Blinde Passagiere beim Blumenhandel Nacktschnecken-Invasion im Blumenstrauß

Der Valentinstag ist ein Festtag für alle Verliebten - und die Bumenhändler. Doch im Blumenstrauß für die Angebetete könnte sich eine ungewollte Überraschung verstecken: exotische Nacktschnecken nämlich. Die kommen nämlich immer häufiger als blinde Passagiere über den weltweiten Blumenhandel nach Deutschland - als florale Schneckenpost sozusagen.

Eine Bananenschnecke (Ariolimax columbiana), ausgewachsenes Exemplar, auf dem Regenwald-Boden.
Eine Bananenschnecke in ihrem natürlichen Lebensraum: dem Regenwald. Bildrechte: IMAGO

Blumen kommen längst nicht mehr aus der Gärtnerei von nebenan. Die meisten werden importiert. Aus Equador, Kolumbien, Südafrika, Sri Lanka, Australien. 2016 waren es beinahe 200.000 Tonnen Blumen aus 40 Ländern.

Forscher stellen nun fest, dass mit den Blumen auch exotische Nacktschnecken geliefert werden. "Theoretisch kann jede Schnecke an irgendwelchen Blumen sitzen", sagt Heike Reise vom Senckenbergmuseum für Naturkunde in Görlitz. Die Frage sei nur, wie die Chancen stünden, dass sie mit diesen Blumen transportiert werde und dann an die Kunden gerate. Und der müsse sie auch noch irgendwohin tragen - in einen Garten oder auf einen Friedhof.

Doch die Chancen dafür stehen tatsächlich ganz gut, stellt die Schneckenforscherin fest und schreibt darüber eine wissenschaftliche Arbeit. Sie sagt, in Europa hätten Nacktschnecken alle Reisefreiheiten. Allerdings habe da bisher niemand drauf geachtet.

Und wenn dann nicht irgendein Blumenhändler gesagt hätte: Das ist aber komisch , was  ist denn das? Ich ruf mal den Herrn von Broschwitz im naturhistorischen Museum in Göteborg an, denn der ist an den Tieren interessiert, dann wüssten wir das nicht.

Dr. Heike Reise, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Vor allem zwei Schneckenarten fallen den Forschern auf: Die große, gelbe "Bananenschnecke" und die Taildropper, wie beide im Volksmund genannt werden. Eine ausgewachsene Bananenschnecke kann 15 Zentimeter groß werden und die Taildropper wird vielleicht fünf Zentimeter groß, sagt Schneckenforscherin Reise. Das seien schon relativ große Arten. Beide Spezies stammen von der Pazifikküste Nordamerikas. Ihre Eier legen sie üblicherweise im Boden ab, denn dort sind sie geschützt vor Kälte. Und zur Fortpflanzung brauchen manche nur sich selbst.

Es kann ein Tier verschleppt werden, dass sich schon gepaart hat und dann Eier legt und aus den Eiern schlüpfen Schnecken und die können sich miteinander paaren ohne Probleme. Es gibt Arten, die können sich selbst befruchten und Nachkommen erzeugen ohne sich paaren zu müssen - da reicht es aus wenn man eine Jungschnecke transportiert.

Dr. Heike Reise, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Nacktschnecke
Florale Schneckenpost bekommen? Forscherin Heike Reise freut sich über ein Foto des blinden Passagiers. Bildrechte: colourbox

Doch was tun? Beim Gärtner sind Nacktschnecken nicht besonders beliebt. Denn Gärtner und Schnecke stehen in Nahrungskonkurrenz. Also auf Blumengeschenke verzichten? Soweit muss es auch nicht gehen, sagt die Schneckenforscherin. Sie wollten aber darauf aufmerksam machen, dass es offensichtlich wenig Kontrollen auf europäischer Seite gebe, was den Transport von solchen Dingen betreffe. Das sei in Australien und Nordamerika anders. Dort gebe es sehr strikte Kontrollen um zu vermeiden, dass neue Schadarten eingeschleppt würden.

"Das ist in Europa viel weniger der Fall", sagt die Görlitzer Schneckenforscherin Reise. Es fehlt also an Kontrollen und die fordern die Forscher nun ein. Und sie  rufen dazu auf, Nacktschnecken oder andere Tiere im Blumenstrauß zu melden. Schneckenforscherin Heike Reise jedenfalls würde sich über ein Foto eines solchen Exemplars mehr freuen als über Blumen.

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Lexi TV 6 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. Februar 2018 | 16:47 Uhr