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Forschung in SachsenWird Extremwetter vorhersagbar?

Stand: 04. August 2020, 10:02 Uhr

Was wäre, wenn man Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen punktgenau vorhersagen könnte? Forscher des Helmholtz-Institutes sammeln dafür im sächsischen Müglitztal Daten über Wetterextreme.

Stürme, Starkregen und Hochwasser sind statistisch häufiger als früher. Könnte man Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen exakt vorhersagen, sähe manche Schadensbilanz nach solchen Naturereignissen anders aus. Verschiedene Forschungsteams des Helmholtz-Zentrums gehen den Wassermassen und ihren Folgen im interdisziplinären Projekt MOSES auf den Grund.

In Sachsen forschen sie im Müglitztal, das dank seiner topographischen Eigenschaften aus Forschersicht regelrecht prädestiniert ist für derartige Untersuchungen. Und schließlich auch, weil man beispielsweise schon 2002 exemplarisch sehen konnte, wie sich Starkregen auswirken kann: Der kleine Fluss Müglitz verwandelte sich binnen kürzester Zeit in einen reißenden Strom, der Häuser und Straßen zerstörte.

Rückblick Müglitztal 2002

Bildrechte: imago/STAR-MEDIA | imago/Kai Horstmann

Forschung mit Hindernissen

Die Helmholtz-Forschungen untersuchen seit 2017 im Projekt "MOSES" verschiedene Wetterextreme: Was machen Hochwasser, Starkregen, Überschwemmungen mit dem Boden? Warum entstehen aus gleichen Hochwassermengen auf manchen Flächen Hochwasser und auf anderen aber nicht?

Dazu werden die Daten von Wind, Boden, Temperatur und Wasser akribisch aufgenommen – im optimalen Fall vor und nach dem Wetterereignis. Allerdings ist das mit dem "Vorher" so eine Sache – beispielsweise kamen Anfang Mai die Forscherteams aus Karlsruhe, Jülich und Potsdam wegen eines angekündigten Starkregen-Ereignisses ins Tal - dann aber trafen nur Unwetter-Ausläufer die Region.

Regenmessung mit Laserstrahl

Hydrologe Marvin Reich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gemessen wurde trotzdem, die Art der Regentropfen, Winddaten, Bodenmasse. Auskünfte liefern die Messgeräte, die sie dafür entlang der Müglitz in der Nähe von Glashütte postiert haben.

So lässt sich beispielsweise die Größe der Regentropfen mit einem Distrometer ermitteln, zwei längliche silberne Geräte, die optisch an Zeitungsbriefkästen an Einfamilienhäusern erinnern: Fallen Regentropfen zwischen die beiden Kästen, unterbrechen sie einen Laserstrahl. So lässt sich feststellen, wie stark oder schwach ein Regenguss war. Die Bodenmasse wird mit einem Gravimeter untersucht. Hydrologe Marvin Reich vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) erklärt im Gespräch mit dem MDR, warum sich die Bodenmasse je nach Regenform verändert:

Starkregen dringt nämlich oft nicht so gut in den Boden ein, wie ein Nieselregen, der längere Zeit andauert. Lang anhaltender Nieselregen bringt mehr Eintrag in den Boden als starker Regen, der oberflächlich abfließt, sagt Marvin Reich:

Man möchte komplett verstehen: kann ich alles Wasser, was vom Himmel gefallen ist, auch im Boden wiederfinden oder wo ist es hin? Und wenn ja, warum hat es sich irgendwo konzentriert und irgendwo anders vielleicht nicht?

Marvin Reich, Hydrologe, GFZ

Stück für Stück rücken die Forscher so den Wetterextremen auf die Pelle. Ein Geduldspiel, denn noch lassen sich ja weder Gewitter noch Niederschläge auf den Meter genau vorhersagen. Die Messreihe im Müglitztal läuft bis Mitte Juli 2019.

Blick auf die Helmholtz-Forschungsstation bei Glashütte Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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