Ein Traktor versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Feld.
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Test an Würmern Glyphosat: Giftig aber nicht krebserregend

Erneut hat die EU-Kommission eine Entscheidung über Glyphosat vertagt. Unklar ist immer noch, ob das Herbizid krebserregend ist oder nicht. Ein Forscher aus Halle hat geguckt: Was macht Glyphosat eigentlich im Körper.

Ein Traktor versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Feld.
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Wim Wätjen, Professor für Biofunktionalität sekundärer Pflanzenstoffe der Uni Halle
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Wissenschaftliche Neugier war es wohl, die den Ernährungswissenschaftler Wim Wätjen von der Uni Halle angetrieben hat. Dabei ging es ihm weniger um die Frage, ob Glyphosat nun Krebs erzeugt, sondern wie?

Diesen Mechanismus hat die Wissenschaft noch nicht aufgeklärt. Um nämlich Krebs zu erzeugen, müsste Glyphosat die DNA angreifen, die dann mutiert und die Zelle zum Wuchern bringt.

Es geht um Kleinstmengen, die in der Nahrung vorhanden sind, die wir aufnehmen, die überall gefunden werden, ob die – mit unserer DNA – etwas machen, was nachher Krebs auslöst. Das ist ein bisschen schwierig, weil das Glyphosat selber nicht mit der DNA reagiert, sondern man andere Mechanismen vermuten muss. Und diese indirekten Mechanismen haben wir versucht mit dem Nematoden C. elegans zu untersuchen.

Prof. Wim Wätjen, Ernährungswissenschaftler
Nematoden
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Nematoden sind Fadenwürmer. An ihnen wurden bereits zahlreiche Mechanismen aus der Biochemie untersucht. An diesen gerade mal ein Millimeter großen Wurm verfütterte der Professor für "Biofunktionalität sekundärer Pflanzenstoffe" und seine Studenten also den Stoff Glyphosat und andere Bestandteile des Herbizids. Darunter waren auch sogenannte Netzmittel.

"Das Herbizid muss über die Blätter in die Pflanze gelangen. Das Netzmittel sorgt für eine gute Benetzung, damit die Aufnahme stark gesteigert wird", erklärt Wätjen.

Das Ergebnis liegt nun vor: Die Wissenschaftler konnten in dem Wurm keinen krebserregenden Mechanismus nachweisen. Die DNA nahm auch indirekt keinen Schaden durch das Glyphosat. Die Frage also, wie Glyphosat Krebs erregen könnte, bleibt auch von den Hallensern unbeantwortet. Allerdings fanden sie heraus, was das Mittel, der Forscher spricht von "Formulierung", giftig macht.

Wir konnten zeigen, dass das Glyphosat selber relativ untoxisch ist. Wenn wir die Formulierung einsetzen, ist die aber für das Tier um einiges toxischer. Die Tiere sterben schneller, die Lebensspanne ist bei ihnen reduziert, wir haben Effekte auf die Entwicklung - also die Toxizität wird durch das Netzmittel in Kombination mit dem Glyphosat ausgelöst.

Wim Wätjen, Ernährungswissenschaftler

Giftigkeit darf aber nicht gleichgesetzt werden mit krebserregend. Der Ernährungswissenschaftler Wim Wätjen kann sich also weiterhin nur auf die vorhandenen Studien berufen: Darin sieht er wenig Anhaltspunkte dafür, dass Glyphosat krebserregend ist. Selbst wenn, so der Hallenser, wäre der Effekt nur sehr schwach. Deutlich stärker wäre das Risiko an Krebs zu erkranken durch Alkohol oder fettiges Essen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 25.10.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 17:19 Uhr