Blüten-Bestäubung Drohnen statt Bienen oder vielleicht sogar Ameisen?

Drohnen statt Bienen? Der US-Konzern Walmart machte jüngst mit mehreren Patentanmeldungen auf Drohnen für Anwendungen in der Landwirtschaft Schlagzeilen, darunter ein Patent für Drohnen, die Blüten bestäuben. Biologen sehen das skeptisch. Einige halten es sogar für denkbar, dass Ameisen einmal die neuen "fleißigen Bienen" werden.

Honigbiene an einer Blüte
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Wer bestäubt die Pflanzen, wenn die Bienen wegfallen? Nach den Schlagzeilen über das massive Insektensterben eine berechtigte Frage. Können Drohnen die Bienen als Bestäuber in der Natur ersetzen? Nein, sagt Biologin und Bienen-Spezialistin Alexandra Klein von der Universität Freiburg, und zwar aus vielen verschiedenen Gründen.

Junge Frau lächtelt vor Modell einer großen Bienenwabe
Professorin Dr. Alexandra-Maria Klein Bildrechte: Universität Freiburg

Zum einen ist es die Menge der vielen verschiedenen Pflanzenarten, die zum anderen an die unglaublich vielen verschiedenen Bienenarten angepasst sind, erklärt Klein im Gespräch mit MDR Wissen und resümiert: "Da bräuchten wir hunderttausende verschiedene Roboterarten, damit alle Pflanzenarten auch vernünftig bestäubt werden können." Die bis heute entwickelten Minibestäuber haben vier Zentimeter Spannweite und wiegen 15 Gramm.

Nun könnte man meinen, dass die viel gescholtenen Monokulturen perfekt für die Drohnentechnik wäre - bräuchte man für die Bestäubungsarbeit für eine Blütenart einer Plantage auch nur eine einzige auf die Nutzpflanze angepasste Art von Drohnen. Klein ist trotzdem skeptisch, was Kosten und Erträge angeht:

Es sind ja in einer Mandel-, Apfel- oder Kirschplantage Millionen von Bienen, die da herumfliegen, dann bräuchte man Millionen Drohnen.

Prof. Alexandra Klein

Diese wiederum würden andere - Insekten und Vögel - stören, wie eben jeder Eingriff in die Natur Folgen hat, ob es nun der Mensch ist, der in China von Ast zu Ast klettert und mit Pinselchen Mandelblüten bestäubt, oder ob Millionen von Miniaturdrohnen einmal durch Plantagen schwirren.

Chinesin bestäubt blühende Pfirsichbäume mit Pollen
China: Bestäubung in Handarbeit Bildrechte: IMAGO

Die Drohne als Biene - wie geht das?

So haften die Pollen dank elektrostatischer Anziehung. Allerdings klappte das Bestäuben nicht im ersten Ritt: Erst nach drei Anflügen waren 43 Prozent der Pollen aufgenommen. Schon 2012 hatte es an der Harvard-Universität ähnliche Versuche gegeben - allerdings hing deren Roboterbiene "RoboBee" noch an einem Kabel zwecks Stromversorgung.

Blütenbestäubung - keine reine Bienenarbeit

Schmetterling an einer Blüte
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Bienen sind allerdings nicht die einzigen "Fleißbienen", wenn es um die Blütenbestäubung geht: Auch Fliegen, Ameisen, Käfer, Motten und Schmetterlinge erledigen das.

Wobei Ameisen als Bestäuber in der Natur Ausnahmen sind, nämlich da, wo Bienen und andere geflügelte Bestäuber schlechte Karten haben: zum Beispiel in großen Höhenlagen mit viel Wind. Aber selbst dann sind Ameisen schlechte Pollenüberträger, erklärt Bernhard Seifert vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz im Gespräch mit MDR Wissen: Die Insekten krabbeln zwar gern in Blüten und schlürfen Nektar. Aber natürlich vorhandene Fungizide und Bakterizide auf dem Rücken der Ameisen töten die Pollen ab. Deshalb sind Ameisen als Bestäuber und Bienenersatz aus Sicht des Spezialisten aus Görlitz nicht denkbar.

Ausblick: Ameisen mit Auftrag

Biologin Klein hält Ameisen dagegen als Bestäuber nicht für ganz so abwegig: Bei Versuchen in Japan wurde Ameisen Gel auf den Rücken gestrichen, an dem Pollen kleben bleibt und weitergetragen werden kann. In weiteren Versuchen mit Fliegen zeigte sich, dass das Gel die Insekten farbig schillern lässt, was sie vor natürlichen Fressfeinden schützt, die sie nicht mehr als Futterobjekt erkennen. Forscherin Klein denkt angesichts der japanischen Versuche sogar noch weiter - an genetisch veränderte Ameisen mit klebrigem Rücken, die direkt auf die Bestäubearbeit spezialisiert sind.

Schuppenameise sitzt auf Blüte des Sumpf-Herzblatts
Eine Schuppenameise sitzt auf der Blüte eines Sumpf-Herzblatts. Bildrechte: IMAGO

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 02. März 2018 | 08:22 Uhr