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Eine Weltraum-Collage, die eine Sonnenfinsternis (l.) und eine Mondfinsternis (r.) zeigt. Bildrechte: MDR, Panthermedia

Astronomische JahresvorschauFinsternisse, Sternschnuppen und Planeten – 2022 wird ein gutes Jahr für Astrofans

von Patrick Klapetz

Stand: 01. Januar 2022, 05:00 Uhr

Wie sieht das neue Jahr in astronomischer Hinsicht aus? Neben einigen Planeten und Sternschnuppen kann man sich vor allem auf die Sonnenfinsternis im Oktober und die Mondfinsternis im Mai freuen. Aber auch die Himmelsschreibe von Nebra steht im Fokus der Astronomen und Astronominnen. Carolin Liefke vom Haus der Astronomie hat mit MDR WISSEN über das astronomische Jahr 2022 gesprochen.

Frohes neues Jahr! Und dieses wird mit den Sternschnuppen der Quadrantiden eingeleitet. Doch es gibt noch viel mehr, auf das Sie sich dieses Jahr freuen dürfen. MDR WISSEN blickt zusammen mit der Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie voraus auf das astronomische Jahr 2022. Neben gut sichtbaren Planeten und astronomischen Veranstaltungen kann man sich besonders auf die totale Mondfinsternis im Mai und die Sonnenfinsternis im Oktober freuen. Doch zunächst zu den diesjährigen Sternschnuppen.

Die besten Sternschnuppen-Schauer

Besondere Ausbrüche sind für die diesjährigen Meteorströme nicht zu erwarten, erklärt Liefke, fügt aber hinzu: "Die Perseiden werden wieder nett sein." Wobei weniger leuchtstarke Sternschnuppen vom Vollmondlicht überstrahlt werden, welcher mit ihrem Höhepunkt am 12. August zusammenfällt. 

Bei den Quadrantiden, die in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar ihren Höhepunkt erreichen, stört der Mond nicht. Man kann also um die 50 oder 60 Sternschnuppen pro Stunde erspähen. Die Eta-Aquariiden werden in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai ihren Höhepunkt erreichen – ebenfalls ohne störenden Mond. Man kann dann mit circa 25 Sternschnuppen pro Stunde rechnen.  

Bei den Geminiden wird ein abnehmender Halbmond am Nachthimmel stehen. In der Nacht zum 14. Dezember kann man um die 75 Sternschnuppen pro Stunde erblicken, wobei die eher leuchtschwachen vermutlich vom Mondlicht überstrahlt werden. Insgesamt ist für das Jahr 2022 hinsichtlich der Sternschnuppen eher "weniger zu erwarten, der Standard sozusagen", prognostiziert Liefke. Und das ist immer noch gut.

Freuen Sie sich auf die diesjährigen Finsternisse

Für Astronomin Liefke ist klar: "Die spannendsten Sachen sind Finsternisse. Wir haben eine partielle Mondfinsternis am 16. Mai. Das ist eigentlich eine totale Mondfinsternis, allerdings findet die so weit in den frühen Morgenstunden statt, dass der Mond kurz vor der Totalität bei uns untergeht." Sie kennen ja das Sprichwort mit dem frühen Vogel … Die Verdunkelung des Mondes beginnt gegen 3.30 Uhr (MESZ) und endet gegen 5.20 Uhr. Die maximale Bedeckung wird über Deutschland kurz vor Schluss erreicht. 

Sonnenfinsternis mit Protuberanzen – aus dem Sonneninneren ausströmende leuchtende Gasmasse. Bildrechte: NASA

Immerhin besser als die letzten Jahre, schlussfolgert Liefke. "Die Letzten waren hier nur als Halbschattenfinsternisse zu sehen und taugen für die allgemeine Öffentlichkeit überhaupt nicht, weil man sie nicht wirklich erkennen kann." Die diesjährige partielle Mondfinsternis ähnelt dagegen der letzten Verfinsterung über Amerika, "bei der der Mond fast total verfinstert wurde."

