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Studie Hochwassermanagement in EuropaMehr Hochwasser im Norden, mehr Dürre im Süden

von Anne Sailer

Stand: 29. August 2019, 15:24 Uhr

Alarmierend, was ein Wiener Hydrologe aus einer Langzeitmessung der Wasserdaten großer Flüsse herausliest: Manche Regionen werden keine Dämme mehr brauchen, andere sollten sich unbedingt welche zulegen.

Wir schwitzen schon den zweiten Sommer in Folge. Alles lechzt nach Regen und Feuchtigkeit, die Natur vertrocknet. Doch der Regen wird kommen. Nur nicht so, wir das gern hätten. Das Fachblatt "Natur" hat dazu eine alarmierende Studie veröffentlicht - es ist die größte ihrer Art bisher:

Demnach führt der Klimawandel in Europa zu immer heftigeren Hochwasserereignissen - manche Gegenden "saufen" künftig häufiger und heftiger ab, andere dagegen bleiben trocken. Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien hat eine riesige Datenmenge zusammengetragen aus 50 Jahren Wassermessung vor allem an größeren Flüssen Europas. Die Auswertungsergebnisse überraschen selbst den Hydrologen:

Die Muster in der Hochwasseränderung in Europa zeigen, dass die Tiefdruckgebiete, die über den Atlantik von Nordamerika nach Europa wandern, eine Zugbahn haben, die stärker im Norden ist als früher. Das hängt damit zusammen, dass sich der Pol stärker erwärmt als der Äquator, und wenn sie früher das Mittelmeer getroffen haben, treffen sie jetzt England, Nordfrankreich und Deutschland.

Günter Blöschl

Gibt es jetzt punktgenaue Hochwasserwarnungen?

In Großbritannien heißt es künftig also öfter "Land unter", während es im Süden Europas nun immer öfter zu Dürren kommen kann, so der Experte. Kann man aber genau sagen, wann es wo ein Hochwasser geben wird? Das gibt die statistische Auswertung nicht her, erklärt der Wiener Wissenschaftler:

Wir machen keine Aussage von Einzelereignissen, wann die Überschwemmung kommt oder wie groß die nächste Überschwemmung ist.

Günter Blöschl

Aber anhand der Daten lässt sich Blöschl zufolge statistisch gesehen sagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Hochwasser-Größe ist:

Diese Wahrscheinlichkeit hat im Nordwesten von Europa zugenommen und im Süden und im Osten abgenommen. Die Grenze ist Österreich, der Alpenhauptkamm. Wenn wir Österreich anschauen, haben wir nördlich der Alpen Zunahme, südlich davon Abnahme oder keine Zunahme, das ist eine scharfe Grenze.

Günter Blöschl

Welche Daten wurden genutzt?

Für die Studie wurden an 3.700 Wassermessstellen in den Jahren 1960 bis 2010 Wasserstände und Durchlaufmengen erfasst und ausgewertet. Dabei wurde noch eine Tendenz sichtbar: Die Hochwasserwahrscheinlichkeit in Osteuropa sinkt unter anderem auch deshalb, weil es immer weniger schneit.

Mit diesen Daten lässt sich arbeiten, wie Experte Blöschl zeigt. Es lassen sich nämlich wichtige Maßnahmen für das Hochwassermanagement aus den Ergebnissen der Studie ableiten, nicht nur, wenn es um die Infrastruktur geht wie Dämme, die gebaut werden sollten, oder Rückhaltebecken:

Das könnten auch Hochwasserversicherungen sein oder wenn Leute abgesiedelt werden aus hochwassergefährdeten Gebieten.

Günter Blöschl

Hochwassermanagement: Jetzt muss man es anpassen

Die neue große Studie dürfte auch Immobilienbesitzer, Tourismusverbände und Betreiber von Kulturerbestätten auf den Plan rufen, denn da, wo man bisher nie über Hochwasser nachdachte, könnte man Probleme kriegen und dort, wo es immer ein Problem war, könnte der eine oder andere Damm bald überflüssig werden.

Grimma in Sachsen: Malerisch angeschmiegt ans Flüsschen Mulde. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Dieses Thema im Programm:MDR aktuell | Radio | 28. August 2019 | 19:50 Uhr