Findling in der Kiesgrube Rehbach in Sachsen
Kam vor etwa 450.000 aus Skandinavien nach Sachsen: Ein Findling in der Kiesgrube Rehbach. Bildrechte: MPI f. evolutionäre Anthropologie

Neuste Daten belegen Mitteldeutschland schon 100.000 Jahre eher von Eis bedeckt

Finden Sie auch, es ist für die Jahreszeit zu kalt? Die Menschen vor 450.000 Jahren hätten darüber müde gelächelt. Da war Mitteldeutschland von riesigen Gletschern bedeckt. Und das 100.000 Jahre eher als bislang angenommen. Das haben Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie herausgefunden.

Findling in der Kiesgrube Rehbach in Sachsen
Kam vor etwa 450.000 aus Skandinavien nach Sachsen: Ein Findling in der Kiesgrube Rehbach. Bildrechte: MPI f. evolutionäre Anthropologie

Mitteldeutschland war in früheren erdgeschichtlichen Kaltzeiten bereits rund 100.000 Jahre eher von kilometerdicken Eisgletschern bedeckt, als bislang angenommen. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig mithilfe modernster Datierungstechniken herausgefunden.

Bereits vor 450.000 Jahren unter Eis

Wie das Institut am Freitag in Leipzig mitteilte, konnten die Wissenschaftler belegen, dass die erste Vereisung während der sogenannten Elster- und Saale-Eiszeit im Quartär, die weite Teile Europas mit Eis bedeckte, bereits vor 450.000 Jahren stattgefunden hat. Bislang wurde angenommen, dass erst vor etwa 350.000 Jahren die heutige mitteldeutsche Region von massiven Eisgletschern überdeckt wurde. Die neuen Erkenntnisse sollen nach Angaben der Leipziger Forscher dabei helfen, die Klimaverschiebungen zwischen historischen Kalt- und Warmzeitzyklen besser zu verstehen.

Erste Menschen vor 400.000 Jahren

Eine Hand hält einen Altsteinzeit-Schaber
400.000 Jahre alter Schaber aus dem Kieswerk Schladebach in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Die Max-Planck-Forscher konnten außerdem belegen, dass die ersten Menschen Mitteldeutschland bereits nach dem Rückzug der gewaltigen Gletscher der Elster- und Saale-Eiszeit vor etwa 400.000 Jahren besiedelten.

Bei ihren systematischen Untersuchungen der Ablagerungen in Flüssen wie der Weißen Elster und der Saale fanden die Experten sogar 300.000 bis 200.000 Jahre alte Steinartefakte von Neandertalern wie Faustkeile und andere Steinwerkzeuge aus dem Alt- und Mittelpaläolithikum. Sie liefern wichtige Informationen über die frühe menschliche Ausbreitung in Mitteleuropa.

Dank der neuen Datierungen wollen die Forscher nun besser erforschen, wie sich Menschen in der Region damals an die Wechsel von Kalt- und Warmzeiten anpassten.

Mehr Eiszeit und frühe Menschen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2018, 16:11 Uhr