Kampf gegen die Ausrottung Welt-Premiere: Nashornbaby aus dem Reagenzglas

Seit das letzte männliche Exemplar der nördlichen Breitmaulnashörner gestorben ist, hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Nun wollen Wissenschaftler die Art auf spektakuläre Weise vor dem Aussterben retten.

Mit "Sudan" ist im März das letzte männliche Breitmaulnashorn der Welt gestorben. Es lebte im Ol Pejeta Wildtierreservat in Kenia. Jetzt gibt es nur noch zwei Weibchen. Um diese Nashornart gänzlich vor dem Aussterben zu bewahren, setzt ein Team rund um den Veterinärmediziner Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ( IZW ) in Berlin auf die künstliche Reproduktion.

Aus dem Reagenzglas ins Nashorn

Den Wissenschaftlern ist es tatsächlich gelungen, Nashornembryos im Reagenzglas zu erzeugen.

Dies sind die weltweit ersten in vitro produzierten Nashorn-Embryos.

Thomas Hildebrandt, IZW

Hildebrandt ist sehr zuversichtlich, dass Nashornweibchen, die mit diesen Embryos befruchtet werden, tatsächlich trächtig werden könnten.


Erprobt hat sein Team diese Methode mit dem Ergut von südlichen Breitmaulnashörnern. Der nächste Schritt wäre es, Embryos mit dem Erbgut der beinahe ausgestorbenen nördlichen Breitmaulnashörner zu erzeugen.

Doch hier gibt es einige Hindernisse zu überwinden, denn die Qualität der vorhandenen Spermien ist nicht besonders gut. Sie müssten direkt in die Eizellen eingespritzt werden.

Diese sollen den beiden letzten weiblichen Nachkommen Sudans im Spätsommer entnommen werden.

Das ist eine Prozedur, die eine erhebliche technische Herausforderung darstellt. Unsere Patientinnen wiegen über zwei Tonnen, die Eierstöcke sind über zwei Meter im Bauch. Und die Folikel, in denen sich diese Eizellen befinden, haben eine Größe von ein bis zwei Zentimetern.

Leihmütter gesucht

Die Ei-Entnahme stellt aber nicht die einzige Herausforderung dar. Die beiden Weibchen sind nämlich unfruchtbar. Deshalb sollen die Embryos Leihmüttern einer verwandten Art eingesetzt werden. Vom südlichen Breitmaulnashorn gibt es noch mehrere Tausend Exemplare.

Ein paar Babys reichen nicht aus

Damit ist es aber noch längst nicht getan. Nicht nur, dass eine künstliche Befruchtung nicht immer erfolgreich ausgeht. Um eine ganze Art zu retten, reichen ein paar gesunde Nashornbabys nicht aus. Die genetische Vielfalt wäre zu klein, um eine sich selbst erhaltende Population aufzubauen. Deshalb gehen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter. Micha Drukker vom Institut für Stammzellforschung am Münchner Helmholtz-Zentrum will den Genpool der Nashörner künstlich erweitern.

Wir nehmen ein Stück Haut oder eine Blutprobe und verwandeln die Zellen in pluripotente Stammzellen. Also die Zellen, aus denen alle Zellen hervorgehen. Das nehmen wir als Ausgangspunkt, um beispielsweise Eizellen zu erzeugen. Es funktioniert gewissermaßen wie eine Zeitmaschine.

Micha Drukker, ISF

Aber auch das ist leider kein Garant für die Rettung des nördlichen Breitmaulnashorns, denn bei nur zwei verbleibenden lebenden Exemplaren bleibt das Unternehmen bei allem Enthusiasmus ein Wettlauf gegen die Zeit.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 20. März 2018 | 17:45 Uhr