Die astronomische Jahresvorschau 2020 Sternschnuppen, Supermond, Blue Moon und Sonnenfinsternisse

Ein neues Jahr ist angebrochen und 2020 bringt etliche schöne Momente für die Freunde der Astronomie. Der MDR Wissen Weltraumkalender holt den Nachthimmel aufs Smartphone. Doch erst einmal: ein himmlischer Überblick.

von Patrick Klapetz

Ein Foto der gesamten Milchstraße
Bildrechte: Matt Aust

Bereits zu Beginn des Jahres werden die ersten Sternschnuppen über Deutschland sausen. In der Nacht zum 4. Januar werden bis 200 Sternschnuppen pro Stunde den Himmel schmücken. Die Quadrantiden stammen vermutlich von einem Kometen, der bereits vor 500 Jahren in China beobachtet wurde. Übrigens: Bei Sternschnuppen handelt es sich um kleine Brocken und Staubkörner, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Um genau zu sein: Es glühen nicht die Teilchen, sondern die Luft, die sich durch die Reibung erhitzt und zu leuchten beginnt.

Der Sternschnuppenstrom der Perseiden gegen 3 Uhr
Der Sternschnuppenstrom der Perseiden. Bildrechte: IMAGO

Im Frühling folgen schließlich die April-Lyriden und die Mai-Aquariiden, besser bekannt als Eta-Aquariiden. Im Sommer sind die Pop-Stars der Sternschnuppen zu beobachten: Die Perseiden werden in der Nächten zwischen dem 9. und 13. August ihren Höhepunkt erreichen. Durchschnittlich werden um die 100 Sternschnuppen pro Stunde erwartet. In den Jahren 1991 und 1993 wurde das nochmal getoppt: Über 350 Meteoren waren damals stündlich zu beobachten.

Die Sternschnuppen Boy-Band

Gegen Ende des Jahres, wenn die Temperaturen sinken, finden die größeren Meteorströme statt. Mit dabei sind die Draconiden, Orioniden, Tauriden, Leoniden, Geminiden und Ursiden – die fast wie die Mitglieder einer antiken Boyband klingen.

Die Draconiden sind die Unscheinbaren: Normalerweise blitzen stündlich gerade einmal zwei Sternschnuppen auf. Doch in manchen Jahren explodieren sie förmlich und zeigen mit 300 Schnuppen ihre volle Pracht. Die Orioniden sind ein alter Hut. Man kennt sie bereits seit dem 3. Jahrhundert. Die Tauriden sind der "bad guy" unter den Sternschnuppen. Im Jahr 1908 schlug ein Asteroid in Sibirien ein und soll die Tunguska-Explosionen ausgelöst haben.

Eine Sternschnuppe ist an einem klaren Nachthimmel rechts neben der Milchstraße zu sehen
Eine Sternschnuppe ist an einem klaren Nachthimmel rechts neben der Milchstraße zu sehen. Bildrechte: dpa

Die Leoniden gehören mit rund 15 Sternschnuppen pro Stunde eher zu den Softies der antiken Band. Die Massen werden von den Geminiden begeistert – denn mit bis zu 200 Meteoren gehören sie zu den stärksten Schnuppentruppen am Nachthimmel, hier lohnt sich das Wünschen! Die Ursiden bringen am 22. Dezember die Weihnachtsstimmung, auch wenn es nur wenige Sternschnuppen sind.

Supermond, Blue Moon und Finsternis

Es gibt 2020 noch viel mehr astronomische Ereignisse. Bereits am 10. Januar wird es eine Halbschattenfinsternis des Mondes geben. Während dieses Ereignisses schiebt sich die Erde zwischen Mond und Sonne und wirft einen Schatten auf den Trabanten, der zu 92 Prozent in den Halbschatten der Erde tritt.

