Welt-Tuberkulosetag TBC: Eine tödliche Lungenkrankheit kommt zurück

Oftmals kennt man sie nur noch aus Romanen wie Manns Zauberberg oder dem aktuellen ARD-Mehrteiler "Charité": Die Tuberkulose. Doch die Fallzahlen steigen wieder, auch in Deutschland. Ein wachsendes Problem sind multiresistente Erreger.

Ein an Tuberkolose erkrankter Mann
Ein an Tuberkulose erkrankter Mann in Bangladesch: TBC betrifft immer noch vor allem ärmere Länder. Inzwischen steigen die Fallzahlen aber auch in Deutschland wieder. Bildrechte: IMAGO

Als 2014 Ebola in Westafrika ausbrach, reisten die weltweit besten Spezialisten in die betroffenen Gebiete, um zu helfen. In Europa wuchs die Angst, die Viruskrankheit könnte sich auch hier ausbreiten, Spezialkrankenhäuser wie das Leipziger St. Georg bereiteten sich vor. Bis zum März 2016, als der akute Ausbruch überwunden war, zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 11.500 Todesfälle.

Im gleichen Zeitraum starben mehr als zehn Mal so viele Menschen an einer Tuberkulose (TBC).

Allein 2015 zählte die WHO 1,8 Millionen Todesopfer durch TBC. Doch die von Mykobakterien verursachte Lungenkrankheit fristet in der öffentlichen Aufmerksamkeit seit langer Zeit ein Schattendasein, wohl auch, weil vor allem arme Länder betroffen sind. Spitzenreiter bei Fallzahlen ist Indien, gefolgt von Indonesien, China, Nigeria, Pakistan und Südafrika.

Aber auch in Deutschland ist die fast nur noch aus Romanen wie Thomas Manns Zauberberg bekannte Infektion langsam wieder auf dem Vormarsch. 5.915 Fälle zählte das Berliner Robert-Koch-Institut 2016 bundesweit. Der Trend ist neu. Seitdem der Mediziner Robert Koch den Erreger 1882 zum ersten Mal beschrieb, gingen die Fallzahlen kontinuierlich zurück. Seit dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Krankheit nahezu aus der öffentlichen Wahrnehmung. Der Tiefstand wurde 2012 mit 4.200 Fällen erreicht.

Unter den Patienten sind manchmal Menschen, die die Krankheit von anderen Teilen der Welt mitgebracht haben. In Sachsen-Anhalt sank die Zahl der registrierten TBC-Erkrankungen von 196 in 2015 auf 157 in 2016, weil im gleichen Zeitraum weniger Asylbewerber kamen als zuvor. Im benachbarten Sachsen dagegen kamen die meisten Betroffenen aus Deutschland. Die Fallzahlen blieben mit 212 im Jahr 2016 gegenüber 210 in 2015 nahezu stabil. Auch in Thüringen änderte sich kaum etwas. Dort wurden 2015 115, 2016 113 Fälle registriert. Generell gilt, in den Großstädten gibt es gesehen auf die Einwohnerzahl mehr TBC-Erkrankungen, als auf dem Land.


Tödlich verläuft eine Tuberkulose vor allem, wenn die Lebensbedingungen schlecht sind und wenn weitere Infektionen, etwa mit dem HI-Virus, hinzukommen. Aber auch bei vergleichsweise guten Randbedingungen hat die Heilung der TBC nur wenig zu tun mit dem romantischen Bild aus dem Zauberberg, wo Tuberkulose-Patienten ihr Leiden auf Liegen an der frischen Luft auskurieren. Stattdessen sind monatelange Therapien mit mehreren Medikamenten nötig.

Bei der gängigen Variante Lungentuberkulose gelangen die Erreger über Tröpfchen in die Atemwege neuer Wirte. Dort können die Bakterien teilweise Jahre schlummern, bis es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt. Meist entsteht dabei zunächst ein Entzündungsherd, der vom Immunsystem abgekanzelt wird, ein sogenanntes Tuberkulom. Dort vermehrten sich die Erreger. Können sie das Tuberkulom dann verlassen, beginnt ein schwerer Krankheitsverlauf.

Die ersten Symptome – Appetitmangel, Husten, leichtes Fieber – ähneln einem gewöhnlichen grippalen Infekt. Sechs bis acht Wochen können vergehen, bis die Krankheut voll ausgebrochen ist. Dann kann das bekannte Bild auftreten: Die Patienten husten Blut, fühlen sich schwach und verlieren allmählich Gewicht. Letzteres gab der Tuberkulose auch den Namen Schwindsucht.

Selbst wenn sich die Erreger bei einem konkreten Erkrankungsfall noch mit den gängigen Medikamenten bekämpfen lassen, braucht es in der Regel vier Antibiotika gleichzeitig, die über ein halbes Jahr verabreicht werden müssen, um die TBC auszuschalten. Ein stetig wachsendes Problem aber sind auch bei der Tuberkulose multiresistente Keime. Weil die Bekämpfung der TBC nur als wenig profitabel gilt, haben viele Pharmaunternehmen in den vergangenen Jahren nicht in die Entwicklung neuer Medikamente investiert. Nur wenige, unter ihren Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung in Jena, arbeiten derzeit an neuen Wirkstoffen.

Besonders bei den Antituberkulose-Wirkstoffen ist der Markt einfach nicht sehr ertragreich. Wir sprechen momentan von einem Finanzvolumen von 1,5 Milliarden Euro, die der komplette Therapiemarkt der Tuberkulose bietet.

Dr. Florian Kloß, Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie, Jena

Die Jenaer Forscher haben sich mit der Hapila GmbH aus Gera einen Produzenten gesucht und arbeiten mit der Uniklinik München an den klinischen Studien. Bis zu einer möglichen Markteinführung werden aber noch einige Jahre vergehen.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Radio MDR AKTUELL | 23.03.2017 | 05:30 Uhr
im Fernsehen Thüringen Journal | 24.03.2017 | 19:00 Uhr