Artensterben Wir können die Schmetterlinge retten

Die Meldungen über das große Insektensterben haben uns in diesem Jahr aufgeschreckt. Doch wir können etwas dagegen tun - an Orten, die vermutlich nur die wenigsten mit Naturschutz in Verbindung bringen.

Ein Pfauenauge sitzt auf einem Geländer.
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Für Naturschützer war es vermutlich die Schockmeldung des Jahres: Das Insektensterben ist ein Fakt. Die Lage ist dramatisch, sagt auch Josef Reichholf, aber, es ist nicht das Ende. Denn wir können etwas dagegen tun. Wir müssen den Insekten neue Lebensräume schaffen. Und dafür hat der Biologe und Zoologe Reichholf, der sich Zeit seiner wissenschaftlichen Karriere mit Artenschutz und Klimawandel beschäftigt hat, zwei Kandidaten, die manche überraschen dürften.

Kandidat Nummer 1: Unsere Städte

Die lauten, vollen, stickigen Großstädte als Insektenlebensraum? Ja, sagt Reichholf, genau die, mit ihren nährstoffarmen, nicht überdüngten Böden. Jede Kommune solle Flächen für Insekten, beispielsweise Schmetterlingsbeete anlegen. So könnte nach und nach der Lebensraum für Insekten wiederhergestellt werden, fordert er.

Prof. Dr. Josef H. Reichholf, 2007
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Das beginnt bei den Straßenrändern und geht bis zu den öffentlichen Flächen. Auch wenn man dort Liegewiesen möchte, muss es kein Golfrasen sein. Auch Blumenwiesen sind möglich

Josef Reichholf

Dass Städte Potential für Insekten haben, haben auch Biologen der Martin-Luther-Universität Halle nachgewiesen. In einer Studie zeigten sie im vergangenen Jahr, dass Hummeln in Innenstädten besser überleben und mehr Pflanzen bestäuben, als in landwirtschaftlich geprägten Gebieten im Umland. Sie sind wichtiger als alle Landschaftsschutzgebiete zusammen. Die Stadt kann den Insekten heute mehr bieten als das Land, bestätigt auch Biologe Reichholf.

Könnten wir auf dem Land erreichen, dass das Übermaß an Düngung zurückgefahren wird, dann würden sich natürlich auf größeren Flächen Verbesserungen einstellen. Aber das ist im Moment Zukunftsmusik.

Josef Reichholf

Kandidat Nummer 2: Truppenübungsplätze

Truppenübungsplätze sind wichtiger für den Artenschutz, als alle deutschen Naturschutzgebiete, so die zweite These von Reichholf. Denn hier haben die Insekten den Lebensraum, der ihnen anderswo fehlt.  Schon Straßen und große Felder stellen unüberwindbare Hindernisse für Schmetterlinge dar. Und es fehlen offene Flächen. Insekten und Schmetterlinge brauchen aber Wiesen und ungedüngte Brachflächen. Und die finden sie eben auf Truppenübungsplätzen.

Trotzdem bleibt der Forscher pessimistisch. Denn, dass wir den Artenschutz ganz stoppen können, das bezweifelt er. Aber wir können ihn auf jeden Fall  verlangsamen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur Spezial | 16. November 2017 | 18:20 Uhr