Der Supermond spiegelt sich hinter einem Dom im Fluss.
Ein Riesenmond (wie in unserer Montage) sähe zwar fantastisch aus, würde aber heftig an der Erde ziehen und gigantische Gezeiten produzieren. Bildrechte: Collage: Gerald Perschke / MDR

Planetengeschichte Früher war mehr Mond

Der Januar 2018 ist für den Mond ein ganz besonderer Monat. Zwei Vollmonde in Supergröße und der zweite am 31. Januar verbunden mit einer totalen Mondfinsternis, die zumindest in Alaska, Sibirien oder Australien zu sehen ist. Klingt spektakulär. Allerdings ist das, was wir heute sehen pillepalle im Vergleich zu dem, was der Mond früher für eine Show abgeliefert haben muss.

von Karsten Möbius

Der Supermond spiegelt sich hinter einem Dom im Fluss.
Ein Riesenmond (wie in unserer Montage) sähe zwar fantastisch aus, würde aber heftig an der Erde ziehen und gigantische Gezeiten produzieren. Bildrechte: Collage: Gerald Perschke / MDR

Der Anblick muss gigantisch gewesen sein. Kurz nach seiner Geburt zog der Mond seine Bahnen um die Erde in einer Entfernung von nur etwa 200.000 Kilometern. Das ist etwa die Hälfte seiner jetzigen Entfernung.  Damit hätte der Mond damals viel, viel größer ausgesehen als heute sagt Planetenforscher Ralf Jaumann.

Vielleicht ganz am Anfang, vor 4,2 Milliarden Jahren, da war er vielleicht drei Mal so groß. Das ist dann schon ein gewaltiges Schauspiel.

Ralf Jaumann, Planetengeologe, DLR

Der Mond sah nicht nur viel größer aus, er muss auch sehr viel schneller unterwegs gewesen sein als unser heutiger Begleiter, der im Vergleich zur Erde mit etwa 3.600 Stundenkilometern um uns herumfliegt. Diesem gewaltigen Anblick ist sehr wahrscheinlich ein gigantisches Feuerwerk vorausgegangen. Denn heute nehmen Wissenschaftler an, dass die Erde mit einem anderen Planeten zusammengestoßen ist, dabei flüssiges Gestein aus der Erde abgesprengt und in den Orbit geschleudert wurde und sich daraus der Mond gebildet hat.

Und die Idee dahinter ist, dass es etwa zehn Millionen Jahre dauerte, bis sich dann nach dem Zusammenstoß aus dieser Wolke der Mond gebildet hat, der offensichtlich noch viel näher an der Erde war.

Ralf Jaumann

Aber woher wissen die Wissenschaftler, dass der Mond früher der Erde viel näher war. Ganz einfach sagt Ralf Jaumann. Wir bemerken, dass sich der Mond langsam aber sicher immer weiter von der Erde weg bewegt. Und zwar 3,8 Zentimeter pro Jahr, so Jaumann. Und wenn man diese Geschwindigkeit zugrunde legt, bekommt man heraus, dass der Mond vor vier Mrd. Jahren etwa 150.000 Kilometer näher an der Erde war. Was müssen das damals für Gezeiten gewesen sein, als der extrem nahe Erdtrabant die Meere mit seiner Gravitation viel intensiver beeinflusst hat. Hunderte Kilometer muss das Wasser hin und her geflossen sein, schätzt Raf Jaumann:

Und wenn wir mal annehmen, dass das früher ein größerer Bereich war, weil die Gezeiten größer waren, weil das Wasser viel viel weiter ins Land hinein befördert wurde, dann kann man schon sagen, dass das der Entstehung und der Entwicklung des Lebens sehr förderlich war.

Ralf Jaumann

Und der Mond hatte noch einen weiteren interessanten Effekt: Er stabilisierte die Erdachse. Diese Stabilisierung bewirkt, dass der Südpol im Süden bleibt und der Nordpol im Norden. Selbst die riesige Sonne und der große Jupiter schaffen es nicht, die Erdachse zu verschieben oder zu kippen, freut sich Jaumann.

Weil der Mond als äußeres Anhängsel immer dagegen wirkt. Beim Mars ist das anders. Der Mars hat keinen Mond und da sieht man, dass die Achse schon kippen kann. Das würde heißen, dass die ganzen Pole abschmelzen und der ganze Äquator zufriert.

Ralf Jaumann

Planetenforscher versuchen deshalb herauszufinden, welche Rolle dem Mond bei der Entstehung des Lebens zukommt und nicht nur wegen der Gezeiten, sondern ob Monde überhaupt erst Voraussetzung für Leben auch auf anderen Planten sind. Im Fall unseres Begleiters können sich die Wissenschaftler dafür noch Zeit lassen. Denn obwohl sich unser Begleiter langsam immer weiter aus dem Staub macht -  3,8 Zentimeter Jahr oder umgerechnet etwa 1/10 Millimeter pro Nacht – würde er in den nächsten vier Milliarden Jahre nur weitere 150.0000 Kilometer ins All hinaustreiben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Januar 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2018, 14:41 Uhr