Das Flussbett der Elbe in madgeburg liegt weitgehend trocken.
Elbufer am trockengelegten Domfelsen in Magdeburg am 24. Juli. Bildrechte: Michael Beyer, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Rekordsommer Elbe-Niedrigwasser: Für Fische kann es gefährlich werden

Nach monatelanger Trockenheit und Hitze ist die Elbe an der Magdeburger Strombrücke gerade noch 55 Zentimeter tief. Forscher untersuchen, welche Folgen das für Ökologie und Wasserqualität hat.

Das Flussbett der Elbe in madgeburg liegt weitgehend trocken.
Elbufer am trockengelegten Domfelsen in Magdeburg am 24. Juli. Bildrechte: Michael Beyer, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Wenn Sie momentan an der Magdeburger Strombrücke jemanden sehen, der etwas Wasser aus der Elbe fischt, dann beobachten Sie wahrscheinlich einen Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums bei der Arbeit. Die Forscher untersuchen im Rahmen eines Sondermessprogramms, wie sich das Niedrigwasser auf die Wasserqualität auswirkt. Beteiligt sind an der Untersuchung alle Länder, durch die die Elbe fließt, erklärt Professor Dietrich Borchardt vom Umweltforschungszentrum in Magdeburg. "Das Messprogramm wird ausgelöst, wenn die Elbe entweder extremes Niedrigwasser hat oder auch bei Hochwasser."

Für Fische kann es gefährlich werden

Denn die Hitze hat Folgen für das, was vom Fluss noch übrig ist. Die Forscher messen insgesamt rund 60 Parameter, darunter etwa die Wassertemperatur, den pH-Wert oder Schwermetalle. Problematisch für die Elbe ist auch der hohe Nährstoffgehalt, der in Kombination mit der Erwärmung des Wassers zu einem starken Algenwachstum führt, erläutert Borchardt. Diese sogenannte Eutrophierung habe wiederum Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt im Wasser. "Das ist eine starke Belastung, die dazu führen kann, dass der Sauerstoff im Fluss so knapp wird, dass es für Fische gefährlich werden kann."

Neben diesen direkten Folgen des Niedrigwassers wollen die Forscher aber auch mehr über die Langzeitfolgen solcher Extremereignisse herausfinden. Dafür entwickelt die Helmholtz-Gemeinschaft das Beobachtungssystem MOSES. Einen Teil des Systems – Multiparameter-Sonden, die an den Bojen der zwei Fähren in Westerhüsen und in Werben angebracht sind – benutzen die Magdeburger Forscher derzeit schon. Jede Woche liefern die Sonden zahlreiche Messdaten.

Doch MOSES bekommt in den kommenden Jahren noch mehr Komponenten, um etwa auch in der Atmosphäre oder im Boden Messungen durchführen zu können - es ist dadurch ein mobiler Werkzeugkasten, um die Langzeitfolgen von Extremereignissen wie Hitzeperioden oder Starkregen zu untersuchen.

Viele der nachteiligen Wirkungen machen sich erst mit sehr großem zeitlichem Abstand und häufig auch in ganz anderen Teilen des Flusseinzugsgebietes bemerkbar. Und diese Wirkungsketten von solchen Extremereignissen aufzuklären, ist gerade ein sehr gewichtiges Thema in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Professor Dietrich Borchardt Umweltforschungszentrum Magdeburg

Wichtige Erkenntnisse über Klimawandel-Folgen

Ziel des MOSES-Projekts ist es, transportable Messtechnik zu haben, mit der man schnell und mobil unterwegs sein kann, erklärt Projektmanagerin Ute Weber. Wichtig sei diese Forschung vor allem, weil wir uns auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten müssen: "Wenn wir davon ausgehen – und das sollten wir vernünftigerweise tun –, dass wir in Zukunft auch in Deutschland häufiger Dürre- oder Hitzeperioden mit einzelnen Starkregen-Ereignissen haben, dann sollten wir wissen, was während der kurzen, hoch dynamischen Phasen passiert.“

Und dabei, das herauszufinden, helfen die Hightech-Zylinder, die derzeit bei Magdeburg in der Elbe schwimmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juli 2018 | 19:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 15:47 Uhr