Fossilienfund Streit um die ältesten Lebewesen der Welt

In Kanada wurden Fossilien gefunden, die auf ein Leben vor rund vier Milliarden Jahren hindeuten, also kurz nach der Entstehung der Erde - die ist 4,5 Milliarden Jahre alt. Das ist bemerkenswert, weil sie damit rund 300 Millionen Jahre älter wären, als die bis dato ältesten nachgewiesenen Lebewesen. Muss jetzt die Geschichte des Lebens auf der Erde neu geschrieben werden? Karolin Dörner hat nachgeforscht.

Die blutroten Röhren und Fasern sind grade mal halb so breit wie ein menschliches Haar und bis zu einem halben Millimeter lang. Die Mikrofossilien aus dem kanadischen Quebec sollen der älteste Beweis für Leben auf unserem Planeten sein. Entdeckt wurden sie in heißen Quellen. Dort befindet sich Gestein, das um die vier Milliarden Jahre alt ist. Das internationale Forscherteam vom University College London, das seine Ergebnisse im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht hat, geht davon aus, dass die Fossilien daher genauso alt sind. Bill Martin Professor für Molekulare Evolution in Düsseldorf findet das fraglich.

Zwei Probleme gibt es mit der neuen Arbeit. A – sie wissen nicht genau wie alt diese Hydrothermalquellen sind, vielleicht 3,7 Milliarden Jahre, vielleicht 4,2. Das ist wirklich ein großer Spielraum. Und b – es gibt überhaupt keine klare Evidenz, dass die Strukturen, die hier so gefeiert werden, wirklich biologischen Ursprungs sind.

Bill Martin, Professor für Molekulare Evolution

Dass es sich bei den Mikrofossilien um Lebewesen - in diesem Fall Mikroben - handelt, hätten die Forscher nicht ausreichend bewiesen. Es gäbe ganz viele Steine auf diesem Planeten, viele sähen so aus wie Mikroben, seien es aber nicht, sagt Bill Martin.

Nicht alles was wie eine Zelle aussieht, ist dann auch eine Zelle gewesen.

Bill Martin

Dem Molekularbiologen fehlen Rückstände von so genannten Kohlenstoffen-Isotopen, die beweisen, dass es sich um Lebewesen handelt. Aber immerhin: Ein Ergebnis können die Forscher verzeichnen, stimmt auch Bill Martin zu: "Ich würde nicht anzweifeln, dass die Kollegen sehr alte Hydrothermalquellen gefunden haben. Das wäre ganz spannend. Ich bin auch der Meinung, dass Leben möglicherweise in Hydrothermalquellen entstanden ist. Und dass die ersten Zellen in Hydrothermalquellen gelebt haben.“

Es sind möglicherweise die ältesten fossilen Hydrothermalquellen, die man überhaupt kennt.

Bill Martin

Der Fund der Mikrofossilien würde genau in den Stand der aktuellen Forschung passen. Er könnte beweisen, dass Leben tatsächlich in heißen Quellen entstanden ist. Doch die Geschichte muss nicht umgeschrieben werden. Der älteste Fund bleibt weiterhin der aus Grönland: Mit Mikroorganismen, die 3,7 Milliarden Jahre alt sind. Übrigens eindeutig bewiesen anhand von Kohlenstoff-Isotopen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 04.03.2017 | 07:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 14:08 Uhr