Bill Gates, Emma Watson, André Schürrle C02: Welche Promis sind fliegende Umweltsünder?

Etliche Studien haben schon gezeigt: Besserverdiener haben einen größeren CO2-Fußabdruck als Geringverdiener. Ist ja logisch: Die können auch mehr konsumieren und mehr reisen. Auf die Spitze treibt das jetzt eine Studie aus Schweden. Forscher haben sich angeschaut, wie viel CO2 Prominente verbraucht haben und zwar allein durch ihre Flugreisen. Mit dabei neben Oprah Winfrey, Bill Gates und Emma Watson auch die Deutschen Felix von der Laden und André Schürrle.

von Karolin Dörner

Lasst uns über den Klimawandel sprechen, sagt Bill Gates in seinem eigens erstellten Video. Dass der CO2-Ausstoß verringert werden muss, ist auch dem zweitreichsten Mann der Welt klar. Vor der eigenen Haustüre hat er bisher aber nicht gekehrt. Schließlich war der Superreiche 2017 auf 350 Flügen unterwegs - was einem CO2-Ausstoß von etwa 1.600 Tonnen entspricht. 1.600 Tonnen sind eine ganze Menge, im Vergleich zu dem, was der Durchschnittsmensch an CO2 durch Fliegen verbraucht, erklärt Stefan Gössling. Er ist Tourismusforscher an der Uni Lund in Schweden.

Wenn wir da seine 1.600 Tonnen mit vergleichen, dann ist Bill Gates also 16.000 Mal so CO2 -intensiv wie der durchschnittliche Mensch.

Social Media Kanäle zeigen: Wer fliegt wohin

Diese Zahl kennt Gössling, weil er Bill Gates Social Media Kanäle ein Jahr lang gescannt hat. Immer auf der Suche nach: Wann fliegt Gates mit welchem Flieger wohin?

Im Vergleich: CO2-Verbrauch: Promis und ihre Flüge im Jahr 2017

Es macht offenbar einen Riesenunterschied, wie man fliegt. Das zeigen die Vergleiche der Flugzeiten und des CO-Ausstoßes, denn gleichviel Flugstunden verursachen extrem verschiedenen CO2-Werte.

weißhaariger weißer Mann mit Sonnenbrille
Karl Lagerfeld, inzwischen verstorben: 2017 flog der Designer insgesamt 24 Stunden, das verursachte einen CO2- Ausstoß von 105,8 Tonnen. Bildrechte: Kunsthaus Apolda
weißhaariger weißer Mann mit Sonnenbrille
Karl Lagerfeld, inzwischen verstorben: 2017 flog der Designer insgesamt 24 Stunden, das verursachte einen CO2- Ausstoß von 105,8 Tonnen. Bildrechte: Kunsthaus Apolda
junge weiße Frau im Abendkleid
Schauspielerin Emma Watson: Auf ihr Konto gehen 71 Flugstunden und 15,1 Tonnen C02 - offenbar ist sie Linie geflogen und nicht Privatjet. Bildrechte: Getty Images
lachender weißer Mann
Ähnlich wie Fußballer André Schürrle. Er bringt mit 86 Stunden Flugzeit 18,3 Tonnen C02 in die Umwelt. Zeitmäßig ist er damit so lang unterwegs wie die amerikanische Milliardärin ... Bildrechte: imago/DeFodi
Meg Whitman
... Meg Whitman. Sie ist 86 Flugstunden im Jahr unterwegs. Ihr CO2-Ausstoß lag aber bei 379,3 Tonnen. Offenbar war sie mit Privatjets unterwegs. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Lächelnder weißer Mann
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg war 110 Flugstunden unterwegs und hatte einen CO2 Ausstoß von 485,1 Tonnen. Bildrechte: imago/IP3press
junger weißer Mann auf einer Straße
Youtuber Felix von der Laden: 139 Flugstunden - 29,6 Tonnen C02. Auch er hat offenbar in Linienfliegern gesessen. Denn gleichauf mit ihm ist in Flugstunden: Bildrechte: imago images / HochZwei
lachende schwarze Frau
Oprah Winfrey: Ihre 139 Flugstunden verbrauchten aber 615,6 Tonnen CO2. Bildrechte: IMAGO
lachende Frau
Pop-Star Jennifer Lopez: Ihre 233 Flugstunden verbuchen 1.051,0 Tonnen C02. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Ein Mann läuft vor einem Flugzeug
Microsoft-Mitgründer Bill Gates am Flughafen Patna in Indien: 365 Flugstunden - 1629,4 Tonnen CO2 Bildrechte: imago/Xinhua
Junge weiße Frau vor Hubschrauber
Paris Hilton - 286 Flugstunden, 1.261,3 Tonnen CO2-Ausstoß. Bildrechte: imago/Starface
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Emma Watson
Emma Watson zählt nach der aktuellen Liste nicht zu den CO2-Sündern. Bildrechte: Getty Images

