Kopf eines Mannes löst sich in wegfliegenden Vogelschwarm auf
Mit Ultraschallwellen wollen australische Wissenschaftler den Kampf gegen Alzheimer gewinnen (Themen-Symbolbild). Bildrechte: imago/Ikon Images

Australische Studie Mit Ultraschallwellen gegen Alzheimer-Demenz

Mithilfe von Ultraschallwellen wollen australische Hirnforscher Alzheimer-Demenz bekämpfen. Bei Mäusen und Schafen wurden bereits Erfolge erzielt. Nun geht es um die Anwendbarkeit des Verfahrens beim Menschen.

Kopf eines Mannes löst sich in wegfliegenden Vogelschwarm auf
Mit Ultraschallwellen wollen australische Wissenschaftler den Kampf gegen Alzheimer gewinnen (Themen-Symbolbild). Bildrechte: imago/Ikon Images

Ohne Medikamente erfolgreich die Symptome von Alzheimer-Demenz heilen: Australische Wissenschaftler forschen an einem Verfahren, bei dem der geistige Verfall bei Alzheimer-Patienten mithilfe von Ultraschallwellen rückgängig gemacht werden soll.

Erfolgreiche Tests bei Tieren

Bereits 2015 hatten Forscher des Queensland Brain Institute (QBI) in Brisbane, Australien, die Ergebnisse einer Studie präsentiert, bei der es ihnen in Tierversuchen gelungen war, das Erinnerungsvermögen von Mäusen erfolgreich wiederherzustellen – und zwar ohne jeden Medikamenteneinsatz. Auch bei Schafen waren entsprechende Tests erfolgreich.

Eiweiß-Ablagerungen aufbrechen

Eiweiß-Ablagerungen bei Alzheimer-Erkrankung amyloid plaques
Eiweiß-Ablagerungen bei einer Alzheimer-Demenz, die sogenannten amyloiden Plaques. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Die QBI-Wissenschaftler bedienen sich bei ihrem Verfahren der Ultraschall-Technologie: Setzt man Ultraschallwellen im Bereich der Hirnregion ein, sorgen diese dafür, dass die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn bei Landwirbeltieren vor im Blut zirkulierenden Krankheitserregern und Toxinen abschirmt, zeitweise geöffnet wird. Dadurch wiederum wird ein Mechanismus aktiviert, bei dem die harten und unauflöslichen Eiweiß-Ablagerungen der "amyloiden Plaques" im Gehirn, die als eine Ursache der Alzheimer-Demenz gelten, aufgebrochen und beseitigt werden.

Sicherheitstests für Anwendung beim Menschen

Bei Mäusen und Schafen wurde die Ultraschall-Behandlung bereits erfolgreich eingesetzt. In den nächsten Schritten geht es nun darum, das Verfahren aus dem Forschungslabor auf die nächste Ebene, die Therapie-Anwendung für den Menschen, zu heben. Dabei muss sowohl die Sicherheit des Verfahrens als auch dessen Wirksamkeit beim Menschen bewiesen werden.

Der Staat Australien jedenfalls hat die Chancen, welche die Ultraschall-Behandlung für Menschen mit Alzheimer-Demenz bietet, erkannt. Das Gesundheitsministerium in Canberra fördert die ab Ende 2019 beginnenden Sicherheitstests für die Anwendung beim Menschen mit umgerechnet 6,25 Millionen Euro (10 Mill. Australische Dollar).

Tragbares Gerät entwickeln

Die QBI-Hirnforscher sind optimistisch, dass sich der Aufwand des langwierigen Prozesses klinischer Versuche am Ende auszahlen wird. Die Finanzierung der Versuchsreihen gewährleiste, dass die besten Experten ihren Focus darauf richten könnten, ein Heilverfahren für Demenzerkrankungen zu finden, sagte der aus Deutschland stammende QBI-Wissenschaftler Jürgen Götz dem australischen Rundfunk. Ziel sei es, langfristig ein bezahlbares, tragbares Gerät zu entwickeln, dass Millionen Alzheimer-Patienten weltweit helfen könnte.

Illustration Gehirn eines alten Mannes
Bei Alzheimer werden Nervenzellen im Gehirn zerstört. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Kampf gegen Alzheimer-Demenz Die Alzheimer Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der schrittweise die Nervenzellen des zentralen Nervensystems angegriffen werden. Alzheimer wird für 60 Prozent aller Demenzerkrankungen verantwortlich gemacht. Die Krankheit geht mit einer zunehmenden Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten der Patienten einher. Die Ursachen sind bis heute nicht restlos geklärt: Als eine Ursache gelten harte, unauflösliche Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn, die sogenannten amyloiden Plaques.

Weltweit wird seit Jahren nach Behandlungsmöglichkeiten von Alzheimer gesucht. So versuchten etwa die US-Pharmaunternehmen Johnson & Johnson und Pfizer Antikörper für ein Impfverfahren gegen Alzheimer zu entwickeln, allerdings ohne Erfolg. In Göttingen konnten Forscher erfolgreich Mäuse mit Antikörpern impfen, welche die Bildung giftiger Eiweiß-Verklumpungen in den Nervenzellen des Gehirns verhinderten. Die Anwendung beim Menschen wird gegenwärtig noch untersucht.

Verschiedene Studien haben außerdem einen Zusammenhang von Zivilisationskrankheiten wie etwa Bluthochdruck oder Schlafstörungen mit Alzheimer nachgewiesen. Forscher der Staatlichen Universität Rio de Janeiro in Brasilien haben jüngst festgestellt, dass der bei körperlicher Bewegung ausgeschüttete Botenstoff Irisin Alzheimer entgegenwirken kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 09:00 Uhr