Und welchen Einfluss haben Geschlecht und Bildungsstand darauf?

Um das herauszufinden, analysierten Wissenschaftlerinnen der Universität Kopenhagen Daten von 3.336 Männern und 1.499 Frauen und teilten sie in drei Gruppen danach auf, wie lange ihr Singledasein anhielt: Weniger als ein Jahr, zwei bis sechs Jahre und sieben oder mehr Jahre. Außerdem wurde berücksichtigt, welche Faktoren eventuell noch Einfluss auf die Bewältigung der Situation und auf die Gesundheit nehmen könnten. Dazu gehörten Alter, Bildungsstand, Traumata, Konflikte, BMI (Body-Mass-Index), Medikamenteneinnahme und Persönlichkeitsmerkmale. In Blutproben wurden die Entzündungsmarker Interleukin 6 (IL-6) und C-reaktives Protein (CRP) gemessen.

Nur Männer sind betroffen

Das Ergebnis: Die höchsten Werte wurden bei den Männern nachgewiesen, die mehrere Trennungen erlebt hatten. Sie waren um 17 Prozent höher als bei den Studienteilnehmern, die höchstens ein Jahr allein lebten. Diejenigen, die sieben Jahre oder länger allein blieben, zeigten ein Plus von zwölf Prozent. Wer über einen höheren Bildungsabschluss verfügte, war sogar noch stärker betroffen. Doch warum konnte für Frauen solch ein Zusammenhang nicht nachgewiesen werden? Zum einen könnte es daran liegen, dass an der Studie deutlich weniger Frauen beteiligt waren, räumen die Forscher ein. Zum anderen erzeugen Männer grundsätzlich stärkere Entzündungsreaktionen als gleichaltrige Frauen.

Männer reagieren anders auf Trennungen als Frauen

Frauen leiden zwar nach einer Trennung meist heftiger, werden von Ängsten und Sorgen begleitet. Meist suchen sie aber das Gespräch mit einer Vertrauten und bewältigen ihre Situation dadurch besser, wie eine Studie der Binghamton University (New York State) belegt. Männer hingegen beschreiben in dieser Untersuchung das Gefühl von Verlorensein und Wut. Sie verarbeiten das Beziehungsende nicht, sondern verdrängen es und erholen sich daher nie richtig von ihrem Verlust, so die Forschenden. Das führe oft zu dauerhaft weniger Schlaf, zu viel Alkohol und zu wenig Gesundheitsbewusstsein. Auch das könnte das Entzündungsniveau beeinflussen.

Auch wenn die Mediziner aus Kopenhagen hier lediglich Zusammenhänge offengelegen und keine Ursachen untersucht haben, sehen sie doch eine besorgniserregende Tendenz: Alleinsein oder eine Trennung an sich seien zwar noch kein Risiko für die Gesundheit. Aber mehrere Trennungen und viele Jahre des Alleinseins schon. Da die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in den letzten 50–60 Jahren in den meisten Industrieländern zugenommen hat, wächst aus Sicht der Forschenden auch die Gruppe der Menschen mit einem hohen Risiko, ernsthaft zu erkranken und sogar früher zu sterben. Denn im Zusammenhang mit einer schwachen, aber langanhaltenden Entzündung wie hier nachgewiesen stehen möglicherweise altersbedingte Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes. Andauernde Einsamkeit gefährdet grundsätzlich die Gesundheit, vor allem in zunehmendem Alter. Das haben zahlreiche Untersuchungen bereits ergeben.

Link zur Studie

Karolina Davidsen, Simon Carstensen, Margit Kriegbaum, Helle Bruunsgaard, Rikke Lund, "Do partnership dissolutions and living alone affect systemic chronic inflammation? A cohort study of Danish adults" erschienen im Journal of Epidemiology & Community Health.

krm

2 Kommentare

part vor 18 Wochen

Wo bleibt hier die Gegenanalyse in der Forschung, sozusagen als Beweiskraft für die Studie, bei Paaren, die sich nicht zu trennen trauen, es aber nötig hätten? Was hätten die Betroffenen noch alles erleben müssen, wenn die Beziehung nicht zerbrochen wäre? Einsamkeit belastet die Gesundheit natürlich immer, doch manchmal kann ein Ende mit Schrecken wirken wie Phönix aus der Asche und eine Weiterentwicklung bewirken. Soziologisch betrachtet bewegt sich die moderne Industriegesellschaft ohnehin auf ein Singledasein zu, das nur oberflächliche Beziehungen gewährleistet.

Matthi vor 18 Wochen

Interessanter Artikel, wenn ich an mich selber denke mit fast 60 bin ich schon auf grund von Lebenserfahrung mit neuen Freundschaften und erweiterung des Bekanntenkreises zurückhaltend vorsichtiger geworden.