Berliner Exemplar des Urvogels (Archaeopteryx lithographica), das am besten erhaltene Exemplar weltweit, im Museum für Naturkunde.
Bildrechte: imago/McPHOTO

Denkste! Archaeopteryx-Feder gehörte anderem Raubsaurier

Der Archaeopteryx gilt als Urvogel. Gelebt haben soll er vor 150 Millionen Jahren. Das Erste, was man von ihm fand, war eine Feder. Wissenschaftler haben jetzt allerdings herausgefunden: Die Feder ist gar nicht vom Archaeopteryx.

von Karolin Dörner

Berliner Exemplar des Urvogels (Archaeopteryx lithographica), das am besten erhaltene Exemplar weltweit, im Museum für Naturkunde.
Bildrechte: imago/McPHOTO

Die Geschichte des Archaeopteryx beginnt mit einer Feder. Eine Feder, eingebettet in 150 Million Jahre altes Gestein. Entdeckt wurde sie im 19. Jahrhundert von einem Arbeiter in Mittelfranken, in der Gegend von Solnhofen. Eine Sensation! Man hatte das Tier gefunden, was den Übergang vom Saurier zum Vogel markiert. Daniela Schwarz vom Naturkundemuseum in Berlin zufolge beruht auf dieser Feder die erste Artbeschreibung des Archeoteryx, der seinen Namen genau deshalb bekam: Zunächst wurde die Archeopteryx genannt, was zu deutsch nichts anders heißt als "Alte Feder". Erst später, so Daniela Schwarz weiter, als die die ersten Fossilien von Archaeopteryx kamen, hat man die dann miteinander in Verbindung gebracht."

Wie kam es zu der Feder-Verwechslung?

Wie kann man sich das vorstellen? Man hat zwei Steinplatten: Auf der einen sieht man den gesamten Urvogel. Er ist so große wie eine Taube, sieht aus wie ein Reptil, hat aber Flügel und Federn. Auf der zweiten Steinplatte hat man eine einzige Feder.

Ein Abdruck einer Feder eines Urvogels.
Die erste Feder, die 1861 gefunden und fälschlich dem Archeopteryx zugerechnet wurde. Der Abdruck ist im Berliner Naturkundemuseum zu sehen. Bildrechte: Naturkundemuseum Berlin

Jetzt könnte man einfach vergleichen: Findet man die einzelne Feder auch auf der Steinplatte des ganzen Tieres? Das Problem: Die einzelne Feder ist unvollständig, der Federkiel nicht mehr sichtbar. Also weiß man nicht, wie lang die Feder war und welche Form sie eigentlich hatte. Der Federkiel muss also sichtbar gemacht werden. Das hat jetzt ein Forscherteam geschafft, mit einer neuen Lasertechnik. Mit dabei, auch Daniela Schwarz vom Naturkundemuseum Berlin, die nun endlich die Federn vergleichen konnte:

Da hat man gesehen, dass das nicht richtig zusammenpasst. Die Schwungfedern sind bei Archaeopteryx länger und haben von der Gestalt des Federkiels eine andere Schwingung, sind insgesamt gerader. Es passte nicht so genau dazu.

Daniela Schwarz

Also: Der erste Fund des Archaeopteryx ist gar nicht der Archaeopteryx. Die Wissenschaftler halten es für wahrscheinlicher, dass in Franken noch andere kleine gefiederte Raubsaurier gelebt haben. Dinosaurier mit Federn waren schließlich keine Seltenheit, wie man heute weiß: Daniela Schwarz zufolge sind inzwischen etliche Dinosaurierfossilien mit Federn bekannt und bei einem Großteil an Raubsauriern sei davon auszugehen, dass sie ein Federkleid hatten. Zwar nicht so dicht, wie wir das heute von Vögeln kennen. Und fliegen konnten sie auch nicht. Das konnte schließlich erst der Archaeopteryx. Aber dem alten Bild vom Dinosaurier mit Schuppenpanzer muss man heute hier und da ein paar bunte Federn hinzufügen.

Ein Vogelskelett in einem Museum.
Modell-Skelett von Urvogel Archaeopteryx im Bürgermeister-Müller-Museum, Solnhofen. Bildrechte: imago/imagebroker

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 05. Februar 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 17:40 Uhr

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