Rinderherde auf Feldweg.
Rinder haben einen großen Anteil am Klimawandel. Bildrechte: imago/imagebroker

Klimawandel Wie Fleischkonsum zur Erdüberhitzung beiträgt

Geht es um den Klimawandel, denken die meisten an Flugzeuge, Autos und die rauchenden Schlote der Industrie. Doch auch das Steak auf dem Teller trägt zur Erhitzung der Atmosphäre bei.

von Clemens Haug

Rinderherde auf Feldweg.
Rinder haben einen großen Anteil am Klimawandel. Bildrechte: imago/imagebroker

Im Berliner Bundestag verhandeln die Parteien derzeit über die Bildung einer neuen Regierung. Die Zeichen stehen auf Jamaika, also einer Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen. Für die Ökopartei steht der Kampf gegen den Klimawandel im Vordergrund. Könnten sich ihre Forderungen auf unsere Ernährung auswirken? Im Wahlkampf vor vier Jahren hatten sie vorgeschlagen, in öffentlichen Kantinen einen Veggieday einzuführen. An einem Tag der Woche sollte nur Essen ohne Fleisch angeboten werden. Die Forderung löste damals öffentliche Entrüstung aus.

Rinder besonders klimaschädlich

Tatsächlich gefährden Menschen, die zu viel Fleisch essen, nicht nur ihre Gesundheit. Die Produktion von Fleisch trägt auch kräftig zur Erderwärmung bei. Wie die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zeigt, stammen 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Der Anteil war höher, als der des weltweiten Verkehrs. Im aktuellen Bundestagswahlprogramm stellen die Grünen fest: "Auch aus Klimaschutzgründen ist der Rückgang des Konsums tierischer Lebensmittel eine gute Entwicklung."

Am heftigsten tragen laut FAO Rinder zum Ausstoß von Klimagasen durch Viehhaltung bei. In Ihrer Verdauung entsteht Methan, das 25 Mal stärker wirkt als CO2. Sie sind für etwa 65 Prozent aller Emissionen verantwortlich. Schweine dagegen tragen nur neun Prozent bei, bei Geflügel sind es sogar nur acht Prozent.

Nur ein Teil der Emissionen stammt aus der Tierhaltung

Rinderherde in Talek in Kenia
Große Rinderherden wie hier in Westafrika produzieren meist viel Methan. Bildrechte: IMAGO

Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich, betrachtet man, wie viel Kilogramm CO2 für die Produktion von einem Kilogramm tierischem Eiweiß nötig sind. Bei einem Kilogramm Protein aus Rindfleisch fallen demnach über 300 Kilogramm CO2 an. Bei anderen Wiederkäufern wie Schafen sind es im Schnitt zwischen 165 und 112 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Protein. Etwas besser ist das Verhältnis bei Kuhmilch, dort sind es nur rund 80 Kilogramm CO2. Noch günstiger ist das Verhältnis beim Schweinefleisch, dort entfallen auf ein Kilogramm tierisches Eiweiß etwa 50 Kilogramm CO2. Hühner liegen knapp darunter. Am besten ist das Verhältnis bei Hühnereiern, dort werden pro Kilogrammm Protein nur etwa 35 Kilogramm CO2 freigesetzt.

Es ist aber nicht die reine Ernährung und Haltung der Tiere allein, bei der Klimagase entstehen. Auch die Lagerung von Gülle, die Produktion von Futtermittel, sowie die Abholzung von Wäldern zur Schaffung weiterer Weideflächen oder für den Anbau von Futterpflanzen trägt zur schlechten Ökobilanz der Fleischproduktion bei. Laut Statistik der OECD stagniert die Nachfrage nach Fleisch aber auf hohem Niveau.

Fleischkonsum in Deutschland auf hohem Niveau

In der Industrienation Deutschland hat die Landwirtschaft einen geringeren Anteil an den Klimaemissionen. Laut dem Umweltbundesamt lagen sie 2015 bei etwa 7,5 Prozent. Mit fast 60 Prozent hatten Energieerzeugung, Industrie und Gewerbe einen erheblich größeren Anteil am Ausstoß. Allerdings spiegeln diese Zahlen nur die Erzeugerseite wieder.

Nicht wenig Fleisch wird aber importiert, etwa aus den Rindfleischländern Südamerikas. Der Konsum der Deutschen verharrt mit etwa 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf hohem Niveau, wie ein Sprecher des Umweltbundesamtes in Dessau auf Anfrage erklärt. "Nachdem die Kohlendioxid-Emissionen pro Kopf durch Ernährung von 2000 bis 2007 gesunken sind, liegen sie 2013 sogar über dem Niveau von 2000", zitiert er einen Bericht des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie.

Verzicht ist nicht die einzige Antwort

Die negativen Reaktionen auf den Vorschlag eines Veggiedays vor vier Jahren haben die Grünen dieses Mal offenbar dazu bewogen, andere Schwerpunkte zu setzen. In ihrem Wahlprogramm fordern sie vor allem den Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kohle. Daneben soll Aufklärung zu einer Änderung der Konsumgewohnheiten führen. Solche "Ernährungsbildung" will auch die CSU fördern, stellt aber zugleich klar: "Wir schreiben niemandem vor, was er essen darf." CDU- und FDP-Wahlprogramme schweigen zum Thema Ernährung.

Doch auch jenseits vom (zeitweisen) Verzicht auf Fleisch gibt es Möglichkeiten, den Ausstoß von Klimagasen durch Viehhaltung zu reduzieren. Für Südasien etwa sieht die FAO Einsparmöglichkeiten von bis zu 38 Prozent durch verbesserte Praktiken bei der Fütterung der Tiere. Ein Betrieb in Indien macht bereits vor, dass man die Methanproduktion der Kühe durch besseres Futtermittel erheblich senken kann. Auch in Südamerika und Südafrika könnten die Klimagase durch Verbesserungen bei der Haltung deutlich gesenkt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR-Fernsehen auch bei: Lexi-TV | 29.03.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2017, 11:00 Uhr