Nicht nur Gates bekommt so sein Fett weg, weitere neun Prominente hat Gössling auf die Liste genommen. Paris Hilton und Sängerin Jennifer Lopez zum Beispiel stehen dem Multimilliardär kaum nach. Im Vergleich dazu erscheint die britische Schauspielerin Emma Watson geradezu enthaltsam - mit 15 Tonnen C02 und 71 Flügen ist sie das Schlusslicht der Liste, nur knapp vor Fußballprofi André Schürrle mit rund 18 Tonnen CO2. Der deutsche Youtuber Felix von der Laden kommt dagegen auf knapp 30 Tonnen. Zum Vergleich: die weltweiten Pro-Kopf-CO2-Emissionen liegen im Durchschnitt bei knapp 5 Tonnen, in Deutschland laut EU bei rund 11 Tonnen.

Repräsentativ ist die Studie nicht, aber das soll sie auch nicht sein, sagt Gössling:

Wir wollten Leute haben, die möglichst verschiedene Berufsgruppen repräsentieren: Geschäftsleute, Sportler, Sänger, Schauspieler. Wir haben dann einfach geguckt, wer hat so viel Kommunikation in seinen sozialen Medien, dass wir auf dieser Basis wirklich diese Untersuchung durchführen können.

Forscher fordert Sondersteuer für Vielflieger-Promis

Die zehn Beispiele reichen aus, um eines zu erkennen: Die Reichen und Bekannten verursachen einen extremen CO2-Ausstoß und belasten das Klima deutlich mehr als andere. Zum Vergleich: Das festigt die Ergebnisse vorheriger Studien, die zeigen: Die reichsten zehn Prozent der Welt haben allein die Hälfte aller Emissionen zu verantworten. Gleichzeitig werden sie am wenigsten unter den Folgen zu leiden haben. Das bestätigt Tourismusforscher Stefan Gössling:

Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass wir diese großen Verteilungsunterschiede haben. Reiche Leute werden auch nicht von Klimapolitik betroffen sein, da sie sich von Preiserhöhungen weitestgehend freikaufen können.

Gössling fordert, das Augenmerk viel stärker auf die "Super-Emitter" zu richten, also die besonders emissionsstarken Bevölkerungsgruppen. Die müssten nochmal gesondert besteuert werden, so der Forscher. Ab einer bestimmten Distanz sollte das Fliegen dem Portemonnaie schmerzen. Sein Vorschlag: Ticketpreise sollten um den Faktor zehn teurer werden. Aber wenn wir ehrlich sind, würde auch das einem Bill Gates oder einem Mark Zuckerberg nicht wehtun.

Link zur Studie

Die Ergebnisse der Studie "Celebrities, air travel, and social norms" sind in Annals of Tourism Research erschienen.

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Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | 30. Oktober 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 13:33 Uhr

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