Ausgetrockneter Ackerboden. 2 min
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 08.04.2025 22:59Uhr 02:28 min

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Trockenheit Experte: Landwirtschaft ist bei Trockenheit "an der Kante genäht"

10. April 2025, 09:50 Uhr

Das Jahr 2025 war in Mitteldeutschland bislang trockener als das Dürrejahr 2018 zum gleichen Jahreszeitpunkt. Das kann sich zwar noch ändern. Aber viel Spielraum hat die Landwirtschaft aus Expertensicht nicht.

Viele können sich noch an das Dürrejahr 2018 erinnern. Die meisten Landwirte tun es ungern. Überall fiel damals wenig Regen, in Sachsen-Anhalt ganz besonders: durchschnittlich 352,5 Liter pro Quadratmeter im ganzen Jahr.

Niemand weiß jetzt schon, wie sich das 2025 entwickelt. Aber die Grundlage für ein neuerliches Dürrejahr ist zumindest gelegt. Januar bis März waren in Summe in allen drei mitteldeutschen Bundesländern noch trockener als vor sieben Jahren.

Bei "Dienstags direkt" von MDR SACHSEN sagte Hans-Jörg Vogel, Departmentleiter Bodensystemforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der Boden selbst leide unter der Trockenheit gar nicht so sehr. "Die ganze Biologie, die dort abgeht, die wird langsamer, die schläft ein, die Organismen haben Ruhestadien, aus denen sie dann aber auch wieder aufwachen, wenn es wieder feucht wird." Dass ein unmittelbarer Bodenschaden dadurch entsteht, sieht Vogel eher nicht. "Die Böden selber, die wachen schon wieder auf, wenn man das so sagen kann, nach der Trockenheit."

"Da sieht man, wie kritisch dieser Wasserhaushalt ist."

Ganz anders sieht das aber natürlich bei den Pflanzen aus, die auf dem Boden wachsen. "Da ist die Landwirtschaft bei uns schon, was den Wasserhaushalt angeht, stellenweise hart an der Kante genäht", sagt der Professor. Und er bringt als Beispiel diese 400 Liter pro Quadratmeter Jahresniederschlag ins Spiel, die 2018 vielerorts nicht einmal erreicht wurden: "Diese 400 Liter, das ist das Wasser, das Weizen braucht, um einen optimalen Ertrag zu bilden. Das ist der gesamte Jahresniederschlag. Und da sieht man, wie kritisch dieser Wasserhaushalt ist und wie wichtig die Böden sind, die eben auch vierhundert Liter speichern können gegen die Schwerkraft."

Bei guten, tiefgründigen Böden seien Trockenphasen weniger kritisch, so Vogel weiter. "Das sieht vollkommen anders aus, wenn wir sandige Böden sehen, wenn man nach Brandenburg geht. Oder flachgründigere Böden, da fällt die Ernte dann zum Teil schnell fast komplett aus."

Mehr zur Podcast-Folge von "Dientags direkt" zum Thema "Landwirtschaft 2025: Probleme, Entwicklung, Zukunft" finden Sie auf den Seiten von MDR SACHSEN.

Traktor pflügt ein trockenes Acker bei Ostfildern-Neuhausen. 112 min
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | "Dienstags direkt" | 08. April 2025 | 22:59 Uhr

8 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Vielen Dank – Ihre Überlegung ist nachvollziehbar und wird in der Forschung tatsächlich diskutiert. Wenn sehr viele Windkraftanlagen in großer Dichte aufgestellt werden, entziehen sie der Atmosphäre spürbar Energie. Studien zeigen, dass sich dadurch Luftströmungen lokal verändern können – bei sehr großen Windparks möglicherweise auch auf regionaler Ebene. Nach aktuellem Forschungsstand sind diese Effekte jedoch deutlich schwächer als die natürlichen Variationen durch Wetterlagen. Ob Windkraftnutzung großräumig das Wetter verändert, ist Gegenstand laufender Forschung – gesichert ist das bislang nicht. Wichtig ist, solche Fragen weiter offen zu untersuchen.

Faktencheck: https://www.mdr.de/wissen/faktencheck/faktencheck-windparks-100.html

Quellen: ESKP (Helmholtz); Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags - WD 8 - 3000 - 139/18 und WD 8 - 3000 - 083/20; GIS1-basierten Studie (Umweltbundesamt); weitere Quellen siehe Faktencheck

Herzliche Grüße

El Toro vor 1 Wochen

Ja, genau, darüber lässt sich streiten, o die Einfluss nur lokal ist. Denn wenn Windanlagen über viele, viele Kilometer sich an sich reihen, über ganze Regionen entnehmen sie dem Wind sehr viel Energie. Da hat logischerweise auch Einfluss auf das Wetter. Dann aber nicht mehr nur lokal.

MDR-Team vor 1 Wochen

Hallo @El Toro,
die Frage nach möglichen lokalen Effekten von Windkraftanlagen wird tatsächlich wissenschaftlich untersucht. Studien zeigen, dass Windparks in direkter Umgebung kleinräumige Veränderungen wie Turbulenzen, leicht erhöhte Temperaturen oder veränderte Bodenfeuchte verursachen können. Diese Effekte sind aber lokal begrenzt und reichen nach aktuellem Forschungsstand nicht aus, um das Wetter in ganzen Regionen wie Mitteldeutschland spürbar zu verändern. Großräumige Luftzirkulation, Wolkenbildung und Regenmuster hängen von weit komplexeren Faktoren ab – u. a. von Hochdrucklagen, Bodenfeuchte, Jetstreams und globalen Klimatrends.

Quellen: DOI: 10.1038/s41598-021-02089-2; DOI: 10.5194/wes-10-483-2025; DOI: 10.1016/j.agrformet.2021.108607; Nature Climate Change

Herzliche Grüße

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