Niedrigwasser-Rekord am Rhein bei Düsseldorf, 2003
In Düsseldorf hätte man den Rhein beinahe zu Fuß überqueren können: Im Rekordsommer von 2003 wurde dort der bislang niedrigste Wasserstand aller Zeiten gemessen. Bildrechte: IMAGO

15 Jahre Hitzewelle von 2003 Eine der schlimmsten Naturkatastrophen des modernen Europas

Die Hitzewelle von 2003 kostete etwa 70.000 Menschen das Leben, besonders viele Ältere und Kranke starben. 15 Jahre später ächzt Europa erneut unter einem Jahrhundertsommer, doch die Folgen sind diesmal andere.

von Clemens Haug

Niedrigwasser-Rekord am Rhein bei Düsseldorf, 2003
In Düsseldorf hätte man den Rhein beinahe zu Fuß überqueren können: Im Rekordsommer von 2003 wurde dort der bislang niedrigste Wasserstand aller Zeiten gemessen. Bildrechte: IMAGO

47,5 Grad Celsius, diese kaum zu glaubende Spitzentemperatur wurde am 1. August 2003 in der portugiesischen Region Alentejo gemessen. Mit anhaltend hohen Temperaturen ging die von Hoch Michaela ausgelöste Hitzewelle im August vor 15 Jahren als Jahrhundertsommer in die Geschichtsbücher ein. Weniger bekannt ist, dass sie als eine der schwersten Naturkatastrophen im Europa der letzten hundert Jahre gilt.

Ein Grund mag darin liegen, dass Hitzewellen selten ähnlich schreckliche Foto- und Fernsehbilder bieten, wie eine Flutkatastrophe. Die Zahlen von 2003 sprechen allerdings für sich: 70.000 Menschen starben damals zwischen Juni und September an den Folgen der drückenden Temperaturen, vor allem in Frankreich und Norditalien, wo das Zentrum der wochenlang anhaltenden Hitze lag. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam aus Belgien, Frankreich und der Schweiz, das den Jahrhundertsommer statistisch auswertete und die Sterberaten mit gewöhnlichen Jahren verglich. Der Sommer 2003 zählt damit zu den Katastrophen mit den meisten Todesopfern im Europa der vergangenen 100 Jahre.

Erhebliche volkswirtschaftliche Schäden

Munich RE, einer der weltgrößten Rückversicherungskonzerne, bezifferte die volkswirtschaftlichen Schäden durch Waldbrände, Ernteausfälle sowie zwangsweise heruntergefahrene Kraftwerken und wegen niedriger Flusspegel liegen gebliebener Schiffe auf weit über 13 Milliarden US-Dollar.

"2003 war mit dieser Summe ein wirklich außergewöhnliches Jahr", sagt Ernst Rauch Chefklimatologe und Geowissenschaftler bei Munich RE. Es folgten zwar weitere, sehr heiße Sommer. Aber nach Berechnungen der Versicherer waren die Schäden deutlich geringer. 2006 entstanden durch Hitze und Dürre etwa 1,7 Milliarden Dollar Schaden, 2007 waren es weniger als eine Milliarde, 2015 unter 100 Millionen US Dollar.

Dennoch zeigt die Statistik einen vor allem für Landwirte bedrohlichen Trend. "Die Schwankungen bei den Erntemengen haben durch die durch Trockenheit bedingten Ausfälle deutlich zugenommen", sagt Rauch. Problematisch sei, dass viel zu wenige Agrarbetriebe gegen solche Schäden versichert seien.

2018 deutlich längere Trockenheit als 2003

Spätestens 15 Jahre später zeigt sich: Der Sommer 2003 wird wohl nicht der einzige extreme Hitzesommer des Jahrhunderts bleiben. Wie schon vor 15 Jahren sorgt 2018 erneut eine sogenannte Omegalage wochenlang für hohe Temperaturen und ausbleibenden Regen. Im Vergleich zu damals gibt es allerdings einige Unterschiede, sagt Florian Imbery, Leiter der Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst in Frankfurt.

Damals lag das Zentrum in Frankreich, in Deutschland wurden die höchsten Temperaturen in Karlsruhe und Freiburg mit jeweils über 40 Grad gemessen. Aktuell haben wir vor allem Hochdruck über Skandinavien, deshalb ist es in Norddeutschland am heißesten. Wir erwarten diesmal nicht, dass die 40 Grad Marke erreicht wird. Dafür gibt es jetzt viel weniger Niederschläge als 2003.

Florian Imbery, Deutscher Wetterdienst

Die damalige Hitzewelle sei ein relativ scharf abgeschlossener Bereich von Juni bis August gewesen, sagt Imbery. 2018 dagegen seien schon April und Mai sehr warm und deutlich regenärmer gewesen. "Die Trockenheit hält im Vergleich viel länger an", sagt der Meteorologe. Auch wenn es noch sehr lange dauern wird, bis eine abschließende Bilanz möglich ist, vermutet Imbery, dass die Schäden an Landwirtschaft und Natur höher ausfallen werden.

Nicht so viele Todesofper

Einziger Trost: Nach jetzigem Stand wird der Sommer 2018 wahrscheinlich nicht so viele Todesopfer fordern, wie 2003. Kliniken melden zwar ein erhöhtes Aufkommen an Patienten, die dehydriert sind oder an anderen Folgen der hohen Temperaturen leiden. Doch von alarmierenden Fallzahlen spricht bislang keine Einrichtung. Verlässliche Daten werden aber auch hier frühestens im kommenden Jahr vorliegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Juli 2018 | 17:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 07:00 Uhr