EU-Vergleich Gewässer in Deutschland ökologisch schlecht

Was haben Mulde, Elster, Elbe & Co mit der EU zu tun? Und sagt die ökologische Qualität eines Gewässers auch etwas über die Qualität als Badegewässer? Und wie steht es um die EU-Gewässer überhaupt?

Ein Strand am Badesee bei der Talsperre Bautzen.
Bildrechte: IMAGO

In der im Jahr 2.000 beschlossenen Richtlinie für das europäische Wassermanagement heißt es: "Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss." Die Richtlinie zielte darauf, die Süßwasserressourcen des Kontinents nachhaltig zu bewirtschaften und zu schützen. Die jüngste Erhebung der Europäischen Umweltagentur, kurz EEA, zur Gewässerqualität in der EU, zeigt, wie es 2018 um das Süßwassermanagement Europas steht. Sie kommt dabei zu dem Schluss, dass sich Deutschland - salopp gesagt - nicht mit Ruhm bekleckert. Allerdings schlagen sich EU-weit alle Länder mit ähnlichen Problemen herum - die einen besser, die anderen schlechter. In Deutschland wurden demnach nur 8,4 Prozent der Oberflächengewässer bei ökologischen Kriterien mit gut oder sehr gut bewertet, aus chemischer Hinsicht dagegen alle schlecht. Das ist im Rest der EU anders, immerhin ist in rund 40,6 Prozent der Gewässern der Zustand laut EEA gut. Plankton, Algen und kleine Tiere sind Indikatoren zur Bewertung für den ökologischen Zustand eines Gewässers.

Grenzenübergreifend: Problem Quecksilber

Nicht nur in Deutschland, in den meisten Ländern ist Verschmutzung durch Quecksilber laut EEA ein Problem. Wie kommt das Quecksilber in die Gewässer? Mögliche "Quelle" sind die Kohleverbrennung und Kohlekraftwerke, wie Beatrice Claus, WWF-Referentin für Fluss- und Wasserpolitik, erklärt: "Über die Luft wird der Schadstoff verteilt, gelangt in die Gewässer und letztlich auch auf unseren Speiseteller." Für den Bericht waren die Gewässer auf rund 30 chemische Stoffe untersucht worden, neben Quecksilber auch auf Nickel, Blei und Pestizide. Besonders belastet sind deutsche Gewässer Claus zufolge durch Nitrat, das überwiegend aus der Landwirtschaft stammt. Deswegen ist Deutschland gerade erst vom Europäischen Gerichtshof verurteilt worden. Nach Ansicht des WWF verfehlt Deutschland klar die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Naturschutz-Vorstand Christoph Heinrich wirft der Politik vor, es fehle der Wille, das Wasser zu schützen.

Was beeinflusst den Gewässerzustand?

Ungeachtet von Ländergrenzen sind alle Arten von Gewässern dauerhaft von verschiedensten Faktoren beeinflusst - sei es durch Trockenperioden oder starken Zufluss durch Wetterextreme wie Hochwasser, durch chemische Verunreinigungen aus brachliegenden Industrieruinen oder aus Nitraten und Pestiziden in der Landwirtschaft, die ebenfalls ins Wasser gelangen - egal ob ins Grundwasser oder einen anderen Wasserkörper. Immer da, wo das Wasser Fremdeinflüssen ausgesetzt ist, verändern sich auch die Habitate im Wasser und somit die Wasserstruktur.

Dürfen wir baden gehen?

Der ökologische Zustand eines Gewässers beschreibt übrigens nicht dessen Qualität als Badegewässer: "Nitratbelastung ist per se nicht für den Menschen schädlich, erst dann, wenn sich Keime bilden", erklärt WWF-Referentin Beatrice Claus. Denn die EU-Umweltagentur hatte erst vor wenigen Wochen alle Badeseen überprüft und 98 Prozent in Deutschland für badetauglich erklärt.

Füße auf einer Luftmatratze
Bildrechte: colourbox

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Mai 2018 | 12:30 Uhr