Gefahr aus der Eiche Der Problem-Spinner

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Falter. Nicht schön, aber gefräßig, besonders als Raupe. Seit Jahrzehnten schädigt er große Teile des Eichenbestandes zum Beispiel in Brandenburg und der Altmark. Das Problem tritt periodisch auf und ist seit Jahrhunderten bekannt. Doch bis heute gibt es keine Lösung. Was können wir tun?

Eichenprozessionsspinner
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Das Problem der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist im Landtag von Sachsen-Anhalt angekommen. Kommunalpolitiker fühlen sich überfordert. Die Umweltministerin will helfen, weiß aber nicht wie. Tourismusbehörden kämpfen um den Elberadweg, den die Falterlarven derzeit belagern. Die alte Diskussion um den flächendeckende Einsatz von Bioziden bricht wieder aus. Kurz: Der Eichenprozessionsspinner sorgt derzeit für jede Menge Aufregung, während er sich durch den Bestand der Deutschen Eiche frisst.

Wer ist der Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist ein Forstschädling. Besonders im Frühjahr können die Larven ganze Eichenwaldgebiete kahl fressen. Sie sind dabei aber nicht alleine. Gemeinsam mit dem Eichenwickler oder dem Frostspanner bilden Sie eine äußerst effektive Fressgemeinschaft. Tritt so ein Kahlfraß mehrere Jahre hintereinander auf und setzen zusätzlich noch Extremwetterereignisse wie Spätfrost oder lange Trockenperioden ein, kannn er Bäume und ganze Wälder exiztentiell gefährden.

Zusätzlich zum Kahlfraß ist der EPS noch besonders berüchtigt wegen seiner latenten Gesundheitsgefährdung. Sie beruht auf den "Spiegelhaaren“, die ab dem 3. Larvenstadium (je nach Witterung im Mai) gebildet werden. Diese mikroskopisch kleinen, mit Widerhaken versehenen Härchen führen bei Menschen und Tieren zu Entzündungen der Haut, der Augen und der Atemwege. Die Ursache ist ein auf Proteinbasis aufgebautes Nesselgift – das Thaumetopoein. Die "Spiegelhaare“ sind auch in den ab Juni am Baum gebildeten Gespinstnestern zu finden, sie werden leicht mit dem Wind verfrachtet und behalten über mehrere Jahre ihre gesundheitsgefährdende Wirkung.

Die massenhafte Ausbreitung ist nicht neu

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm
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Die massenhafte Ausbreitung des EPS ist nicht neu. Seit Jahrhunderten ist sie überliefert. "Im Jahre 1780 war dieses Insekt in Wirtemberg besonders häufig, und verursachte den Jägern, welche gerade mehrere große Jagden zubereiteten, wenn sie unter den Eichen essen – oder ihre Sieste halten wollten, mache unangenehme Empfindungen und Schmerzen“, so steh es im Journal für das Forst- und Jagdwesen aus dem jahr 1794. Dr. A.H. Nikolai weist 1833 in seinem Buch "Die Wander- oder Prozessionsraupe" auf eine Periodizität von gehäuftem Auftreten in Westfalen hin: "Das nun beschriebene Insekt, was nach der Mittheilung älterer Einwohner der Gegend um Preuß. Minden, Lübbecke, Herford, Bünde, nach Ablauf von 8 bis 10 Jahren in großer Zahl sich immer wieder zeigen soll, ist für die bezeichnete Gegend eine bedeutende Plage..."

Die Population verkleinert und vergrößert sich in Wellen. Trotzdem sind die Wissenschaftler alarmiert und haben zahlreiche Forschungen zur Untersuchung der Bekämpfungsmethoden des EPS angestoßen. Besonders im Zentrum für integrative Biodiversitätsforschun (iDiv) in Leipzig und Im Forstwissenschaftlichen Instut der Universität Göttingen untersuchen Wissenschaftler, wie der Bestand dezimiert werden könnte.

Chemische und biologische Bekämpfung

Im letzten Jahr konnte der Bestand des Spinners mithilfe des iDivs in einigen Bereichen Brandenburgs tatsächlich reduziert werden. Aber der Aufwand ist groß und bedarf der jährlichen Einzelbehandlung zehntausender Bäume. Derzeit werden verschiedene Techniken, wie Sprühkanonen oder Spritzlanzen für den Hubsteiger zur Bekämpfung des EPS an Einzelbäumen und Alleen eingesetzt. Beide Verfahren werden zwar akzeptiert, erfordern aber noch eine weitergehende Prüfung und Bewertung in den Anwendungsbereichen Pflanzen- und Gesundheitsschutz. Mit anderen Worten: das großflächige Besprühen betroffener Gebiete mit Insektiziden birgt die Gefahr, große Teile aller Insekten zu vernichten, die zum Biotop gehören.

In Göttingen setzen die Forscher auf die biologische Bekämpfung mit Fadenkäfern, einem natürlichen Feind der Spinner. Doch die Ergebnisse der Experimente an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen sind ernüchternd. Der Leiter der Abteilung Waldschutz, Michael Habermann, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es funktioniert, aber für den Praxiseinsatz noch nicht ausreichend." Zwar würden die Fadenwürmer auch in der Natur die Eichenprozessionspinner fressen, aber es seien eben Bodentiere, die eine gewisse Feuchtigkeit benötigen. Und die Spinner sitzen auf den Bäumen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN-ANHALT im Radio | 22.03.2017 | ab 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2019, 08:59 Uhr