Von Bad Schandau nach Hamburg Für die Forschung: Amateursportler durchschwimmen die Elbe

Ganz schön sportlich: Von Samstag an wollen Amateursportler binnen zweieinhalb Wochen von Bad Schandau nach Hamburg geschwommen sein. In ihrem Schlepptau untersuchen Wissenschaftler die Qualität der Elbe.

Es geht nicht nur um Badequalitäten: Ab kommendem Samstag will eine Staffel bestehend aus einigen hundert Amateursportlern den deutschen Teil der Elbe durchschwimmen. Die vom Bundesforschungsministerium organisierte Aktion wird von Rettungsschwimmern und Reportern begleitet und ist Teil des Wissenschaftsjahres 2016/17 "Meere und Ozeane". Daher sind auch Wissenschaftler an Bord.

Unter dem Motto "Das Meer beginnt hier" kraulen die Schwimmer nacheinander von der deutsch-tschechischen Grenze bis vor die Tore Hamburgs. Nach jeweils zwei bis vier Kilometern übergeben sie das Staffelholz an den nächsten Sportler, bis alle 575 Kilometer von Bad Schandau bis Geesthacht zurückgelegt sind. Die Forscher wollen derweil untersuchen, wie sich der einstmals völlig vergiftete Fluss entwickelt hat.

Dabei konzentrieren sich die Wissenschaftler von der TU Dresden, der TU Berlin und vom Karlsruher Institut für Technologie auf drei Themenbereiche:

  • Sie untersuchen die Wasserqualität und wollen anhand des Vorkommens von Algen und Blaualgen feststellen, inwiefern aus der Landwirtschaft zu viel Dünger und Nährstoffe in den Fluss gelungen.
  • Sie messen das Vorkommen von Mikroplastik, also kleinsten Teilchen von Kunststoffen, die über die Elbe ins Meer gelangen und dort von vielen Tieren mit Nahrung verwechselt werden.
  • Sie überprüfen, inwiefern Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor Hochwasser in Einklang gebracht werden können mit der Umgestaltung des Flusses zu einem naturnahen Gewässer.

Dass überhaupt Menschen heute wieder in der Elbe baden können, ist keine Selbstverständlichkeit. Im November 1989 nannte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Elbe eine "Kloake" und sprach von "Giftsuppe aus dem Osten". Die Chemiekombinate in der DDR leiteten giftige Abwässer in den Strom und seine Zuflüsse. Zehntausende Tonnen Abfall mit Stoffen wie Cyaniden und Nitraten, Ölen und gefährlichen Chlorkohlenwasserstoffen wurden so auf die Reise geschickt. Im Zuge der friedlichen Revolution kamen geheim gehaltene Messungen ans Licht, demnach die damaligen EG-Grenzwerte beim Cadmium um das 90-fache, beim Quecksilber sogar um das 250-fache überschritten worden waren.

Inzwischen hat sich die Natur in mancher Hinsicht erholt. In langen Abschnitten sind seltene Fischarten und Wasservögel wieder heimisch. Gebiete wie das Areal rund um die Mündung der Schwarzen Elster stehen unter hohem Schutz. Dennoch sind viele Ziele längst noch nicht erreicht.

Wenn wir den gesamten ökologischen Zustand des Systems Elbe anschauen, wird er immer noch nicht als gut bewertet, sondern in weiten Teilen als mäßig und unbefriedigend.

Markus Weitere, Gewässerökologe, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Magdeburg

Eines der Hauptprobleme: Landwirte bringen auf ihren Feldern immer noch viel zu viel Dünger aus. Durch Regen werden Nährstoffe, Nitrate und Phosphate ausgespült und landen im Fluss, wo sie ein überreiches Nahrungsangebot für Algen und Bakterien bilden und die Mikroorganismen zu starker Vermehrung anregen. Aus menschlichen Toiletten wiederum gelangen Arzneirückstände in die Elbe, denn die Medikamente können in Kläranlagen oft nicht vollständig aus dem Abwasser gefiltert werden.

Auch das giftige Erbe der DDR ist nicht völlig verschwunden. Schwermetalle wie Cadmium und Quecksilber haben sich an vielen Orten abgelagert und werden teilweise mit Hochwasser wieder aufgewirbelt. Der Ökotoxikologin Susanne Heise von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg wäre deshalb eine Prioritätenliste wichtig: Wo ist es ökologisch sinnvoll, Altlasten vom Grund zu baggern? Solche Verfahren sind teuer. "Mit Verbesserungen bei den Sedimenten könnte die Elbe aber noch einmal einen Sprung nach vorn machen", argumentiert die Forscherin.

Weitere Erkenntnisse, wo Verbesserungen bei der Gewässerqualität der Elbe besonders wichtig wären, wollen die Wissenschaftler während des Elbeschwimmens gewinnen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN: im Radio | 24.06.2017 | 10:00 Uhr

Mehr zum Thema