Wetterphänomen Die Eisheiligen sind zu früh dran

Die Eisheiligen sind da: Das Wetter in Mitteldeutschland zeigt sich vielerorts grau, kalt und nass. Das hat natürlich weniger etwas mit den Heiligen zu tun, denen an den Tagen der Eisheiligen gedacht wird, sondern mit einem Wetterphänomen, das meist mit diesen Daten zusammenfällt. Denn, dass es im Mai noch einmal Frost geben kann, ist eigentlich nichts Überraschendes. Deshalb sagt die Bauernregel auch: Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.

Gras mit Frost
Die Eisheiligen bringen auch im Mai noch Frost. Bildrechte: Laura Becker

Wer sind die Eisheiligen überhaupt?

Zuerst kommt Mamertus, dann Pankratius, Servatius, Bonifatius und ganz zum Schluss Sophia. Sie alle sind sogenannte Wetterheilige und waren Bischöfe oder Märtyrer im 4. und 5. Jahrhundert. Ihre Gedenktage beginnen nach unserem heutigen Kalender am 11. Mai und enden am 15. Mai. Ganz korrekt ist das eigentlich nicht, denn mit der Umstellung auf den gregorianischen Kalender sind die Gedenktage um jeweils etwa zehn Tage nach vorn gerutscht - die "kalte Sophie" wäre demnach eigentlich erst am 23. Mai dran.

Und was haben die mit dem Wetter zu tun?

Die Eisheiligen sind in der Meteorologie eine sogenannte Singularität - also eine Wetterlage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu bestimmten Zeiten im Jahr auftreten kann, aber eine deutliche Abweichung vom üblichen Wetterverlauf darstellt. In Europa sind die Temperaturen Anfang Mai meist schon recht hoch. Doch der Kontinent erwärmt sich schneller als das Meer, so dass es Temperaturunterschiede zwischen dem Festland und dem Wasser gibt: Es entstehen Tiefdruckgebiete. Dadurch ziehen die warmen Luftmassen des Festlands nach Norden, wodurch wiederum eiskalte Luftströmungen aus den Polargebieten nach Mitteleuropa gedrückt werden. Bei sternenklaren Nächten kann es sogar frieren.

Und genau das ist offenbar bereits über dem Atlantik passiert: Statt über Island liegt ein Tiefdruckgebiet auf Höhe der Azoren und das Hochdruckgebiet, das normalerweise dort zu finden wäre, liegt weiter nördlich. Das Hoch über Island sorgt dafür, dass die Luft, die uns erreicht nicht aus Westen sondern aus Norden - also aus Skandinavien - kommt. Und dort ist es bekanntlich etwas kühler. Und das stützt gewissermaßen das Phänomen der Eisheiligen: Sie sind dieses Jahr aber eben etwas zu früh dran.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR Aktuell | Wetter | 09.05.2017