Ein riesiger Vollmond über Görlitz. So wie in unserer Montage könnte der Super-Mond am Himmel aussehen.
Ein riesiger Vollmond über Görlitz. So wie in unserer Montage könnte der Super-Mond am Himmel aussehen. Bildrechte: MDR/Gerald Perschke

Ein Supervollmond wird am 9. März am Firmament stehen. Der Mond ist dann sieben Prozent größer als üblich. Der Grund dafür ist sein geringerer Abstand zur Erde, der durch seine elliptische Umlaufbahn zustande kommt. Mit dem bloßen Auge ist der Unterschied aber nicht zu sehen. Es sei denn, man würde einen zweiten Mond zum Vergleich an den Himmel kleben.

Die nächsten Halbschattenfinsternisse, jeweils am fünften der Sommermonate Juni und Juli, sind in Mitteleuropa nicht zu sehen. Ebenso die Halbschattenfinsternis am 30. November. Doch im Sommer findet noch ein anderes Phänomen statt: Eine Feuerkranz-Sonnenfinsternis ist am 21. Juni zu beobachten. Hier schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde, wobei er die Sonne nicht komplett verdeckt. Jedoch bleibt auch hier Europa außen vor. Um die Sonnenfinsternis zu beobachten, müssten Sie nach Afrika oder Asien reisen.

Vorbereitung zur Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis
Damit man eine Sonnenfinsternis wie diese beobachten kann, muss man einige Vorbereitungen treffen. Bildrechte: IMAGO
Sonnenfinsternis
Damit man eine Sonnenfinsternis wie diese beobachten kann, muss man einige Vorbereitungen treffen. Bildrechte: IMAGO
Schematische Darstellung einer Sonnenfinsternis.
Da sich der Mond im richtigen Abstand zwischen Sonne und Erde schiebt, wird das übrige Licht gebündelt. Bildrechte: IMAGO
Frau schaut durch gigantische Sonnenfinsternis-Brille. Die Werbemaߟnahme wirbt für das Adler Planetarium Chicago, Illinois.
Wer keine Schutzbrille trägt, riskiert schwere Augenschäden. Es darf auch gerne eine kleinere und passende Brille zum Schutz der Augen sein. Bildrechte: IMAGO
Ein Mann und ein Mädchen schauen durch Sofi-Brillen in den Himmel.
Doch eine einfache Sonnenbrille reicht nicht aus. Es braucht spezielle Schutzbrillen wie diese, um die Sonnenfinsternis in voller Pracht zu beobachten. Bildrechte: MDR/Christoph Stelzner
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Der Blue Moon am 31. Oktober ist alles andere als blau. Der Name leitet sich von dem englischen Ausdruck "once in a blue moon" ab. Damit ist ein seltenes Ereignis gemeint und das ist der Blue Moon tatsächlich. Denn das Jahr 2020 wird mit 13 Vollmonden und nicht wie üblich mit zwölf beschert. Bereits am ersten Tag im Oktober ist ein runder Kreis am Nachthimmel zu sehen, an seinem letzten Tag dann erneut.

Im Winter folgt dann die nächste Finsternis. Diesmal ist es eine totale Sonnenfinsternis. Doch auch hierfür müssten Sie erneut in den Flieger oder ein Boot steigen: Zu sehen ist dieses Ereignis am 14. Dezember in Südamerika.

Mondphasen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

29,53 Tage braucht der Mond, um die Erde einmal zu umrunden. Von uns aus wirkt es so, als nehme der Mond zu, erstrahle dann rund und voll und nehme wieder ab.

Fr 28.06.2019 10:04Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/wissen/astrokalender/Mondzyklus-Mondphasen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn am Himmel

Unsere planetarischen Nachbarn haben 2020 ebenfalls wieder ihre großen Auftritte am Himmelszelt. Die Venus, wird im Frühjahr als strahlender Abendstern am Westhimmel hell leuchten. Im April wird der feurigheiße Planet seine maximale Helligkeit als Abendstern erreichen. Schließlich zieht sich der Planet zurück und wird in den nächsten Monaten als Morgenstern am Himmel stehen. Am hellsten wird er am 10. Juli leuchten. Eine Woche darauf treffen Mond und Venus aufeinander.

