Wirtschaftswissenschaft Brasilianischer Regenwald: Abholzung wird richtig teuer

In Brasilien soll der Schutz indigener Gebiete aufgehoben werden, um Bergbau zu betreiben. Weiterer Regenwald ginge so verloren. Forscher haben nun errechnet, wieviel die Umweltzerstörung kosten würde.

Waldbrand
Bildrechte: imago images/Fotoarena

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro plant ein Gesetz, mit dem die bisher geschützten Gebiete indigener Völker freigegeben würden für die wirtschaftliche Ausbeutung, vor allem für den Bergbau. Eine weitere Abholzung tropischen Regenwalds wäre wohl die Folge. Dabei geht es um eine Fläche von rund 863.000 Quadratkilometern, mehr als doppelt so viel wie die Deutschlands.

Ein internationales Forscherteam hat nun errechnet, dass diese Politik nicht nur zu weiterer massiver Umweltzerstörung führen würde - sie sei auch ökonomisch unsinnig. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem Portal "One Earth" veröffentlicht.

Wirtschaftlicher Wert der Gebiete: 4,3 Mrd. Euro

Die Wissenschaftler um die Doktorandin Juliana Siqueira-Gay von der australischen University of Queensland werteten dafür bereits existierende Daten aus und begutachteten außerdem potenzielle Standorte für Minen. Dabei kamen sie auf einen ökologischen Gesamtwert der fraglichen Flächen von sieben Milliarden Australischen Dollars, umgerechnet 4,3 Milliarden Euro. "Es ergibt einfach finanziell keinen Sinn, etwas so Wertvolles zu zerstören", erklärt Siqueira-Gay.

Der wirtschaftliche Verlust für Brasilien würde vor allem in der verminderten Produktion von Kautschuk, Edelholz und Nüssen bestehen. Dazu komme der verstärkte Ausstoß von Treibhausgasen, der ebenfalls hohe Kosten mit sich bringt.

Auf dem fraglichen Gebiet seien 4.600 Mineralvorkommen, schreiben die Forscher - wieviel sie genau abwerfen würden, sei allerdings schwer zu berechnen, erklärt Juliana Siqueira-Gay gegenüber MDR Wissen. Denn das hänge unter anderem von der Größe der Projekte und der Art der Rohstoffe ab. Jedoch geht sie sie davon aus, dass die Gewinne aus dem Bergbau am Ende weit von den Verlusten infolge der Umweltzerstörung entfernt sind.

Die Ökonomin Juliana Siqueira-Gay
Juliana Siqueira-Gay. Bildrechte: Juliana Siqueira-Gay

Das Land der indigenen Bevölkerung in Brasilien ist unglaublich wertvoll - für die Gesellschaft, für die Umwelt und auch für die Wirtschaft.

Juliana Siqueira-Gay, Studienautorin

Auswirkungen auch auf den Rest der Welt

Laura Sonter, Koautorin der Studie, erklärte zudem, dass sie sich sehr um die in Frage kommenden Wälder sorge und hoffe, dass die internationale Gemeinschaft den Forschungsergebnissen Beachtung schenke: "Falls der brasilianische Kongress Bolsonaros Gesetzesvorschlag annimmt, wird es eine ganze Reihe an negativen Auswirkungen geben, sowohl für Brasilien als auch für den Rest der Welt".

Denn zu den ökonomischen Kosten kämen noch die Veränderungen für die Lebensweisen der indigenen Völker, mit ihren 644.000 Familien und 160 Sprachen. Auch dies hätte letztlich Auswirkungen auf die Umwelt. "Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse sowohl dem brasilianischen Parlament als auch Volk helfen, kluge Entscheidungen zu treffen, um diese wertvolle Region zu Beschützen", resümiert Laura Sonter.

cdi

1 Kommentar

Eulenspiegel vor 8 Wochen

Der Mensch ist fleißig dabei seine Existenzgrundlage zu zerstören. Und Präsident Jair Bolsonaro tut sein Bestes um das Ganze noch zusätzlich zu beschleunigen. Bravo!

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