SMC-Bericht Windenergie-Ausbauziele bis 2026 wahrscheinlich nicht mehr zu erreichen

31. August 2024, 17:36 Uhr

Die Gesamtleistung der genehmigten Windkraftanlagen steigt weiter an – aber laut einer aktuellen Berechnung des Science Media Center sind die Ausbauziele bis 2024 und 2026 dennoch nicht zu erreichen. Forschende weisen mit einer Modellrechnung nach, wie viel Raum zwischen Zielvorgaben und Realität voraussichtlich bestehen wird.

Die im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vorgesehenen Ausbauziele für die Windenergie bis 2024 (69 Gigawatt installierte Leistung) und auch die für 2026 (84 GW) werden nicht erreicht werden, wenn die aktuellen Bedingungen so bleiben. Das ist das Ergebnis eines Reports, den das Science Media Center (SCM) aktuell vorgelegt hat. Der Report basiert auf den von der Bundesnetzagentur geplanten Ausschreibungen. Diese sind ein zentrales Instrument und regeln, ob ein neues Windrad im Rahmen des EEG gefördert wird. Bekommt ein Gebot dort den Zuschlag, dürfen bis zur Realisierung des tatsächlichen Windrades nicht mehr als 36 Monate vergehen. Die Ausschreibungen ermöglichen deshalb einen kurzen Blick in die Zukunft der deutschen Windenergiekapazitäten.

Die Entwicklung entspricht den Daten der Bundesnetzagentur, die MDR WISSEN vorliegen. Im nachfolgenden Diagramm sehen Sie, wie die Lücke zwischen den Zielen und den geplanten Anlagen auseinanderklafft.

Bis zum 1. August 2024 wurden von der Bundesnetzagentur 2.708 Megawatt ausgeschrieben, für den 1. November 2024 folgen dann weitere 4.094 Megawatt. Das sind insgesamt mehr als die ursprünglich geplanten 5.000 Megawatt, aber weniger als gesetzlich vorgesehen. Ausschreibungen aus dem jeweiligen Vorjahr, die nicht vergeben werden konnten, werden auf das Folgejahr übertragen und addieren sich auf die geplanten Megawatt.

Vergleichsweise optimistische Grundannahmen

Um einzuschätzen, wann die ausgeschriebenen Kapazitäten dann in Form eines Windrades final gebaut sind, rechnet der SMC-Report mit den durchschnittlichen Realisierungszeiten für Windräder seit 2019. Damit ist das Modell nach Angaben des SMC-Teams optimistisch, weil Windkraftanlagen mit extrem langen Bauzeiten von der Durchschnittszeit ausgeschlossen wurden. Außerdem wird die Zahl der Windkraft-Stilllegungen eher ein wenig niedriger simuliert, als sie tatsächlich sein könnte. 2023 wurden 569 Megawatt Leistung aus Windenergie stillgelegt. Für die Zukunft rechnet das Modell mit jährlich 600 Megawatt – der tatsächliche Wert kann aber durchaus höher liegen.

Trotz dieser optimistischen Grundannahmen würden die Zielvorgaben für den Windenergieausbau im Modell nicht erreicht. 2024 würden rund fünf Gigawatt Leistung fehlen, 2026 wären es noch drei Gigawatt. Das liegt aber nicht allein an fehlenden Zuschlägen aus der Bundesnetzagentur. Selbst unter der Annahme, dass bei jeder Ausschreibung die doppelte Menge bezuschlagt würde, könnte das Ausbauziel für 2026 nur sehr knapp erreicht werden.

Bundesweit sind aktuell (Stand 30. August 2024) fast 400 Windkraftanlagen überfällig, wie die Zahlen des Marktstammdatenregisters zeigen, die Sie in der folgenden Grafik für alle Bundesländer tagesaktuell abrufen können.

