Gletscher
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Klimawandel Alpen-Gletscher nicht mehr zu retten

Ende des Jahrhunderts wird es in der Schweiz keine Gletscher mehr geben. Selbst mit den größten Anstrengungen, den CO2-Ausstoß zu verringern, gelingt das nicht. Deutsche Gletscher werden nicht so lange durchhalten.

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“Eine Verlangsamung der Erderwärmung kommt für die Schweizer Gletscher zu spät.“ So zitiert die Schweizer Zeitung "Tages-Anzeiger“ aktuell den Glaziologen Matthias Huss von der ETH Zürich. Huss bestätigt damit Modellrechnungen des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes der Universität Zürich. Nur in den höchsten Regionen oberhalb von 4.000 Metern könnten sich demnach im Jahr 2100 überhaupt noch Gletscherreste halten, so die Experten. 90 Prozent der Gletscher in der Schweiz wären dann verschwunden.

Deutsche Gletscher noch früher geschmolzen

Ob die fünf deutschen Gletscher überhaupt so lange durchhalten, ist fraglich. Im Jahr 1820 bedeckten Nördlicher und Südlicher Schneeferner, Höllentalferner, Watzmanngletscher und Blaueis eine Fläche von 4 Quadratkilometern, 2010 waren es noch 0,7 Quadratkilometer.
Deutsche Klimaforscher glauben, dass der Höllentalferner vermutlich am längsten durchhalten wird. Er ist von hohen Felswänden umgeben, die Schatten spenden und ihn durch Lawinen mit Schnee versorgen. Er könnte die zweite Hälfte des Jahrhunderts noch erreichen.

Allein in den letzten 30 Jahren haben die Gletscher in den Schweizer Alpen fast ein Drittel ihrer Fläche verloren. Nach Recherchen des “Tages-Anzeiger“ ereigneten sich sechs der acht extremsten Schmelz-Jahre seit 2008. Allein 2016 verloren die Schweizer fast einen Kubikkilometer an Eisvolumen oder rund 900 Milliarden Liter Wasser. Das trage spürbar zum Anstieg des Meeresspiegels bei, der bis 2100 insgesamt um 30 bis 100 Zentimeter steigen könnte. “Ein steigender Meeresspiegel betrifft uns in der Schweiz nicht direkt, aber es wird Millionen von Klimaflüchtlingen geben“, so das Blatt

Tödliche Hitzewellen in Asien

Die Hitze, die hier Gletscher schmelzen lässt, kann in Südasien ganz Landstriche unbewohnbar machen. Das berichten Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston und der Universität Loyola Marymount in Los Angeles. Wenn wir es nicht schaffen, die Klimaerwärmung zumindest einzudämmen, dann werde es am Ende dieses Jahrhunderts in Indien, Pakistan und Bangladesch vermehrt zu “tödlichen Hitzewellen“ kommen, so die Forscher in ihrer Veröffentlichung im “Sciencemag“. 1,5 Milliarden Menschen wären davon betroffen. Für ungeschützte Menschen seien solche langanhaltenden Hitzewellen mit permanenten Temperaturen über 35 Grad lebensgefährdend, so die Forscher.

Allerdings sei das das schlechtere Szenario. Sollte die Menschheit die in Paris beschlossenen Klimaziele erreichen und den Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen, dann würde das die Zahl der Betroffenen deutlich reduzieren. Statt 30 Prozent der Bevölkerung wären dann noch zwei Prozent in Gefahr.

Über dieses Thema berichtete das MDR Fernsehen: Brisant | 19.07.2017 | 18:10 Uhr
LexiTV | 11.05.2016 | 15:00 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 19. August 2018 | 08:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2017, 10:24 Uhr