Besonders oft trifft der Mond auf unseren nächsten Nachbarn, den Mars. Dies passiert im Juli, Oktober und November. Und im Oktober geschieht das gleich zwei Mal, denn wir haben Blue Moon (siehe oben). Doch am spektakulärsten wird es im September. Dort kreuzen sich die Bahnen der beiden Himmelskörper.

Die wichtigsten Planeten 2020

Computergrafik des Planeten Merkur
Der Merkur ist der sonnennächste Planet in unserem Sonnensystem. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Computergrafik des Planeten Merkur
Der Merkur ist der sonnennächste Planet in unserem Sonnensystem. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Planet Venus als Computergrafik mit NASA-Texturen
An zweiter Stelle befindet sich Venus. Bildrechte: imago/blickwinkel
Der Planet Mars, 3D Berechnung der NASA
Der erste äußere Planet und somit vierter Planet unseres Sonnensystems ist der Mars. Bildrechte: Imago-Stock
Der Große Rote Fleck auf dem Jupiter im Größenverhältnis zur Erde.
Als erster großer Gasriese taucht Jupiter auf. Dieser Gigant steht an fünfter Stelle unseres Sonnensystems. Im Vergleich dazu wirkt die Erde winzíg. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech/SwRI/MSSS/Christopher Go
Eine der letzten Saturnaufnahmen der Raumsonde Cassini, bevor sie in durch die Ringe des Planeten gestürzt ist.
Besonders durch seine Ringe verzaubert die Nummer Sechs in unserem Sonnensystem: Der Saturn. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute
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Merkur, der sonnennächste Planet, ist nur schwer zu beobachten. Von Anfang Februar bis Ende Mai erscheint der Gesteinsplanet am westlichen Abendhimmel. Am Osthimmel der Morgendämmerung wird Merkur Ende Juli und Mitte November zu beobachten sein.

Ein Tänzchen am Himmel gönnen sich die beiden äußeren Gasriesen Jupiter und Saturn. Während gegen Anfang des Jahres Saturn die Führung übernimmt, wechselt sich das Verhältnis am 21. Dezember. Dann überholt Jupiter seinen beringten Nachbar Saturn.

Sommer und Winter, nah und fern

Trotz der kalten Temperaturen ist die Erde am 5. Januar der Sonne auf ihrer elliptischen Umlaufbahn am nächsten. Das Phänomen wird Perihel genannt. Doch die eisigen Temperaturen dürften sich bald legen. Denn der astronomische Frühlingsanfang, das Äquinoktikum, wird am 20. März erreicht. Mit den steigenden Temperaturen nehmen auch die hellen Tage zu. Dafür werden die Nächte immer kürzer, bis sich das Blatt am 20. Juni wendet: Denn nun ist Sommersonnenwende und der astronomische Sommer beginnt. Zeitgleich werden aber die Tage kürzer und die Nächte länger.

Am 4. Juli – dem Tag, an dem die USA ihre Unabhängigkeit feiern – ist die Erde der Sonne ganz fern. Sie steht im Aphel, was der sonnenfernste Punkt ist. Dennoch schleichen sich zu diesem Zeitpunkt Gerüche von BBQ und Grill-Obsessionen durch die Nachbarschaften. Die Menschen wälzen sich in ihren Gärten und an den Stränden um von der Sonne gebrutzelt zu werden. Denn es ist Sommer. Doch auch diese Jahreszeit geht irgendwann zu Ende. Am 22. September findet die Herbst-Tagundnachtgleiche statt und der astronomische Herbst bricht ein. Die Tage werden immer kürzer, und umso später das Jahr wird, desto mehr drängt sich die Frage auf: Welche Jacke oder welchen Mantel zieht man diesen Winter an? "Winter is coming" und er wird noch bis ins nächste Jahr reichen. Doch am 21. Dezember ereilt eine frohe Kunde das Land. Die Tage werden wieder länger, denn es ist Wintersonnenwende

Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2020, 12:00 Uhr

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