Die Realisierungsdauer müsste sich deutlich verkürzen

Um die Windenergie-Ausbauziele noch rechtzeitig zu erreichen, müsste an einer anderen Schraube gedreht werden: Wenn sich die Realisierungsdauer, also die Zeit zwischen dem Erhalt des Zuschlags und der tatsächlichen Inbetriebnahme einer Anlage, verkürzen würde, dann könnte das den Ausbau wesentlich beschleunigen, prognostiziert der SMC-Bericht. Allerdings ließe sich hier in der Realität eher ein gegenläufiger Trend beobachten, so das SMC-Team. Besonders von den 2022er-Ausschreibungen seien bislang deutlich weniger Anlagen realisiert, als man erwartet hätte.  

Wo wir gerade beim Ausbau der Windenergie stehen, können Sie tagesaktuell bei MDR Wissen sehen. Hier finden Sie unser Windenergie-Dashboard mit Live-Daten.

Links/Studien

Den aktuellen Bericht des Science Media Center gibt es hier zum Nachlesen

iz mit smc

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Brisant | 24. August 2024 | 17:15 Uhr

25 Kommentare

Georg11 vor 2 Wochen

Der Bericht erinnert mich an einen am 27. August 2024 geschriebenen Artikel von Karsten Montag auf den "Nachdenkseiten" mit dem Titel: "Wirtschaftsminister Habeck – Klimaschützer oder Lobbyist?". Der Artikel stellt die Frage, ob es in der Klimapolitik vorrangig um sozial verträglichen Klimaschutz geht oder sich eine Subventionsblase entwickelt hat, in der großzügig Gelder an Unternehmen verteilt werden, Dies wird anhand der Frage diskutiert, ob Wärmepumpen mittelfristig tatsächlich kostengünstiger und klimafreundlicher als effiziente Gasheizungen sind. Der Artikel endet mit folgenden Aussagen: "...Doch nach fast 30 Jahren immens hoher Förderkosten wird noch nicht einmal ein Viertel der in Deutschland verbrauchten Endenergie durch Erneuerbare bereitgestellt.
Anstatt einen Schritt zurückzutreten und die Sinnhaftigkeit und soziale Verträglichkeit der eigenen Ziele zu überprüfen, erhöht die Bundesregierung die Schlagzahl sogar noch. .." siehe hierzu auch den Bericht Energiewende des BRH

Georg11 vor 2 Wochen

Blickt man auf den letzten Bericht des Bundesrechnungshofes zur Energiewende erkennt man, wie Ideologiegetrieben agiert wird (z.B. Deutschland wurde im Jahr 2023 zum Nettostromimporteur, Geringe gesicherte Leistung durch Solar- und Windenergie, sehr hohe Stromkosten, Energiewende ist mit massiven Kosten verbunden, weitere Preissteigerungen sind absehbar). Dazu passen zwei aktuelle Studien in renommierten Journals: 1. Paper: „What if Germany had invested in nuclear power? A comparison between the German energy policy the last 20 years and an alternative policy of investing in nuclear power“: Ergebnis: Hätte man die AKWs nicht abgeschaltet, stünde man sowohl ökonomisch als auch in der Co2-Bilanz wesentlich besser da.
2. Paper: „A review of challenges with using the natural gas system for hydrogen”: Dieses Paper schreibt zu Wasserstoff als Speicher: “Selbst wenn technische und wirtschaftliche Hindernisse überwunden werden, bleiben erhebliche Sicherheits- und Umweltrisiken bestehen.”

goffman vor 2 Wochen

Zur Grafik: „Anzahl der Windkraftanlagen, deren geplantes Inbetriebnahme-Datum vor dem 30. August 2024 lag, die aber noch den Status "in Planung" haben.“

Es wäre sinnvoll, wenn die Anzahl in ein Verhältnis zur Anzahl an in Betrieb genommenen Windkraftanlagen gesetzt würde. So ist nicht ersichtlich, ob Sachsen in dieser Grafik gut dasteht, weil es
1. Anlagen schnell und unbürokratisch baut oder
2. Insgesamt einfach viel zu wenig Anlagen baut und plant, weil einem Herrn Kretschmer die zukünftige Versorgung mit Strom unwichtig ist.