Ein einzelner submariner Schlot liegt in etwa 30 m Wassertiefe im Toten Meer.
Meterhohe Schlote, die salzhaltige Flüssigkeit ausstoßen, haben Forscher des UFZ im Toten Meer entdeckt. Bildrechte: picture alliance/dpa/UFZ

Wissen-News Leipziger Forscher entdecken meterhohe Schlote im Toten Meer

19. November 2024, 12:23 Uhr

Mehr als sieben Meter hoch und mit mehreren Metern Durchmesser: Leipziger Forschende haben im Toten Meer gewaltige Schlote entdeckt. Aus diesen steigt kein Rauch, sondern eine salzhaltige Flüssigkeit.

Das Tote Meer weist einen Salzgehalt von etwa 30 Prozent auf - aber an manchen Stellen des Salzsees strömt außerdem noch spezielles salzhaltiges Wasser aus dem Boden. Dort entstehen meterhohe Schlote, weil aus dem extrem salzhaltigen Grundwasser sofort Mineralien kristallisieren, wie Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig entdeckt haben.

Die Schlote, "Weiße Raucher" genannt, seien ein wichtiger Frühwarnindikator für Einsturzkrater, erklärte das UFZ. Diese Krater entstehen in der Umgebung des Toten Meeres und sind eine Gefahr für die Bevölkerung. Wie das Forschungsteam im Fachmagazin "Science of the Total Environment" berichtet, sind die Schlote überall dort entstanden, wo danach die Landoberfläche großräumig einsank.

Ein Loch in der Erdoberfläche
Rund um das Tote Meer sinkt die Erde regelmäßig ein. Die entdeckten Schlote sollen vorhersagen, wo Krater entstehen. Bildrechte: IMAGO / Depositphotos

"Weiße Raucher" als Warnzeichen für Einstürze am Ufer

Das Tote Meer sinkt nach UFZ-Angaben seit mehr als 50 Jahren um rund einen Meter pro Jahr, weil es von wichtigen Zuflüssen abgeschnitten ist und infolge von Trockenheit und Hitze durch starke Verdunstung viel Wasser verliert. Derzeit liegt der Wasserspiegel bei rund 438 Metern unter dem Meeresspiegel. Dies hat laut den Forschenden die Folge, dass die Anrainerstaaten immer schwieriger an Grundwasserressourcen gelangen.

Wissen

Auf dem Bild sieht man Brust und Kopf einer jungen Frau, die zur Hälfte im Wasser steht, daneben der Schriftzug "Wie lange reicht das Wasser noch?" und der Hinweis, dass es sich um einen Podcast handelt. 33 min
Bildrechte: MDR

MDR Fr 19.03.2021 15:00Uhr 33:06 min

Audio herunterladen [MP3 | 30,3 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 60,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/wissen/podcast/challenge/wie-lange-reicht-das-wasser-noch100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wissen

Auf dem Bild sieht man Brust und Kopf einer jungen Frau, die zur Hälfte im Wasser steht, daneben der Schriftzug "Wie lange reicht das Wasser noch?" und der Hinweis, dass es sich um einen Podcast handelt. 33 min
Bildrechte: MDR
33 min

MDR Fr 19.03.2021 15:00Uhr 33:06 min

Audio herunterladen [MP3 | 30,3 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 60,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/wissen/podcast/challenge/wie-lange-reicht-das-wasser-noch100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass durch die Schlote am Seeboden hochsalinares Grundwasser ausströmt. "Da diese Sole eine etwas geringere Dichte als das Wasser des Toten Meeres hat, steigt sie wie in einem Jet nach oben. Es sieht aus wie Rauch, ist aber eine salzhaltige Flüssigkeit", erklärte der UFZ-Hydrogeologe Christian Siebert. Manche dieser Schlote werden mehr als sieben Meter hoch und haben einen Durchmesser von zwei bis drei Metern.

Ein einsamer Olivenbaum steht neben einer Steinmauer in einer trockenen, ländlichen mediterranen Landschaft unter einem blauen Himmel mit vereinzelten Wolken. 1 min
Bildrechte: IMAGO/imagebroker

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.08.2024 12:27Uhr 00:20 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/grundwasser-pegel-suedeuropa-erstaunlich-stabil-trotz-klimawandel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein einsamer Olivenbaum steht neben einer Steinmauer in einer trockenen, ländlichen mediterranen Landschaft unter einem blauen Himmel mit vereinzelten Wolken. 1 min
Bildrechte: IMAGO/imagebroker
1 min

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.08.2024 12:27Uhr 00:20 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/grundwasser-pegel-suedeuropa-erstaunlich-stabil-trotz-klimawandel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Durch die "Weißen Raucher" könne man sehr gut vorhersagen, welche Gebiete in naher Zukunft einsturzgefährdet sind, erklärte Siebert. Mit autonomen Wasserfahrzeugen könnten die Schlote sehr präzise kartiert werden. "Das wäre die bislang einzige und zugleich sehr effiziente Möglichkeit, Regionen, die kurz vor dem Einsturz stehen, als akut gefährdet auszuweisen", betonte Siebert.

Links

Die Studie "A new type of submarine chimneys built of halite" ist in der Zeitschrift "Science of The Total Environment" erschienen. Das UFZ hat eine deutschsprachige Mitteilung dazu herausgegeben.

dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 28. Oktober 2024 | 18:35 Uhr

0 Kommentare