Umweltforschungszentrum Leipzig Pilzbefall: Forscher fordern Handelsverbot für Amphibien

Weltweit sterben Amphibien wie Frösche oder Salamander am Bd-Pilz. Ein internationales Forscherteam mit Leipziger Beteiligung zeigt: Der Pilz kam aus Asien. Sie fordern ein Handelsverbot für Amphibien.

Ein Laubfrosch sitzt auf einer Hand
Kleiner Laubfrosch in großer Gefahr: Weltweit bedroht der Bd-Pilz Amphibien. Forscher fordern einen Stopp des Handels mit Tieren, um die Gefahr einzudämmen. Bildrechte: IMAGO

Die Lage ist ziemlich dramatisch: Seit einigen Jahren schrumpfen überall auf der Welt viele Bestände von Fröschen, Salamandern oder anderen Amphibien. Nach Angaben der Weltnaturschutzorganistaion IUC sind rund die Hälfte der Amphibien bedroht. Eine Ursache dafür ist die tödliche Variante des Pilzes Batrachochytrium dendrobatidis (Bd-Pilz). Der Krankheitserreger infiziert die Haut der Tiere, macht ihnen das Atmen schwer und bringt ihren Stoffwechsel durcheinander. Wahrscheinlich hat er bereits ganze Arten ausgerottet, vermuten Umweltforscher.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat nun durch genetische Untersuchungen herausgefunden, dass die tödliche Variante des Bd-Pilzes aus Asien stammt und dort vor 50 bis 120 Jahren entstanden ist. Die Forscher vermuten, dass sich der Erreger vor allem durch den Handel mit Tieren weltweit verbreitet hat. Deshalb fordern sie ein rasches Verbot des Amphibienhandels.

Die Gruppe, zu der auch Dirk Schmeller und Adeline Loyau vom Helmholtzzentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) gehörten, veröffentlichte ihre Ergebnisse im renommierten Fachmagazin Science.

Feuersalamander
Feuersalamander gibt es online schon ab 20 Euro. Wenn es nach den Forschern geht, soll der Handel verboten werden, um den Pilz nicht wieter zu verbreiten. Bildrechte: imago/imagebroker

Tödliche Variante entstand aus Vermischung

Entdeckt wurde der Bd-Pilz bereits 1998, bislang konnten die Forscher aber nur vermuten, woher er kam und wie er sich verbreitete. Der Erreger ist sehr schwierig aus Tieren zu isolieren, die er getötet hat. Oft waren die Proben mit Bakterien verunreinigt. Für die neue Studie nutzten die Forscher 177 Isolate. Die Leipziger Biologen steuerten dabei Material aus Taiwan, Frankreich und Südamerika bei. Auf diese Weise entstand eine umfangreiche Datensammlung, die schließlich eine detaillierte Analyse des Stammbaums der Pilze zuließ.

Die Forscher entdeckten, dass die tödliche Linie des Bd-Pilzes ein Hybrid aus anderen Varianten ist. Solche Misch-Erreger könnten sich oft an neue Bedingungen anpassen und neue Infektions-Eigenschaften entwickeln. Dadurch können sich auch besonders gefährliche Varianten entwickeln. Die tödliche Version des Bd-Pilz hat bisher offenbar mehr als 500 verschiedene Amphibien-Arten infiziert.

Handel gefährdet Erholung

Es gibt aber auch Anzeichen, dass sich erste Spezies bereits an den Pilz angepasst haben. In Panama gebe es einige Amphibienarten, die nicht mehr so anfällig seien, deren Bestände sich wieder erholten. Weiterer Handel berge aber das Risiko, dass sich durch Vermischung verschiedener Stämme der Pilze neue Varianten entwickeln, die diese Resistenzen wieder umgehen. Der Austausch der Tiere müsse daher beendet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lexi TV | 16. Mai 2013 | 15:00 Uhr