Mähdrescher erntet Gerste auf Feld im Saalekreis
Riesige Gerstenfelder im Saalekreis: Intensive Landnutzung ist für die Artenvielfalt ein Problem. Bildrechte: imago images / Andreas Vitting

Experten-Gespräch Artensterben auch in Mitteldeutschland

Mit Blick auf das weltweite Artensterben ist Mitteldeutschland keine Insel der Glückseligen. Auch hier sind intensive Landnutzung und die Versiegelung von Flächen die Gründe, weiß Biodiversitätsforscher Marten Winter.

Mähdrescher erntet Gerste auf Feld im Saalekreis
Riesige Gerstenfelder im Saalekreis: Intensive Landnutzung ist für die Artenvielfalt ein Problem. Bildrechte: imago images / Andreas Vitting

Mitteldeutschland ist vom Artensterben genauso betroffen wie jede andere Region in der Welt. Grund ist auch hier der Einfluss des Menschen auf die Ökosysteme, sagt Dr. Marten Winter vom Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig MDR WISSEN.

Etliche Arten sind betroffen

Rotmilan (Milvus milvus) im Flug, Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa
Auch in Mitteldeutschland gefährdet: der Rotmilan. Bildrechte: IMAGO/imagebroker

In Mitteldeutschland seien das vor allem die intensive Landnutzung und die Flächenversiegelung. Etliche Arten seien davon betroffen. Bei Vögeln seien das etwa der Rotmilan oder die Feldlerche, erklärt Winter: "Und dann gibt es natürlich auch Amphibien, die darunter leiden, dass viele der Lebensräume, viele Feuchträume, viele Flächen verschwinden und intensiver in die landwirtschaftliche Nutzung eingehen."

Maßnahmen nicht effizient genutzt

Zwar gibt die europäische Landwirtschaftspolitik laut Winter Maßnahmen vor, wie Biodiversität gefördert werden kann. Hierzu gehöre etwa die Möglichkeit, Flächen brachliegen zu lassen, Wiesen seltener zu mähen oder Grünflächen an und in Feldern stehen zu lassen: "Nur leider sind diese Maßnahmen einfach nicht förderlich oder werden auch nicht effizient genutzt."

Problem Flächenversiegelungen

Ein großes Problem ist nach Ansicht von Winter die "unglaubliche Menge an Flächenversiegelungen" bei den zahlreichen Baumaßnahmen in Deutschland. Hier sei es wichtig, dass die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen "effizient und sinnvoll" getätigt werden: "Es reicht dann eben nicht aus, drei, vier junge Bäume in die Mitte von einem Autobahndreieck zu pflanzen, um dadurch eine riesen Fläche, die dadurch verloren gegangen ist, zu ersetzen." Da müsse man noch sehr viel effizienter werden und wirklich auch auf die Experten hören, betont der Biodiversitätsforscher.

Blick auf eine Baustelle an der Autobahn.
Autobahn-Baustelle. Riesige Flächen werden in Deutschland jährlich für Bauprojekte versiegelt. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2019 | 12:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 17:49 Uhr