Dann gibt es noch eine partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober: "Sie wird sogar besser als die, die wir 2021 hatten – also vom Bedeckungsgrad her. Deutlich mehr als angeknabbert, sozusagen." Wobei man hier natürlich erwähnen muss, dass im Norden ungefähr 30 Prozent der Sonne vom Mond verdeckt werden, wogegen es im Süden eher 15 Prozent sein werden. Um das zu sehen, braucht man mindestens eine Sonnenfinsternis-Brille, doch "Ende Oktober ist das natürlich eine Wetterfrage."

Planeten beobachten 2022

Bis Ende Januar kann man die Venus noch am niedrigen Horizont am Morgenhimmel erkennen. "Das ist natürlich auch eine Frage der freien Horizontsicht. Wer im Hochhaus im 15. Stock sitzt, hat auch die Vorteile mit guter Sicht in die passende Richtung", erörtert Liefke. 

Im Frühling kommt sie "relativ nah an andere Planeten ran, zum Beispiel Saturn und Mars. Das ist relativ tief über dem Horizont, aber die stehen hübsch nebeneinander. Das geht Mitte März die ganze Zeit so." Ende März wird es noch besser, denn man kann "sozusagen ein richtiges Trio" erkennen. Und am 1. Mai stehen Venus und Jupiter supernah in der Abenddämmerung beieinander. "Das sieht fast schon spektakulär aus", so Liefke.

Der NASA-Rover Perseverance auf der Marsoberfläche. Bildrechte: NASA, JPL-Caltech

Allgemein kann man sich auf den Mars freuen: "Anfang Dezember 2022 ist er in Opposition – sozusagen seine beste Sichtbarkeit. Er geht dann auf, wenn die Sonne untergeht und ist dann die ganze Nacht zu sehen." Spannend wird der Mars in diesem Jahr auch, weil die ExoMars-Mission der europäischen und russischen Raumfahrtbehörden ESA und Roskosmos im September zum roten Planeten aufbrechen soll. 

Merkur kann man ebenfalls abends ab September erkennen. Das "geht über den Jahreswechsel hinaus", wobei er sehr nah am Horizont stehen wird, wenn es bei uns anfängt, dunkel zu werden. 

Astronomische Veranstaltungen 2022

Am 30. Juni findet der internationale Asteroidentag statt. Besonders spannend kann dieser Tag 2022 sein, weil die Raumsonde DART der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA am 26. September auf dem Asteroiden Dimorphos einschlagen soll. Damit möchte man testen, wie eine mögliche Asteroiden-Abwehr ablaufen kann. 

Liefke wirbt für die Earth Night am 23. September: "Das ist ein Aktionstag, der Bewusstsein für das Thema Lichtverschmutzung schaffen soll." Anders als bei der Earth Hour sind die Menschen dazu aufgerufen, das Licht über die ganze Nacht hinweg auszumachen.

Dann gibt es noch den Astronomietag am 1. Oktober. "Da das Frühjahr astronomisch nicht allzu viel zu bieten haben wird, hat man sich entschieden, den Astronomietag insgesamt in den Herbst zu verlegen", so Liefke. Sie und andere Astronominnen und Astronomen hoffen, dass es wieder zu Veranstaltungen mit Live-Publikum kommen kann – denn der Astronomietag lebt eigentlich davon, "dass die Sternwarten vor Ort geöffnet haben".

Am Astronomietag "kann man sich die Planeten mit ihren Monden auch gut angucken. Der Termin wurde unter anderem absichtlich gewählt, damit er mit der 'International Observe the Moon Night' zusammenfällt, die sich eigentlich auf den Erdmond beziehen soll." Den diesjährigen Astronomietag widmet man somit den sichtbaren Monden unseres Sonnensystems.

Ein Plakat der Sonderausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra im letzten Jahr über dem Eingang zum Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale). Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Ende Oktober tagt die Vereinigung der Sternfreunde in Halle (Saale), bei der alle willkommen sind, die Interesse an Astronomie haben. Dafür muss man kein Mitglied der Vereinigung sein. Die Tagung soll mit der Rückkehr der Himmelsscheibe von Nebra zusammenfallen, die Anfang 2022 nach England ausgeliehen wird. Im Herbst soll sie dann wieder im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle ausgestellt werden. 

Man darf sich also auf einiges freuen, besonders auf die partielle Mondfinsternis im Mai und die partielle Sonnenfinsternis im Oktober.