Premiere bei der "Batnight" 2016 in Deutschland Amateurfunker auf Fledermausjagd

Wie weit fliegen Fledermäuse ins Winterquartier? Wie schnell sind sie? Wie reagieren sie auf das Wetter? Bislang gibt es bei diesem Thema viele Fragezeichen. Nun sollen Amateurfunker helfen, die Antworten zu finden.

Fledermaus
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Wenn an diesem Wochenende weltweit Umweltschützer zur "Batnight" rufen, um auf das Schicksal der Fledermäuse aufmerksam zu machen, dann startet in Mitteldeutschland ein ganz besonderes Projekt. Wissenschaftler wollen mit Hilfe von Hobbyfunkern den Zug von Fledermäusen erforschen. Vom 28. August an würden zehn Tiere an drei Orten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit Sendern ausgestattet, teilte die Referenzstelle für Fledermausschutz in Roßla in Sachsen-Anhalt mit. Amateurfunker sollen die Position der Tiere auf dem Weg in Ihr Winterquartier melden, wenn sie Signale der Sender wahrnehmen.

Das Monitoring ist nur umsetzbar mit Funkamateuren, die über entsprechend hohe Empfangsstationen verfügen.

Bernd Ohlendorf, Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt

Zehn Fledermäuse bekommen ultraleichte Sender

Ziel des Projekts sei es, den genauen jahreszeitlichen Verlauf des Fledermauszugs zu dokumentieren, teilte die Referenzstelle mit. Sieben Rauhautfledermäuse und drei Kleine Abendsegler werden mit Sendern ausgestattet. Die Frequenzen wurden im Internet und in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, um die Tiere verfolgen zu können. "Diese Arten sind durch forstliche Nutzung und Windkraftanlagen stark gefährdet", erklärte Bernd Ohlendorf von der Referenzstelle. Die eingesetzten Sender sind besonders klein, so dass sie die Fledermäuse nicht stören. Sie wiegen ein halbes Gramm wiegen und haben eine Lebensdauer von maximal 30 Tagen.

Kleinabendsegler können gut und gerne bis nach Spanien oder Marokko fliegen.

Bernd Ohlendorf, Landesreferenzstelle für Fledermausschutz Sachsen-Anhalt

Hobbyfunker unterstützen Forscher

Fledermäuse
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Nach Angaben des Fledermaus-Experten vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Sebastian Kolberg, ist dies das erste Mal, dass Amateurfunker in Deutschland ein solches Monitoring unterstützen. Entsprechend leichte GPS-Sender seien für diese Fledermausarten nicht leistungsstark genug. Es sei deshalb ein guter Ansatz, die Tiere mithilfe von Funksendern und Hobbyfunkern zu orten.
Funker aus Deutschland und den angrenzenden Ländern sollen laut Ohlendorf bei dem Projekt mitmachen. "Das Netz muss dichter werden, um entsprechende Aussagen zu erhalten."
In Deutschland gibt es nach Angaben des Nabu 25 heimische Fledermausarten. Kolberg zufolge mangele es allerdings für viele Fledermausarten an Daten, da das Monitoring schwierig sei. Zudem gebe es bislang keine bundesweite Datenbank.

Der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri) wiegt nach Angaben des Nabu zwischen 13 und 20 Gramm und hat eine Flügelspannweite von 26 bis 32 Zentimetern. Die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) ist kleiner, mit einem Gewicht von 6 bis 15,5 Gramm und einer Flügelspannweite von 23 bis 25 Zentimetern. Es gebe Befunde, dass sie bis zu 1.900 Kilometer weit ziehen könne, so Kolberg.

Das Projekt "Fledermauszug in Deutschland" der Referenzstelle für Fledermausschutz in Sachsen-Anhalt wurde im vergangenen Jahr gestartet. Das Monitoring ist zunächst für fünf Jahre geplant.

Links zur Batnight 2016